"Schöner kann der Abend gar nicht beginnen als mit dem Titel `What a joyful, happy day`", bemerkte Steffen Seifert am Dienstag. Der Leiter der Sparkassen-Geschäftsstelle Osterburg war Gastgeber für die 21. Kulturpreisverleihung der Stadt Osterburg und der Volksstimme

Osterburg l Bevor der Schulchor des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums das Lied "Neue Brücken" anstimmte, überreichte der Hausherr zur Unterstützung der Literaturtage in Osterburg einen Scheck über 1000 Euro. "Neue Brücken - das passt zu dem, was ich jetzt sagen möchte", begann Laudatorin Diana Kokot ihre Ansprache für die Auserwählten des Sozialauschusses der Stadt: die Selbsthilfegruppe "Angehörige und psychisch Kranke". Eine Gruppe, die sich vor 21 Jahren aus der Not heraus gegründet hat, aus einer persönlichen Krise erwuchs. 16 ehrenamtliche Mitglieder zählt sie und steht helfend und beratend zur Seite. Einfach mal zuhören.

Der Leiterin Gisela Matthäus, die ebenfalls bei der Lebenshilfe aktiv ist, war das stets ein Anliegen. Sie stellte nach der Übergabe des 500-Euro-Schecks durch Volksstimme-Redakteur Nico Maß klar: "Keiner sucht sich eine Krankheit aus, seine Krankheit. Niemand bleibt verschont." Beim Umgang mit einer psychischen Krankheit zu helfen, den Betroffenen und den Angehörigen, ist ihr erstes Anliegen und eine verantwortungsvolle Aufgabe. Dass die Nachfrage steigt, ist allein schon ein Zeichen für den Stellenwert der Gruppe.

Gymnasiasten hinterlassen einen starken Eindruck

"Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen" - mit diesem Zitat von Aurelius Augustinus kündigte Danuta Ahrends die Schriftstellerin Diana Kokot an. Sie erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Osterburg. "Schreiben ist für sie nicht Mittel zum Zweck, es ist wie Atmen", beschrieb die Laudatorin die Preisträgerin. Oft genug hatte sie selbst erlebt, wie Diana Kokot Mut und Phantasie in einer Schreibwerkstatt anregte. Mehrere Jahre leitete die Osterburgerin die "Federfüchse". Ob in eigenen Texten oder für die Organisation der Frauenlesenacht, die sie zum festen Bestandteil der Osterburger Literaturtage machte, immer wählt sie ihre Worte mit Bedacht und gibt Gelegenheit, den ersten Schritt zu tun. "Mir fehlen die Worte", sagte die Autorin dann tatsächlich nach der Gratulation durch Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz.

Mit Volksliedern wie "Auf einem Baum ein Kuckuck", Gospeln wie "Battle of Jericho" und Hits wie "Über den Wolken" hinterließ der Schulchor anschließend einen so starken Eindruck, dass Steffen Seifert erklärte: "Professioneller kann man sich nicht für den nächsten Kulturpreis bewerben."

Wittstock scherzt über Bino und Milchdienst

In die "Küche der Sozialisten" entführte der Magdeburger Autor Uli Wittstock letztlich die Zuhörer. Von einem Mann, dessen Vater über Möhren promovierte, war einiges zu erwarten. In der Familie kursierte immer die Frage "Wie kriegt man die Möhre zur Tomate?" Ketchup mit weniger Tomaten und mehr Möhren herzustellen, machte die Kinder zu Versuchsobjekten. Wittstock nahm das Publikum mit auf eine Erinnerungstour, rechnete mit Bino (Speisewürze aus Bitterfeld Nord) und Milchdienst in der Schule ebenso ab wie mit Muckefuck. Den Ost-Kaffee ohne Koffein beschrieb er glatt als "Hängolin", der nach Eicheln, Wischwasser und verbrannten Lumpen schmeckte und beim NVA-Dienst für eine "Hängepartie" sorgte. Besonders strapazierte er die Lachmuskeln, als er erzählte, dass Matze statt Brausepulver Sofix - Pudding ohne Kochen - in den Bauchnabel seiner Angebeteten tat, um ihn dann auszuschlecken. "Dass Dinge nicht gleich beim ersten Mal funktionieren, wusste er aus dem Metallbaukasten", zog Wittstock als Fazit. Zum Schluss wurde es noch sehr kulinarisch mit Kohl und Co, und Steffen Seifert outete sich lachend als "Jägerschnitzelweitwerfer".

 

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