Düsedau (fsc) l Düsedau erwartet ungewöhnlichen Besuch. Leute gleichen Namens sind vom 3. bis 5. Oktober zum ersten Fest der Begegnung eingeladen. Die Idee dazu hatte der Superintendent im Ruhestand Michael Sommer und diese dem Ortschaftsrat vorgetragen. Dort stieß das Ansinnen auf Rückenwind. Seit November 2013 bereitet ein Organisationskomitee unter Leitung von Michael Sommer den Besuch vor.

"In Düsedau heißt heute niemand mehr Düsedau, auch nicht Düsedow und schon gar nicht Dusedowe oder von Dusedowe", erzählte Sommer. "Aber 58 Telefonbucheinträge mit dem Namen Düsedau gibt es derzeit in Deutschland. Man kann schätzen, dass dazu etwa 150 Menschen gehören."

Rund ein Viertel davon haben die Einladung der Kirchenältesten Adelheid Gericke und Linda Löhr sowie des Ortschaftrates unter Vorsitz des Ortsbürgermeisters Oliver Rüdrich angenommen. Auch die Bewohner von Calberwisch sind eingeladen. Vom Tag der deutschen Einheit bis zum Erntedanksonntag wird es ein buntes Programm geben. "Einheimische und Gäste werden von der Germanistin Dr. Saskia Luther Interessantes über die Entstehung und Bedeutung des Orts- und Familiennamens erfahren und sich auf Spurensuche zur Geschichte der Namensträger und des Dorfes begeben, die unter anderem ins Rittergut Welle und in den Stendaler Dom führen", sagte Sommer. In Welle befinde sich der Grabstein des Christian v. Düsedow, des letzten Adligen aus diesem Geschlecht. Und was den Dom betreffe, so Sommer weiter, "gehörte Düsedau von 1264 ab zu den acht bis zehn Domdörfern, deren Grundeigentümer das Domstift war und bis 1945 Patronatspflichten hatte".

Kreiskantor Friedemann Lessing wird am 3. Oktober ab 18 Uhr ein Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Bronzeglocken der Düsedauer St. Martinskirche geben. "Aus der jahrhundertelangen Dorfgeschichte, von der die erste schriftliche Nachricht aus dem Jahr 1238 vorliegt", blickte Sommer in die Düsedauer Vergangenheit zurück, "sind die wertvollen Glocken und der Kirchturm die ältesten erhalten gebliebenen Sachzeugen, die greifbar sind. Die Sanierung dieses ziemlich einzigartigen Geläutes aus dem 13., 14. und 16. Jahrhunderts ist gegenwärtig in der Vorbereitung und die Spenden und Erlöse dieses Festes dienen der Realisierung dieses Vorhabens. Die Glocken sind im 30-jährigen Krieg, im 1. und im 2. Weltkrieg bis auf die Klöppel unversehrt geblieben. Der Glockenstuhl muss ebenfalls denkmalgerecht saniert werden."

Außerdem zum Programm gehören ein Vortrag zu Kirchenglocken in Europa am Sonnabend im Behrendtschen Saal, der Erntedankgottesdienst am Sonntag ab 10 Uhr sowie eine Kunstausstellung "Skulptur und Grafik" von Caterina Behrendt aus Düsedau beziehungsweise Halle/Saale. Auch die jüngeren Festbesucher sollen nicht zu kurz kommen; sie finden beim Reiten, Sulkyfahren, Malen oder Basteln sicher viel Spaß. Für die gastronomische Betreuung sorgt der Förderverein der Düsedauer Feuerwehr.

"Das Motto unseres Festes ist auf unserer großen Glocke verewigt", sagte Michael Sommer. "Es ist auch der erste Spruch, den man europaweit auf Glocken geschrieben hat und mit dem wir immer unsere Fürbitte im Gottesdienst beenden; er lautet: O König der Herrlichkeit, Christe, komm mit Frieden. Amen."