Der Stadtrat von Werben hat sich am Dienstag mit knapper Mehrheit für die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes (LSG) "Altmärkische Wische" ausgesprochen. Vorausgegangen war eine leidenschaftliche Diskussion über das Für und Wider.

Werben l Vor der eigenen Diskussion und Beschlussfassung zum geplanten LSG gab der Stadtrat dem Antrag von Bürgermeister Hufschmidt seine Zustimmung, die Sitzung zu unterbrechen, um Bürgern die Gelegenheit zu geben, gegenüber dem Stadtrat ihre Meinung zu der brisanten Thematik kundzutun.

Zum Auftakt informierte der Bürgermeister darüber, dass er eine Reihe von Schreiben erhalten habe, in dem Gegner und Befürworter der LSG-Ausweisung ihre Positionen erläutern, darunter vom Kreisbauernverband (KBV) Stendal und vom Arbeitskreis Werbener Altstadt (AWA), aber auch von Privatpersonen. Bei der dann eröffneten Diskussion kam es - wie schon während der privat organisierten Informations- und Diskussionsveranstaltung am vergangenen Freitag (Volksstimme berichtete) - zu einer teils emotional geführten Debatte.

Emotionale Diskussion geht der Abstimmung voraus

Dabei zeigten sich vor allem die anwesenden Landwirte wie Werner Buchner, Michael Dihl- mann und André Stallbaum als Gegner des LSG. Sie betonten, dass es ihnen dabei weniger um die Verbote von Windkraftanlagen gehe, sondern um sonstige Einschränkungen für ihre Betriebe und steigende Bürokratie, die zu befürchten sei. In der Kritik stand auch die knappe Abgrenzung der Ortslagen und landwirtschaftlichen Höfe zu dem LSG.

Die Seite der Schutzgebiets-Befürworter wurde vor allem von Mitgliedern des AWA und solchen Werbenern gebildet, die durch die Errichtung von Windkraftanlagen vor den Toren Werbens den Tourismus und die Artenvielfalt (zum Beispiel Störche und andere Zugvögel) bedroht sehen. Von einem befürchteten Wertverlust von Grundstücken durch den Verbau der Landschaft durch Windräder war die Rede. Bei der Entscheidung gehe es um die Zukunft von Werben.

LSG-Gegner und -Befürworter warfen sich gegenseitig vor, mit falschen Behauptungen die Stimmung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Nach der Sitzungsunterbrechung diskutierte der Stadtrat zum Thema. Wolfgang Trösken sieht in dem Verordnungsentwurf eine Reihe von Punkten, die ihn mit großer Skepsis erfüllen. Diese gingen zu Lasten der Landwirte, die im Übrigen, so Trösken, in der Wische nicht die kleine Minderheit bildeten, wie es derzeit von LSG-Befürwortern dargestellt werde. Ein Dorn im Auge ist Trösken vor allem die enge Abgrenzung der Ortslagen zum Schutzgebiet. Das könne nicht so bleiben, forderte der Behrendorfer.

Doreen Behrens meinte: "Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und bin dafür, das LSG zu erhalten und in der Gesamtausdehnung zu vergrößern. Wir haben bisher gut mit dem Schutzgebiet gelebt und ich bin der Meinung, dass auch die Landwirte damit leben können." Als LSG-Befürworterin argumentierte auch Tina Reppenhagen. "Wir leben in einer grünen Altmark. Dafür wird bundesweit Werbung gemacht. Wir sollten im Sinne der Gemeinschaft entscheiden. Ich persönlich möchte nicht hier leben und Windräder vor der Tür haben." Elisabeth Gellerich betonte ebenfalls, dass sie für die Ausweisung stimmen werde.

Jochen Hufschmidt wies darauf hin, dass jeder Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung selbst noch die Möglichkeit habe, seine Bedenken und Hinweise zu formulieren. Michael Schnelle machte darauf aufmerksam, dass sich der Stadtrat von Werben vor längerer Zeit auf Flächen geeinigt habe, wo Windräder errichtet werden könnten - insgesamt drei Generatoren. Das seien auch Einnahmemöglichkeiten für die Hansestadt.

Trösken setzt sich mit Zusatz-Antrag durch

Vor der Abstimmung stellte Trösken den Antrag, dass im Fall eines positiven Votums des Stadtrates zur LSG-Ausweisung in der Stellungnahme eine größtmögliche Abgrenzung der Ortslagen zum Landschaftsschutzgebiet gefordert werden soll. Diesem Antrag wurde mehrheitlich zugestimmt.

In der grundsätzlichen Abstimmung setzten sich die Befürworter des Landschaftsschutzgebietes Altmärkische Wische durch. Es gab sechs Stimmen für die Ausweisung, fünf Gegenstimmen und eine Enthaltung.

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