Am Anfang war ein Bürgerforum. Unter dem Namen "Andacht und Erneuerung" sammelten sich am 23. Oktober 1989 zwischen 1000 und 1500 Osterburger in der Nicolaikirche. 25 Jahre später erinnern Einwohner mit einer Ausstellung und im Rahmen einer Kirchen- und Museumsnacht an die Wendezeit in Osterburg.

Osterburg l Am Sonntag, 26. Oktober, öffnet Frank Hoche um 14.30 Uhr im Kreismuseum die Tür zu einer besonderen Ausstellung. Mit Dokumenten, Fotografien und anderen Exoponaten stellt sie die Wende im damaligen Kreis Osterburg in das Blickfeld. "Zum Kernstück der Sammlung avanciert eine längst schon ebenfalls als historisch zu bezeichnende Ausstellung. Die Osterburger Bibliothek und dabei maßgeblich ihr damaliger Leiter Manfred Güßfeld und das Museum haben sie 1990 zusammengestellt und zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 im Kreiskulturhaus präsentiert", erzählt Hoche.

Siegfried Kasparick hält einen Vortrag

Die Schautafeln, die neben vielen Daten auch mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos aufwarten, hat der Museumschef über die Jahre hinweg säuberlich in seinem Archiv aufbewahrt. Nun fließt sie in die neue Wende-Ausstellung ein. Wie auch Arbeiten aus dem Markgraf-Albrecht-Gymnasium, in denen sich Schüler der Bildungsstätte künstlerisch mit dem Fall der Mauer auseinandersetzen.

Nur wenige Tage später, am 8. und 9. November, widmet sich eine Kirchen- und Museumsnacht in Osterburg dem gleichen Thema. Die Initiatoren, darunter die evangelische, katholische und neuapostolischen Kirchengemeinden, der Osterburger CDU-Ortsverein, die Interessengemeinschaft Heimatgeschichte sowie das Kreismuseum, planen einen Veranstaltungsreigen, der bereits um 15 Uhr beginnt. Dann eröffnet die in Köln und Werben lebende Künstlerin Ingrid Bahß im Museum ihre Ausstellung "Die Seufzerburg". Stunden später verlagert sich das Geschehen in die Nicolai-Kirche. Dort hält Propst Siegfried Kasparick, der die Wendezeit als Pfarrer in Osterburg erlebte, ab 19 Uhr einen Vortrag. Unter dem Titel "Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht" (Jesaja 9,5) formiert sich um 20 Uhr ein Zug, der im Kerzenlicht einen Gedenkweg zum heutigen Verwaltungsgebäude gehen möchte. Und damit ganz in der Tradition des 6. Novembers 1989 steht, als Protestierende in Osterburg den gleichen Weg hin zum damals von der SED-Kreisleitung genutzten Gebäude beschritten. Am Zielort angekommen, werden Zeitzeugen an den damaligen Protestzug erinnern. Von 21 Uhr bis 22 Uhr sind in der St. Josef-Kirche Musik (Kantor Friedemann Lessing) und Texte aus dem Band "Herbst 1989" (Mitglieder des Clubs Altmärkischer Autoren) zu erleben. Von 22.15 Uhr bis 23 Uhr lädt der Förderverein der Feuerwehr Osterburg zum Nachtmahl am Neptunbrunnen, bevor ein Glockenläuten und ökumenisches Nachtgebet gegen 23 Uhr in der Nicolai-Kirche den Tag beschließt. Am gleichen Ort beginnt am Sonntag, 10. November, um 10 Uhr ein Gottesdienst, anschließend laden die Feuerwehr-Förderer zu einem Imbiss auf den Museumshof. Besucher haben dann auch die Gelegenheit, das Museum zu besichtigen.

Den Schlussakzent der Kirchen- und Museumsnacht setzt eine Veranstaltung in der Neuapostolischen Kirche. Dort wird um 16 Uhr unter dem Titel "Mauern einreißen - Frieden stiften" zu einem Konzert eingeladen.