Mit "Antipädagogischen Hinweisen" der Band Chapeau wurden am Montagabend die XVI. Osterburger Literaturtage (Olita) eröffnet. 38 Veranstaltungen umfasst das Programm bis Sonntag, 26.Oktober.

Osterburg l Bürgermeister Nico Schulz nutzte seine Olita-Auftaktrede für Dankesworte an Land und Sponsoren, die die Osterburger Kulturreihe finanziell unterstützen. In das Dankeschön schloss er aber auch den evangelischen Kindergarten sowie die Tagesstätte "Jenny Marx" ein, die mit ihrer liebevollen Bücherdekoration an den Tischen den idealen Rahmen für die Eröffnung geschaffen hatten.

Lothar Jaehn beschenkte Bibliotheksleiterin Anette Bütow als Vertreter der Partnerstadt Oerlinghausen mit einem Buch, und der stellvertretende Bürgermeister aus Soltau Willi Schwedthelm bemerkte während seines letzten offiziellen Auftritts im Amt, er hätte Osterburg schon vor der Partnerschaft schön gefunden und sei hier unheimlich freundlich aufgenommen worden. Er verabschiedete sich - wie soll`s anders sein - mit einem Buch.

Nach dem Schwenk des Festredners, Kultusminister Stephan Dorgerloh vom Literaturnobelpreisträger zu den Olita räumte er ein, dass sich das "unglaubliche Engagement" der Osterburger Literaturfreunde auszahlen soll, aber noch an den Finanzen hängt, ob auf die Bewerbung für die Landesliteraturtage 2015 die Zusage folgt. Schließlich hält er es mit dem russischen Schriftsteller Boris Pasternak: "Literatur ist die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen." Jeder Osterburger solle seinem Kind, egal, wie alt, abends etwas vorlesen - das wäre wirklich etwas Tolles. Entgegen der Internetbewegung sozusagen. Letztlich "ist ein Computer ohne Menschen nur ein Raumwärmer", zitierte Dorgerloh und schloss mit den Worten: "Ob ich mir leisten kann, im nächsten Jahr wiederzukommen, werden wir sehen." Zu schade, dass es zu spät für die Vorlese-Stadtwette sei, merkte Nico Schulz an.

Nach dem Eintrag des Kultusministers in das Ehrenbuch der Stadt ergriff Chapeau-Sänger und selbst erklärter Langzeit-Student Max Heckel das Wort, und da blieb es auch. Spontan hatte er in sein "Max und Moritz"-Lied einen zweiten Bücherbus eingebaut, verlas Kurzgedichte mit Vorgeschichte und Pointe à la "Maikäfer, fette Kuh, Grasragout, Augen auf, ihr Käferlein, denn manche Kuh ist auch ein Schwein."

Erzählte einen alternativen Märchenschluss von "Rapunzel" und von seinem Familienstammbaum, der eigentlich ein Busch sei, weil Treue zwar groß geschrieben werde, aber eben nicht so lang.

Wilhelm Busch kam außerdem zu Wort, unter anderem mit dem 4. Streich über Lehrer Lempels Pfeifenexplosion. Nicht nur wegen des politisch korrekten Ausdrucks darin für "Mohren" erntete Chapeau Extra-Applaus vom Publikum. Auch Tabiha Harzer "am Gesang und Piano" und Aron Thalis "mit Cajon und virtuosem Schauspiel" machten aus der Olita-Eröffnung einen außergewöhnlichen Abend.

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