Mit dem Thema "Die Geschichte der Landwirtschaft" waren die Gäste aus Wielun am Sonntag im Kreismuseum Osterburg an der richtigen Adresse. Denn die Besucher aus der polnischen Partnerstadt interessierten Landwirtschaft und Landeskunde am meisten.

Osterburg l Museumsleiter Frank Hoche und Thorsten Schulz mit Ehefrau Susanne mussten am Sonntag etwas warten, ehe sie im Kreismuseum Osterburg die 20 Gäste aus der Partnerstadt Wielun begrüßen konnten. Natürlich hatten alle am Abend das Fußballspiel gesehen und danach gefeiert.

Dolmetscher Andrej Dabrowski gab lächelnd zu, das erwartete Ergebnis wäre ein Unentschieden gewesen, während die Landwirte, Mitarbeiter der Wieluner Stadtverwaltung, der stellvertretende Bürgermeister Janusz Pamula sowie Vertreter der Stadt Osterburg im Museumshof Aufstellung für ein Gruppenfoto nahmen.

Die Landwirtschaft hatte am Anreisetag, sprich: Sonnabend, das Programm bestimmt. Die elf Männer und neun Frauen, von denen die Hälfte Landwirte sind, sahen sich zunächst im Futtermittelwerk in Osterburg um und fuhren anschließend mit dem stellvertretenden Einheitsgemeinde-Bürgermeister Detlef Kräntzel und Stadtratsmitglied Hagen Portele zu den Windkraftanlagen nach Krevese. "Das ist immer noch ein großes Problem in Polen wegen ungeklärter rechtlicher Regelungen", bemerkte Andrej Dabrowski, der Co-Übersetzer Daniel Szudra an seiner Seite hatte. Die Wieluner informierten sich über Rückbausicherung und Emissionsschutz und erlebten dank Wind die Anlage auch im Betrieb. Im weiteren Verlauf des Tages lernten die Wieluner zwei unterschiedliche Landwirtschaftsbetriebe kennen. "Das war sehr interessant, die Agrargenossenschaft Lückstedt mit 3000 Hektar zu sehen und dann den kleinen Käsehof von Kintra mit 50 Hektar", bemerkte Dabrowski. Ein Milchkarussel, wie es Frank Wiese in Dewitz zeigte, kannte keiner der Landwirte. Am meisten interessierte die polnischen Gäste, wie die unterschiedlichen Höfe den Marktbedingungen entsprechen. "Wenn ein Hof 30 Hektar hat, ist das bei uns schon groß", erzählte Andrej Dabrowski. Außerdem kamen Fragen zu Finanzierung und Preisen. Auch nach dem Einfluss der Russland-Ukraine-Krise fragten die Wieluner.

Nach ihrer Übernachtung in Arendsee freuten sich die Gäste aus der Partnerstadt, Osterburg näher kennen zu lernen. Frank Hoche erzählte Sonntagmorgen von der Schulstadt Osterburg und dem Lehrerseminar, in dem von 1859 bis 1925 2400 Lehrer für Dorfschulen ausgebildet wurden, bevor eine Hochschulausbildung gang und gäbe wurde.

Besonders interessant war für die Wieluner das Thema Spargel und der damit verbundene Name August Huchel. "Drei von zehn Sorten tragen noch seinen Namen", verriet Frank Hoche über den Gründer der 1. Spargelhochzuchtgesellschaft.

In der Landwirtschaftsausstellung kamen sie zur Seildrehmaschine. "Die haben wir auch", rief einer der Wieluner aus. Auch den Knetbock nahmen die Gäste gleich in Beschlag. Hoche zeigte neben historischer Technik und der besonderen Dachziegelsammlung "Mutters Brautkleid für die Lumpen" (1911) und merkte an, dass sich ein schwarzes Brautkleid von 1882 gerade in der Restaurierung befinde. Noch ein Blick in die vor zwei Jahren aufgebaute und aus dem Jahre 1929 stammende Küche, dann ging es zum Heimat- und Mühlenverein Meseberg. Dort erwartete sie der Vorsitzende Bernhard Sasse zur Führung und anschließendem Imbiss.

Ein Problem, das die Landwirte hier wie dort umtreibt: die Flächen werden größer, die Zahl der Arbeitskräfte nimmt dagegen ab: Was wird aus den Arbeitskräften? Darüber waren sich alle einig. Montag ging es für die Gästeschar zurück nach Wielun und damit zur Arbeit.

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