Die Königsmarker feiern das 850-jährige Bestehen ihres Dorfes. Und blicken dabei auch in die Vergangenheit des Ortes. Kreismuseumschef Frank Hoche "entführte" seine Zuhörer am Montagabend in die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Königfsmark l Reges Interesse, etwas aus der Geschichte Königsmarks zu erfahren, führte am Montag mehr als 70 Besucher in die Sommerküche der Heilpädagogischen Einrichtung der Diakonie. Frank Hoche, Leiter der Museen des Landkreises Stendal, berichtete dort über "Königsmark im 1. Weltkrieg". Laut einer so genannten Ehrenliste, die der Referent dabei hatte, hatten von 1914 bis 1918 17 Väter und Söhne auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen müssen.

Anhand von Nachrichten aus damaligen Lokalzeitungen ließ Hoche diese fünf Jahre Revue passieren, wobei er auch neben traurigen und dramatischen Ereignissen auch kuriose Begebenheiten zur Sprache brachte. Dem Amtsvorsteher Menzerndorf wurden 500 Mark gestohlen. Zum Vergleich: Ein Arbeiter verdiente am Tag 2,50 Mark, ein Glas Bier kostete 10 Pfennige. Zeugten die Berichte im ersten Halbjahr 1914, also im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs vor Beginn des Krieges, noch von einem, regen gesellschaftlichen Leben mit Vereinsbällen bis hin zur Raubtierschau - in Osterburg beispielsweise -, so änderte sich das mit Kriegsbeginn.

Am 9. August wurden 1000 Pferde aus Osterburg und Umland gemustert, einen Tag später erfolgten die ersten Einberufungen der Soldaten. Es begannen Sammlungen unter anderem von Lebensmitteln, Bekleidung, Geld und Zigarren. In der ersten Kriegsanleihe wurden im Kreis Osterburg 1,1 Millionen Mark gezeichnet. In den Zeitungen erschienen die ersten Todesanzeigen, doch noch herrschten Euphorie und Kriegsbegeisterung.

Im April 1915 war es in Rethausen beim Decken einer Stute zu Verfolgungsjagd gekommen. Die Stute riss sich von ihrem Besitzer, der sie hielt, los, der Hengst galoppierte hinter her; erst in Königsmark waren beide Tiere zum Stehen gekommen. Entlaufene Kriegsgefangene klauten Schulkindern das Frühstücksbrot und wurden beim Schwarzmelken von Kühen auf der Weide erwischt. Eine Geldsammlung in Königsmark und Wasmerslage erbrachte 29 Mark. Im September verunglückte der Königsmarker Landwirt Wilhelm Düskau und verletzte sich; auf der Fahrt zur Kartoffelflockenfabrik nach Osterburg war das Pferdegespann durchgegangen.

Im März 1916 wurde der Gefreite Friedrich Pierau aus Königsmark mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das Frühjahr brachte gute Bedingungen für die Bestellung des Wischebodens mit Getreide und Kartoffeln. Bei Königsmark wurden entlaufene Kriegsgefangene entdeckt und festgenommen. In den Schweinebeständen des Landwirts Garz war Rotlauf ausgebrochen. Im August wurde das Verbot erlassen, Kartoffeln und Schrot zu verfüttern sowie Hefekuchen zu backen.

Im Juli 1917 wurden in Königsmark zwei berittene Hilfsgendarmen eingestellt; sie sollten den Viehdiebstählen nachgehen.

Im Jahr 1918 wurde Rudolf Kiebach aus Königsmark wegen Fahnenflucht verhaftet. Rohes Menschenhaar unterlag der Abgabepflicht. Im Juli kehrte ein Königsmarker aus russischer Kriegsgefangenschaft zu Fuß nach Hause zurück. Er sei seit März unterwegs gewesen, berichtete die "Altmärkische Zeitung". Nach der Revolution 1917 war von russischer Seite der Krieg beendet worden. Die Nachrichten vom Kieler Matrosenaufstand Anfang November beschäftigten auch die Lokalpresse. Man berichtete über die Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten sowie Bauernräten und die Abdankung des Kaisers.

Frank Hoche hatte die Frühgeschichte Königsmarks nicht ganz ausgespart und einige Bodenfunde wie Tongefäße, Steinaxt, Pfeilspitzen und anderes mitgebracht. Über die von Zuhörern gefragten Fundorte hielt er sich bedeckt. Auf andere Fragen, zur Besiedlung durch Germanen und Slawen, beispielsweise, blieb er keine Antwort schuldig. Für den interessanten Vortrag dankte Ronald Roefe, Vorsitzender des Kultur- und Sportvereins der Altgemeinde Königsmark unter anderem mit einer reich bebilderten umfangreichen Chronik "Wasmerslage - Königsmark", die der ehemalige Königsmarker und Hofbesitzer Gerhard Oelker verfasst hat.

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