Ab heute rollt in der Bundesliga das runde Leder. Lutz Bornemann drückt dann ganz bestimmt wieder seinem BVB die Daumen. Noch aber steht der Rossauer unter dem Eindruck eines ganz anderen Fußball-Ereignisses.

Osterburg l Lutz Bornemann hat Bundesligaspiele in Stadien verfolgt und hautnah bei Länderspielen mitgefiebert. "Aber das alles ist mit der Atmosphäre und Stimmung bei einer Weltmeisterschaft nicht vergleichbar", gibt der Rossauer eine eigene Erfahrung wieder. Er erlebte die WM in Brasilien in diesem Sommer direkt in dem südamerikanischen Land mit (die Volksstimme berichtete).

Wieder in der Altmark und auch zurück im Alltag angekommen, schwärmt der Fußballfan von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Brasilianer. "Auch nach der hohen Niederlage ihres Teams gegen unsere Nationalmannschaft hat es gegenüber uns überhaupt keine Aversionen oder schiefen Blicke gegeben. Klar lag Traurigkeit in der Luft. Aber die Brasilianer haben fair anerkannt, dass die Deutschen in diesem Spiel einfach viel besser waren und den Einzug in das Finale verdient hatten", erzählt Lutz Bornemann.

"Wir haben sogar Piranhas geangelt"

Beim denkwürdigen 7:1-Halbfinalsieg fieberte der Altmärker übrigens nicht im Stadion mit sondern vor einem Bildschirm in einem brasilianischen Flughafen. "Gemeinsam mit einigen Freunden war ich zwar vor allem wegen der WM in Brasilien. Wir wollten uns aber auch ein wenig im Land umschauen." So erkundeten die Deutschen mit den 40 Wasserfällen bei Iguacu ein Naturspektakel im Süden Brasiliens, bei Manaus im Norden des Landes betraten sie das Amazonasgebiet und wagten mit einem Führer einen Abstecher in den Regenwald. "Allein und ohne Erfahrung überlebt man dort keine 24 Stunden", sagt Bornemann und staunt noch immer über "die ungemein vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Wir haben dort sogar Piranhas geangelt. Aber sie hinterher wieder ins Wasser geworfen", fügt er schmunzelnd hinzu.

Sonst dominierte aber das runde Leder das Geschehen. In Salvador war Bornemann beim 4:0 Auftaktsieg der Deutschen gegen Portugal im Stadion, in Fortaleza erlebte er nur wenige Tage später das 2:2 gegen Ghana auf den Tribünenrängen mit. Fortaleza bleibt dem Rossauer aber nicht nur wegen des Spiels in Erinnerung. "Dort haben wir die auch im Land herrschende Armut unmittelbar und direkt gespürt." Denn die Fußballfans übernachteten in einem Quartier, dass sich mitten in den Favelas (Armenviertel) der Stadt befand. "Auf dem Weg zum Stadion sind wir an den Favelas vorbei gelaufen. Das war schon ein merkwürdiges Gefühl. Uns war auch ziemlich mulmig, weil Kriminalität in den Armenvierteln zum Alltag gehört. Zum Glück sind wir davon aber verschont geblieben", blickt Lutz Bornemann zurück.

Ganz andere Empfindungen verbindet er mit dem Gastquartier in Fortaleza. In dem ummauerten und von einem Wachdienst gesicherten Wohngebiet seien die Menschen sehr offen und herzlich gewesen. "Wir sind zum Kicken eingeladen worden, haben jede Menge Gastgeschenke erhalten. Ein Mädchen hat mir sogar ihr Trikot von der Mannschaft aus Fortaleza überreicht. Ich habe mich dafür mit meinem Nationalmannschafts-Trikot revanchiert", erzählt er.

Ein Wunsch blieb dem Rossauer allerdings verwehrt. Denn auf die zwei Vorrundenspiele folgte kein weiterer Stadionbesuch, "dazu waren die Preise der angebotenen Tickets viel zu hoch. Für das Finale war zum Beispiel unter 2000 Euro pro Karte gar nichts zu machen. Das war mir schlichtweg zu teuer. Ich habe das Endspiel dann mitten unter argentinischen Schlachtenbummlern an der Copacabana gesehen", erzählt Lutz Bornemann.

Die Fans der deutschen Finalgegner hätten klasse Stimmung gemacht, seien aber als Nation quasi Einzelkämpfer gewesen. "Denn bis auf Argentinien hat ganz Südamerika uns die Daumen gedrückt. Ganz besonders die Brasilianer. Einige sind vor dem Spiel mit T-Shirts herumgelaufen, auf denen das Ergebnis 8:1 für Deutschland gegen Argentinien abgedruckt war. Wir sollten also mit noch einem Tor mehr gewinnen als gegen Brasilien", blickt der Altmärker schmunzelnd zurück. Das tatsächliche Ergebnis fiel mit einem 1:0 in der Verlängerung dann aber knapper aus.

Nach dem Schlusspfiff zeichneten sich an der Copacabana brenzlige Situationen ab, weil "Argentinier und Brasilianer aneinandergerieten. Aber das war zum Glück schnell vorbei", erzählt Lutz Bornemann, der nach dem Endspiel die Heimreise antrat. Auf deutschem Boden wartete dann der nervigste Moment der ganzen Reise auf ihn. "Ich wurde auf dem Frankfurter Flughafen akribisch vom Zoll kontrolliert. Klar, die Mitarbeiter haben nur ihre Arbeit gemacht. Trotzdem habe ich deshalb meinen Zug verpasst und war viel später als geplant daheim."

Erlebnis noch lange nicht verarbeitet

Zurück zu Hause schwärmt der Rossauer von einem Erlebnis, "dass ich noch lange nicht richtig verarbeitet habe." Wer sich gern auf andere Menschen und Kulturen einlassen möchte, für den sei dieses Land ganz sicher eine reizvolle Adresse. Für sich selbst schlägt Lutz Bornemann das Kapitel Brasilien aber erst einmal zu. Und auch die WM rückt so langsam in den Hintergrund. Denn heute startet die Bundesliga. Und da gilt der Borussia aus Dortmund die Sympathie und Aufmerksamkeit des Fußballfans.

 

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