Einwohner aus Werben und Umgebung trafen sich auf Einladung des Stadtrates am Dienstag im Werbener Rathaus zu einer Versammlung. Im Mittelpunkt stand die Zukunft des Schulgebäudes. Viele Bürger sprachen sich für die Gründung einer Privatschule aus.

Werben l Nach dem verordneten Aus für die Grundschule Werben steht für den Stadtrat nun die Frage nach der künftigen Nutzung des nahezu komplett sanierten Schulgebäudes auf der Tagesordnung. Der Stadtrat folgte während seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag von Bürgermeister Jochen Hufschmidt, zu diesem wichtigen Thema auch die Meinung der Bevölkerung im Rahmen einer Versammlung anzuhören. Der Einladung zum Dienstagabend ins Rathaus waren zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gefolgt, darunter eine Reihe Ratsmitlieder sowie Vertreterinnen der Vereine "Werben für Kinder" und "KinderStärken".

"Die heutige Versammlung dient der Vorbereitung der Ratssitzung, bei der über die künftige Nutzung des Schulgebäudes entschieden werden muss. Viele Fragen tun sich auf. Weiterhin wird das Haus als Schulhort genutzt, aber was wird aus den vielen anderen leerstehenden, für Schulzwecke sanierten Räumen?", begann der Bürgermeister.

Hufschmidt führte weiter aus, dass es seitens der Verwaltung Bestrebungen gebe, auch den Kindergarten "Storchennest" in dem Gebäude mit unterzubringen. "Wenn es aus der Hansestadt Werben Ideen zur anderweitigen Nutzung gibt, so ist das mit der Verbandsgemeinde abzustimmen." Ines Bergmann stellte die Frage an den Bürgermeister, was denn am Schulgebäude zu tun wäre, um es künftig als Kita nutzen zu können. Aus Hufschmidts Sicht wäre der dazu notwendige Umbau enorm aufwändig und teuer. "Das Gebäude ist als Schule konzipiert. Aus meiner Sicht müsste es komplett umgebaut werden." Wie das Stadt- oberhaupt weiter erläuterte, gebe es seitens der Verbandsgemeinde (VG), die Träger der Schule und Kita sei, Bestrebungen, über das Stark-III-Programm Fördermittel für die Kita-Sanierung zu beantragen.

"Schulhaus-Nutzung als Kita nicht ausschließen"

Wolfgang Trösken

Wolfgang Trösken zeigte sich überzeugt, dass es überlegenswert sei, den Kindergarten im Schulgebäude unterzubringen. Die notwendigen Sanierungsmaßnahmen an der derzeitigen Kita seien ebenfalls sehr kostenaufwändig. Aus Sicht von Gabriele Herber ist mit Blick auf diese Frage eine Kostengegenüberstellung erforderlich. Was würde der Schulumbau zur Kita beziehungsweise die Sanierung des vorhandenen Kindergartens jeweils kosten? Bei der Abwägung wäre die Frage der Fördermöglichkeiten mit einzubeziehen. Hufschmidt erläuterte, dass auch Kosten für eine derartige Untersuchung anfielen, über die der Stadtrat entscheiden müsse. Siska Drogi sprach sich vehement dafür aus, die Kita Werben dort zu belassen wo sie ist. Die Einrichtung sei wunderschön gelegen und auch vom Gebäude her bestens für den Zweck geeignet. Dies sei zudem notwendig, um das Schulgebäude weiterhin als Stätte für die nachelementare Bildung zu nutzen - zum Beispiel als private Grundschule (GS). Doris Schultz schloss sich dem an. "Sollte man nicht das, was man hat, festhalten, erhalten und gegebenenfalls sanieren? Die Stadt Werben hat die Schule als Schule saniert und der Kindergarten ist Kindergarten. Dort sollten die Kinder bleiben."

