Die Stadt Werben wurde am Sonntag anlässlich des Tages des offenen Denkmals wieder zu einem Besuchermagneten. Trotz schlechten Wetters kamen viele interessierte Gäste, um hinter die Fassaden geschichtsträchtiger Gebäude zu schauen.

Werben l Wer sich vom Regen nicht abschrecken ließ und auf den Weg zum Denkmalstag nach Werben machte, wurde dafür voll entschädigt. Besucher erlebten informative und gastfreundliche Stunden und kamen noch dazu kulinarisch auf ihre Kosten.

"Vormittags hielt sich das Interesse noch in Grenzen, aber nachmittags bot sich ein völlig anderes Bild. Sehr erfreulich, wie viele Menschen sich für dieses geschichtsträchtige Gebäude interessieren", meinte der Rathenower Architekt Wolfram Bleis, während er eine Besuchergruppe durch das Romanische Haus führte. Das älteste "profane" Gebäude Werbens auf dem Johanniter-Komturei-Gelände ist das derzeit größte Restaurierungsvorhaben der Stadt. Rede und Antwort standen den Besuchern neben Bleis auch Mitglieder des Johanniter-Komtureivereins Werben.

Ein deutlich bunteres Bild als im Romanischen Haus bot sich den Ausflüglern bei Eifrigs, Marktplatz 17. Die Familie hatte wieder ihren alten Fachwerkspeicher geöffnet, in dem seit Jahren ein Privatmuseum eingerichtet ist, wo die Biedermeierzeit eine wichtige Rolle spielt. "Das hier war früher einmal der Gebetsraum der Werbener Juden", informierte Werner Eifrig, Chef des Arbeitskreises Werbener Altstadt, die Gäste. Und er fügte hinzu: "Juden gab es in Werben bis etwa 1850." Im Speicher der Familie Eifrig - und wenn der Regen mal pausierte, auch auf dem Hof - machten es sich viele Besucher gemütlich und stärkten sich bei Kaffee, Kuchen oder Schmalzstullen. Bedient wurden sie von Familie Eifrig, Freunden und weiteren AWA-Mitgliedern, die sich allesamt biedermeiermäßig in Schale geworfen hatten.

Großer Andrang herrschte auch bei Lucile Thoyer und Dominik Geißler, die vor einiger Zeit das Fachwerkhaus in der Langestraße 50 erworben hatten und es innerhalb von etwa neun Monaten auf liebevolle Weise restaurierten und gemütlich einrichteten. Dem Paar dient es als Wochenendhaus, aber es wird auch an Freunde und Bekannte als Ferienhaus vermietet. Lucille Thoyer hatte viel Wissenswertes aus der Sanierungsphase zu berichten. In der gemütlichen Wohnküche wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen bewirtet.

Vielen Ausflüglern einen Abstecher wert war auch die Schusterstube in der Seehäuser Straße. Dort fungierte Peter Stahl als Ansprechpartner. Er konnte viel Interessantes berichten und auch zeigen. Die noch komplett mit verschiedenen Schustermaschinen ausgestattete Werkstatt wurde bis 1986 von dem Schuhmachermeister Adolf Smierek betrieben. In den Regalen steht nach wie vor eine Reihe reparierter Schuhe, die von ihren Besitzern einst nicht wieder abgeholt worden waren.

"Wir sind begeistert von Werben. Es ist eine faszinierende Altstadt. Das Besondere hier ist, dass auch private Hausbesitzer sich als Gastgeber beteiligen. Das macht den Denkmalstag wirklich zu einem ganz besonderen Erlebnis", freuten sich zum Beispiel Christine und Wilfried Wandersee aus Salzwedel gegenüber der Volksstimme.

Einer von mehreren weiteren Anziehungspunkten war das Ackerbürgerhaus, Marktplatz 13 (heute: Pension "Roter Adler" von Familie Zwinzscher). Nicht nur das Gebäude selbst lockte, sondern auch die Bilderausstellung von Michaela Herbst und die Serie gewichtiger Steinskulpturen der 23-jährigen Künstlerin Anne Zwinzscher. Ein Hochgenuss war bei Zwinzschers auch der frische, vor Ort gepresste Apfelsaft.

Weitere Ausflugsziele waren am Denkmalstag in Werben unter anderem die Johanniskirche, die Salzkirche, das Elbtor, die Alte Schule am Kirchplatz und mehrere weitere frisch sanierte beziehungsweise noch in der Sanierung befindliche Häuser.

   

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