Auch wenn im Turmuhrenmuseum Seehausen längst nicht alle Zeitmesser ticken, ist immer Leben in der Ausstellung - selbst, wenn keine Besucher im Haus sind.

Seehausen l "Die ticken doch nicht ganz richtig!" Wenn dem Seehäuser Uhrmachermeister Günther Haut dieser Satz über die Lippen kommt, dann beleidigt er damit niemanden, sondern spricht mit Blick auf die digitalisierte Zeitanzeige eine Tatsache aus.

Kommune unterstützt den Trägerverein

Nur einen Steinwurf von seinem Laden entfernt tickt und gongt es im Turmuhrenmuseum dagegen in allen Ecken und Enden - so wie in seiner Werkstatt, nur etwas lauter. Für den Vorsitzenden des Turmuhrenvereins und dessen 26 Mitstreiter vom harten Kern bis zum Ehrenmitglied ist das Musik. Musik, die kontinuierlich seit zehn Jahren erklingt. Denn so lange ist die Eröffnung der Ausstellungsräume in der ehemaligen Außenstelle der Magdeburger Diamant-Brauerei an der Mühlenstraße schon her. Die Immobilie, in der auch der Heimatverein sein Domizil hat, gehört der Stadt, die dem Verein die Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung stellt. Wofür sich der Verein nicht nur mit touristischem Engagement für die Kommune, sondern auch mit der Instandhaltung des Hofes revanchiert.

36 Turmuhren (die meisten funktionstüchtig) sind mittlerweile zu besichtigen. Noch mehr der historischen Zeitmesser liegen im Museumsmagazin. Die Keimzelle der Sammlung stammt natürlich von Haut, dem Zuhause der Platz knapp wurde und dem die gelbe Karte seiner Frau drohte. Mit der Gründung des Museums sprachen vermehrt Leute und Institutionen vor, die ihre Uhren für die Nachwelt bei den Vereinsleuten in guten und sachkundigen Händen wissen. Zumal absehbar ist, dass es insbesondere auf Kirchtürmen schlecht um die Zukunft mechanischer Zeitmesser bestellt ist, weil engagierte Technikfreunde vor Ort oft keine Nachfolger haben und den Gemeinden mitunter nur die Installation einer Digitaluhr übrigbleibt.

Café lädt Besucher zu einer Rast ein

Bei Turmuhren ist es im gleichnamigen Museum nicht geblieben. In einem zweiten Ausstellungsraum sind Stand- und Wanduhren zu sehen. Was nicht so recht in die Sammlung passen will, darf im gemütlichen Turmuhren-Café weiterticken, das Platz für zwei dutzend Gäste bietet. Dass Besucher nicht ausbleiben, dafür sorgt der Ruf der Einrichtung, die von vielen Touristinformationen empfohlen wird und bei Reiseveranstaltern gelistet ist. So bringen vor allem auch Reisegruppen das Geld in die Kasse, das neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen dazu dient, Zeit im wahrsten Sinn des Wortes weiter erlebbar zu machen.

 

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