Mit deutlicher Mehrheit hat sich der Osterburger Stadtrat am Donnerstag für das Landschaftsschutzgebiet (LSG) "Altmärkische Wische" ausgesprochen. 17 Räte stimmten dafür, sieben Politiker lehnten das LSG ab. Zwei Räte enthielten sich.

Osterburg l Schon vor Beginn der Versammlung machte das Geschehen vor dem Verwaltungsgebäude die Brisanz der Abstimmung über das Landschaftsschutzgebiet "Altmärkische Wische" deutlich. Landwirte zeigten mit einer Protestaktion ihre Ablehnung (die Volksstimme berichtete). Nur ein paar Meter entfernt hatte sich aber auch eine Gruppe gesammelt, die für das LSG eintrat. Das Pro und Kontra auf der Straße erlebte im Verwaltungsgebäude seine Fortsetzung. Jutta Berger (stellvertretend für die gesamte Fraktion der Wählergemeinschaft Land), Dirk Matz, Matthias Lenz (beide CDU) und Thorsten Schulz (SPD) warnten eindringlich vor erheblichen Einschränkungen sowie zusätzlichen Hürden für die Landwirtschaft, sollte das Landschaftsschutzgebiet weiter Bestand haben. "Wir haben nicht das Recht, einer Gruppe von Menschen ihren Berufsstand zu erschweren", sagte Jutta Berger und erntete dafür den Beifall mehrerer Zuhörer.

Ringhard Friedrich (CDU) stellte dagegen heraus, dass die Räte bei allen Verständnis für die Sorgen der Landwirtschaft nicht nur das Wohl einer Gruppe im Auge haben dürften. "Wir müssen an alle Einwohner denken", forderte der LSG-Befürworter ein. Nach Meinung von Bürgermeister Nico Schulz seien einige Bauchschmerzen vieler Landwirte zu verstehen, aber längst nicht alle Kritikpunkte nachvollziehbar. So wäre die Beräumung und Unterhaltung der Gräben auch im LSG gesichert, eine Vernässung der Wische drohe nicht, betonte er. Schulz räumte ein, dass die Debatte um das Schutzgebiet die Einwohner spalte. So habe Stadtrat Fred Stoller (CDU) mehr als 500 Unterschriften für das LSG gesammelt, beim Landrat liege eine Liste mit 1700 Unterschriften gegen das Schutzgebiet vor. Für den Bürgermeister überwiegen dennoch die Vorteile, die die weitere Ausweisung des Schutzgebietes mit sich bringen würden. Der Erhalt des Landschaftsbildes wäre gesichert, zudem sei die Wische vor neuen Windparks geschützt. "Denn wir müssen uns nichts vormachen. Fällt das Schutzgebiet weg, können wir Windenergieanlagen nicht verhindern. Auf einer Fläche zwischen Iden, Rengerslage, Wendemark und Behrendorf könnten allein schon mehr als 150 Windräder entstehen. Und das wäre nur ein Eignungsgebiet", warnte Schulz.

Osterburgs Stadtrat stimmte mit deutlicher Mehrheit für das Landschaftsschutzgebiet. Ob das LSG "Altmärkische Wische" auch zukünftig Bestand hat, ist aber weiterhin offen. Diese Entscheidung trifft Landrat Carsten Wulfänger (CDU).