Krevese (fsc) l Der Landschaftsgarten "Im Mariental", dem Herrenhaus Krevese zugehörig, war am Sonntag, dem Tag der offenen privaten Gärten, ein Wallfahrtsort von weit mehr als 100 Gartenfreunden und am historischen Parkambiente interessierten Besuchern. Ihnen hatten die Besitzer des Anwesens Ralf Engelkamp und Rainer Kranz nicht nur den Garten auf dem Gutshof und den Nebenanlagen zugänglich gemacht, sondern auch drei Parkführungen angeboten.

Hatten die Gäste zunächst im Herrenhaus Fotos über die Geschichte des einstigen Bismarckschen Anwesens, das zu DDR-Zeiten unter anderem als Polytechnische Oberschule diente, und Arbeiten des hiesigen "Ateliers offen" betrachtet, wandten sie sich im Innenhof dem Terrassengarten mit den überwiegend mediterranen Kübelpflanzen zu.

In der Mitte des rechteckigen Areals macht ein Erdbeerbaum (Abutus) auf sich aufmerksam, eine Gehölzart mit erdbeerartigen Früchten in seiner entsprechenden Vegetationsperiode, von dem, so Rainer Kranz, schon Goethe in Italien genau so fasziniert gewesen sein soll wie von den Zitronenbäumen. Für diesen heute 28 Jahre alten Abutus hätte Kranz Samen aus Griechenland mitgebracht, erfuhr die Volksstimme.

Altes Speicherhaus wurde in das Grün integriert

Herrlich blühende Granatapfelbäumchen, verschiedene Agaven, Steingartenpflanzen, Gewürzrinde (Cassia), Weißes Wandelröschen und andere botanische Raritäten wie ein besonderer Thymian, eine Melissenart und eine Begonie, die bei direkter Annäherung einen zarten Rosenduft ausströmten, konnten die Besucher ebenso im etwa 500 Gewächsen umfassenden Sortiment bewundern. "Es ist einfach eine Pracht, und man erkennt darin auch die Leidenschaft, die die Besitzer für ihre Blumen und Sträucher hegen", sagten Barbara Melchor aus Genthin und Uta Weitschies aus Tangermünde. "Bei meinen heutigen Parkführungen möchte ich besonders auf die Integration der mittelalterlichen Klosterkirche und des alten Speicherhauses, das vermutlich zu den einstigen Klosteranlagen gehörte, aufmerksam machen", sagte Engelkamp, als er die Besucher um sich versammelt hatte. Gebäude, die einst unmodern geworden waren, aber romantischen Charakter hatten, seien von Gartengestaltern wie Lenné gern in die Landschaftsarchitektur einbezogen worden. "Vermutlich hat das barocke Herrenhaus, das 1725 von Christoph-Georg v. Bismarck errichtet worden war, aus klösterlichen Relikten hervorgegangen", so Engelkamp. Wissenschaftlich, durch Grabungen, sei das aber nicht bewiesen.

Vom Terrassengarten kommt der Besucher in den Park, der später allmählich in die ihn umgebende Landschaft übergeht. Viel Zeit und Kraft hätte es die beiden Hausherren gekostet, als sie ab 2003 mit der "Renovierung" des Parks begonnen hatten. Viel Wildwuchs musste beseitigt, Unterholz gezielt gepflanzt werden, Sichtachsen wurden wieder hergestellt, zum Beispiel von "Lindendom" zur Klosterkirche. Baumgruppen und Solitäre des englischen Landschaftsgartens wurden gestalterisch in Szene gesetzt, anmutig geschwungene Wege angelegt, auf denen Bänke zum Ausruhen einladen. So sei ein Vier-Zeiten-Park entstanden, der, im Verein mit dem Garten, 2007 von Fachleuten international als einer der 27 besten Gärten genannt wird.

Zurückgekehrt von den Wanderungen durch den Park, konnten die Besucher sich mit Kaffee und Kuchen der Kreveser Landfrauen stärken. Im Foyer des Herrenhauses luden die Arendseer "Stilblüten" - Petra Zelfel, Grit Stange, Edith Arns, Karola Kujath und Eva Scholz - zur Lesung kleiner Geschichten und Gedichte unter dem Motto "Parkblicke" ein. Erika und Ludger Engelkamp hatten einen kleinen Basar aufgebaut, dessen Erlös der weiteren Restaurierung des Herrenhauses zugute kommen soll.

 

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