Eine Szene aus der Vergangenheit möchte Herbert Kühne (68) morgen noch einmal für ein paar Stunden auferstehen lassen. Wie zuletzt vor vier Jahrzehnten sollen Menschen auf dem früheren Bahnsteig in Gladigau stehen und sich die "Zugluft" um die Nase wehen lassen.

Gladigau l Die Kleinbahn Osterburg-Pretzier hat Herbert Kühne seit seiner Kindheit begleitet. Der Gladigauer wuchs in Nähe der Gleise auf, heiratete mit Elisabeth die letzte Leiterin der Gladigauer Bahnagentur und bezog mit ihr 1970 den Bahnhof seines Heimatdorfes. Woher dieser Hang zu Schienen, Lok und Co. rührt? Kühne zuckt schmunzelnd mit den Achseln. "Die Ursache dafür liegt wohl in meiner Familie. Mein Großonkel Oscar hat einst den Bahnhof in unserem Dorf geleitet", versucht er eine Begründung.

Traditionsinsel mit Signalen und Uhr

Liebevoll kümmerte sich Herbert Kühne in den zurückliegenden Jahren auf und an seinem Grundstück um Überbleibsel der 1974 als Passagier- und 1976 als Güterverkehr-Beförderer eingestellten Kleinbahn.

So ist ein ehemaliger Schienenübergang markiert, am früheren Bahnhof prangt wie ehedem gut lesbar der Ortsname "Gladigau". Kühne hat sogar eine kleine Traditionsinsel mit Signalen, Gleis und Bahnhofsuhr hergerichtet. Denn im Ruhestand fand der Senior die nötige Zeit, um aus Zeugnissen aus der Vergangenheit ein Gesamtbild zu gestalten. Zudem trug er Dokumente, Fotos und andere Exponate zu einer Sammlung zusammen. Beispielsweise besitzt er den Fahrkarten-Entwerter, der in Gladigau seinen Dienst verrichtete. Gleiches gilt für die große Geldtasche, mit der die Tageseinnahmen am Abend nach Osterburg transportiert wurden. Kühne bewahrt Werkzeug wie den Schraubenschlüssel eines Streckenläufers auf. Und natürlich verfügt Herbert Kühne auch über Fotos von der Kleinbahn, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. "1914 wurde sie eröffnet, vor 40 Jahren erlebte sie ihr Aus als Personenbeförderer. Beide Jubiläen sind der Grund, warum ich meine Sammlung und Exponate am Sonnabend interessierten Bahnfreunden vorstellen möchte", erzählt der Gladigauer.

Morgen sind Neugierige ab 14 Uhr bei Kühnes willkommen. Der Gladigauer plant eine kleine Führung. Die bezieht die Traditionsinsel ein, bringt die Teilnehmer zu einem früheren Bahnübergang und führt quasi an den einstigen Schienen und dem Bahnhof entlang zu einer kleinen Fotoausstellung. Wer mag, kann außerdem noch zur früheren Rampe und einen kleinen Teich spazieren. Auf seinem Grundstück richtet Herbert Kühne auch mehrere bequeme Sitzgelegenheiten ein. Denn der Gladigauer hofft für morgen auch auf Zeitzeugen, "die selbst noch mit der Kleinbahn gereist sind und die genügend Zeit mitbringen, um vielleicht die eine oder andere Anekdote über ihre Erlebnisse im Zug zum Besten geben."

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