"Gebäude für andere Bildungsträger öffnen"

Michael Schnelle

Wolfgang Trösken erinnerte daran, dass auch die jetzige Kita nicht immer eine Kita gewesen sei. Schon immer habe es derartige Veränderungen gegeben. Man sollte sich einer Umnutzung nicht von vornherein verschließen. Jens Schultze antwortete: "Aber was ist der Sinn der Sache? Der Umbau eines Gebäudes, das gerade als Schule saniert wurde, zu einem Kindergarten - das ist Schwachsinn!" Ines Bergmann stellte die Frage in den Raum, welche Ideen für eine Nutzung des Schulgebäudes es noch gebe. Michael Schnelle machte den Vorschlag, es auch für die Erwachsenenbildung zu nutzen. "Im Kommandeurshaus soll ein Bildungsträger einziehen, der noch weitere Räume benötigen wird. Dafür wäre meiner Meinung nach die Schule optimal geeignet. Es sollte auch Kontakt mit anderen Bildungsträgern aufgenommen werden." Hufschmidt wies auf das enorme Platzangebot in der Schule hin. Das Gebäude könne auf vielfältige Weise genutzt werden - für Schulungsveranstaltungen ebenso wie beispielsweise für den Jugendclub. Auch Vereine könnten Räume nutzen. "Und vor allem gibt es ja die Idee der Nutzung als Privatschule."

Über diese Möglichkeit wurde im weiteren Verlauf der Versammlung ausgiebig diskutiert. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zeigten sich dieser Idee sehr aufgeschlossen. Klar zeigte sich aber auch, dass dieses Vorhaben schwierig auf den Weg zu bringen und auch zu erhalten wäre. "Es muss dringend ein gutes Konzept her. Und allein mit den Werbener Kindern geht es nicht", meinte Jens Schultz. Bärbel Görtzen zeigte sich überzeugt, dass eine gut geführte Privatschule mit einem fundierten Konzept auch in Werben eine Ausstrahlung bis weit über die Stadtgrenzen hätte. "Der Bedarf ist sehr groß. Zum Beispiel in Stendal und Tangermünde gibt es lange Wartelisten." Christoph Schorlemmer wandte ein, dass diese beiden Schulen vor allem durch ihre zentrale Lage beziehungsweise infrastrukturelle Anbindung so nachgefragt seien. Mehrere andere Diskussionsteilnehmer zeigten sich jedoch davon überzeugt, dass viele Eltern für ihre Kinder auch weitere Schulwege für gute Schulbildung in Kauf nähmen. Das zeige sich in vielen Orten, wo es Privatschulen gibt. Auch der Schülertransport funktioniere.

"Privatschule erfordert einen erfahrenen Träger"

Jochen Hufschmidt

Hufschmidt wies darauf hin, dass die Bedingungen zur Gründung von Privatschulen vom Land noch einmal erschwert worden seien. Allerdings sei nichts unmöglich. Aus Sicht des Bürgermeisters sei unbedingt ein erfahrener Träger erforderlich, um das Vorhaben zum Erfolg zu führen. "Ein Träger hat sich bereits an uns gewandt", informierte er. Er betonte, dass dafür auch der Stadtrat seine Zustimmung geben müsse.

Ines Bergmann führte aus, dass sie sich bereits seit langem mit dem Thema Privatschule befasst habe - nicht nur mit Blick auf die Schule Werben. "Fest steht, dass wir es als Verein allein nicht schaffen können. Wir brauchen jegliche Unterstützung." Aus Bergmanns Sicht seien zunächst drei Schritte erforderlich, um eine private GS auf den Weg zu bringen. Erstens müsste der Bedarf in Werben und Umgebung durch eine Elternbefragung ermittelt werden. Zweitens sei zügig ein fundiertes Schulkonzept zu erstellen. "Und drittens muss eine vernünftige Finanzierung gesichert werden. Dafür benötigen wir die Hilfe von sehr vielen Menschen. Wir brauchen gute Ideen und Unterstützung jeglicher Art." Auch aus Sicht Bergmanns werde ein solider Schulträger benötigt.

Elisabeth Gellerich schlug Schulpatenschaften vor, um auch Kindern auch sozial schwächeren Familien zu ermöglichen, die Privatschule zu besuchen. Eine weitere Idee aus der Reihe der Anwesenden lautete, einen Förderverein zur Gründung einer Privatschule zu gründen.

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