Gladigau (fsc) l Gertrud Dahms ist eine eifrige Handarbeiterin und das schon seit ihrem 14. Lebensjahr. Damals hätte sie das Stricken von ihrer Großmutter gelernt, und mit ihren Pullovern, Schals, Socken und anderen Strickereien hat sie schon über eine lange Zeit Familie, Verwandte und Bekannte erfreut.

Nun erregt ein Baum auf dem Dahm\'schen Grundstück, nahe der Straße, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden und -fahrenden. Er erstrahlt in aller Farben Pracht; Stamm und Äste sind in einen "Pullover" gehüllt, so als würde der Baum, sich auf den nahenden Winter vorbereitend, warm angezogen haben. Sogar Bommeln an den Astenden hat die 78-Jährige nicht vergessen. Angesichts der warmen Frühherbsttage haben Schmetterlinge, gehäkelt von Tochter Bettina Kalks, es sich auf den Zweigen bequem gemacht.

Die Idee kam vom Sohn

Die Idee, aus dem alten, grob beschnittenen Wildkirschenbaum etwas Künstlerisches zu schaffen, habe er gehabt. "Ihn einfach umhauen, das wollte ich nicht", berichtete Sohn Torsten. "Jetzt machen wir aus dem Baum etwas Schönes, hatte ich Anfang August zu meiner Mutter gesagt. Du hast doch noch viele Wollreste, bestrick ihn doch einfach recht bunt."

Das ließ sich Mutter Dahms nicht zweimal sagen, denn Zeit hätte sie ja genug. "Das kam mir genau gelegen. Ich hatte auf dem Hausboden zwei Säcke gefüllt mit Wollresten, jeweils zu wenig, um etwas anderes damit anzufangen.

So habe sie sich hingesetzt und gestrickt, drei Wochen lang. Und immer noch sei Wolle da; die Seniorin überlegt, was sie vielleicht noch bestricken könnte. Der Laternenmast vor dem Haus wäre ihr aber zu hoch. Leute aus dem Dorf hätten schon gescherzt: "Du hast doch den Wald fast vor der Tür. Da kannst du doch fast jedem Baum einen Pullover stricken."