So einen Empfang zum Auftakt ihrer Schreibwerkstatt hat Diana Kokot selten erlebt. Gestern fiel der Startschuss für den außergewöhnlichen Deutschunterricht in der Klasse 8 b der Sekundarschule Osterburg mit einem Programm.

Von Astrid Mathis

Osterburg l Schülerin Marie Müller kündigte den "Cup-Song" und Szenen aus dem Alltag an. Lehrerin Marlies Bade bestimmte durch Klatschen Anfang und Ende der Pantomime. Für so viel Kreativität gab es erst mal Applaus von der Osterburger Autorin und der Bibliotheksleiterin Anette Bütow.

Seit zehn Jahren gehört die Schreibwerkstatt dank finanzieller Förderung vom Landesverband Sachsen-Anhalt im Deutschen Bibliotheksverband zu den Osterburger Literaturtagen. Reihum profitieren die Schulen von der Initiative. Zuletzt war die stellvertretende Vorsitzende des Friedrich-Bödecker-Kreises im Markgraf-Albrecht-Gymnasium zu Gast, davor in der Grundschule. Jedes Mal gibt es ein Thema. "Ich, du und alle anderen" macht Platz für Gefühlswelten, Freundschaften und auch Tiere, so Diana Kokot.

Aus der Zusammenarbeit mit Marlies Bade und den Schülern war vor einigen Jahren das Buch "Wege der Phantasie" entstanden. Auch am Ende dieser Werkstatt steht ein Büchlein, in das die lustigsten und spannendsten schriftstellerischen Werke Eingang finden sollen. Gleichzeitig reicht Diana Kokot sie in dem Schülerschreibwettbewerb des Bödecker-Kreises "Unzensiert, unfrisiert - erzähl mir was!" ein. Die besten Arbeiten fließen ebenfalls in einem Buch ein.

"Man muss versuchen, alle mitzunehmen", weiß Diana Kokot, die seit 12 Jahren Schreibwerkstätten leitet. Oft hat sie erlebt, dass ausgerechnet die, die anfangs skeptisch sind und "gar keinen Bock auf Schreiben" haben, besonders kreativ werden.

Vom Anagramm bis zum Gedicht

In den nun folgenden Wochen bis zum Ende des Jahres stehen den Schülern allerlei Schreibübungen bevor. "Anagramme mit dem Namen oder Stufengedichte. Mal sage ich euch den Anfang einer Geschichte, und ihr könnt dann weiterspinnen", kündigte die Osterburgerin an. "Rechtschreibung ist erst mal nicht so wichtig", fügte sie hinzu, um den Achtklässlern die Scheu zu nehmen.

Einige von ihnen kennen sie schon aus Schreibwerkstätten aus anderen Schulen, zum Beispiel der Grundschule Flessau. Mit einem Steckbrief lockte sie die Jugendlichen aus der Reserve. Der Frage "was bin ich?" nachzugehen, sei nicht so interessant wie die Frage "Was schreibe ich?"

Im Mittelpunkt steht die Persönlichkeit der Schüler. Um die in den Texten zu entdecken, gibt sie auch Schreib-Hausaufgaben. Und wem die Werkstatt nach Schulende fehlt, kann sich gern bei ihr in der Bibliothek melden.

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