Werben l Am Freitagabend wurde im Werbener Rathaus im Rahmen einer Bürgerversammlung intensiv über die geplante Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes (LSG) Altmärkische Wische diskutiert. Vor allem die LSG-Befürworter nutzten diese Versammlung, um ihre Position darzulegen. Sie befürchten insbesondere den Verbau weiter Teile der Wische mit bis zu 200 Windkraftanlagen, wenn es nicht zur Ausweisung kommt. Kritik wurde im Rahmen der Zusammenkunft auch grundsätzlich an der industriellen Agrarproduktion laut.

"Es wird gelogen, um die Menschen zu verunsichern"

Wie Bernd Dombrowski, der zu der Veranstaltung eingeladen hatte, erläuterte, habe er die Versammlung bewusst vor die Werbener Stadtratssitzung am heutigen Dienstag gesetzt, wo zur geplanten LSG-Ausweisung Stellung bezogen werden soll. Der Einladung zur Versammlung waren auch die beiden Vertreter des Umweltamtes des Landkreises Stendal, Gerd Flechner und Reiner Diebel, gefolgt. Eingefunden hatten sich auch einige bekennende LSG-Gegner, vor allem Landwirte.

Mit Verärgerung, begann Dombrowski, habe er die Stellungnahmen und Veröffentlichungen des Bauernverbandes zur Kenntnis genommen. "Es wurden in großen Stil Falschmeldungen und Lügen verbreitet, um die Leute zu verunsichern." Es sei komplett falsch, wenn behauptet werde, dass ein LSG mit solchen Restriktionen verbunden sei, dass die Grundstücke an Wert verlören; wenn gar von Enteignung die Rede sei. Nicht genehmigt würden durch das LSG lediglich Bauvorhaben, die nachhaltig die Landschaft veränderten. "Das betrifft hier nichts anderes als Windkraftanlagen und Anlagen zur industriellen Tierhaltung. Derartige Vorhaben werden von der Mehrheit der betroffenen Bürgerinnen und Bürger jedoch abgelehnt", unterstrich Dombrowski. Und er fügte hinzu: "Wenn gesagt wird, dass das LSG nur ein erster Schritt sei und in Zukunft weitere Beschränkungen kommen können, so ist das ein Totschlags-Argument. Es werden Behauptungen gemacht, um Betroffenheit zu erzeugen." Viel schwerer, so der Wendemarker, der als Architekt und Mit-Investor in Werben das Kommandeurshaus restauriert, wiege für ihn die Tatsache, dass in der Wische bald bis zu 200 Windkraftanlagen stünden, wenn das LSG nicht komme.

"Mais-Monokulturen sind das größere Problem"

Michael Dihlmann, Biolandwirt aus Busch, bezog Stellung gegen das LSG. Er verwies darauf, dass es aus seiner Sicht mehrere Inhalte gebe, die die Befürchtung von Einschränkungen sehr wohl untermauerten. "Wenn ich Flächen habe, die zu drainieren sind, so komme ich als Landwirt in Konflikt mit dem Landschaftsschutzgebiet", nannte Dihlmann ein Beispiel.

Als ein weitaus größeres Problem als Windanlagen bezeichnete der Biolandwirt die zunehmende Zahl von Biogasanlagen. Diese führten zu industrieller Mais-Monokultur und zu einem Artenschwund. "Biogasanlagen werden vom Landkreis genehmigt. Darüber redet niemand", argumentierte Dihlmann. Reiner Diebel bestätigte, dass ein LSG nicht dafür geeignet sei, Maisanbau zu reglementieren. "Wenn das gewollt ist, so müssen dafür auf politischer Ebene Regularien gefunden werden." Diebel verwies darauf, dass es eines der wesentlichen Anliegen des LSG sei, die verbliebene, unverbaute Flussauenlandschaft in dem Bereich der Wische zu bewahren.

Dominik Geißler sagte: "Die Windkraftanlagen, die hier schon ganz konkret geplant sind, werden das Landschaftsbild massiv verändern. Es gibt da knallharte, überörtliche Interessen."

"Kommen die Windräder, verschwinden die Störche"

Geißler weiter: "Wir Stromkunden bezahlen die Subvention dieser 150 Meter hohen Anlagen." Der Redner verwies ferner darauf, dass sich in Werben seit langem engagierte Leute für die Attraktivitätssteigerung der Stadt und für den Tourismus einsetzten. "Diese Arbeit trägt zunehmend Früchte. Windkraftanlagen vor den Toren der Stadt würden das zunichte machen. Werben wirbt mit seinen Störchen. Die aber bleiben weg, wenn Windräder in der Nähe sind."

André Stallbaum, Landwirt aus Iden und Mitglied des Kreisbauernverbands, sagte: "Was uns an dem LSG stört, ist nicht der Passus zu den Windkraftanlagen. Es ist vielmehr der Rattenschwanz an überzogenen Regelungen. Wenn wir die Ausweisung zulassen, dann schreiben wir den Status einer Landschaft fest - für immer. Damit haben wir ein Problem, weil wir Landwirte über Generationen denken."

Gerd Flechner wies jedoch darauf hin, dass eine LSG-Verordnung nichts Festgemauertes sei. Sie könne abgeändert werden. Außerdem hätten Landwirte und andere Betroffene die Möglichkeit, Ausnahmen zu beantragen. Bestimmte Gebiete könnten später auch wieder aus dem LSG herausgelöst werden. Dombrowski vertrat die Auffassung, dass die Mehrheit der Landwirte offenbar nicht in Generationen denke, "denn sonst würden sie durch ihre Wirtschaftsweise nicht die Böden immer weiter verschlechtern."

Stallbaum meinte, dass man Windkraftanlagen auch auf andere Weise verhindern könne, wenn man es politisch wolle. Ein LSG sei nicht erforderlich. Dem widersprachen jedoch mehrere Diskussionsteilnehmer. Michael Schnelle fragte die Behördenvertreter, welchen Einfluss das LSG auf die geplante B190n habe. "Gar keine", antwortete Flechner, weil die Trasse nicht Bestandteil des LSG sei.

Werner Eifrig, Vorsitzender des Arbeitskreises Werbener Altstadt (AWA), forderte vom Werbener Stadtrat ganz konkret, dass dieser sich für die LSG-Ausweisung ausspreche.

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