Wenn Gemeindepädagogin Cornelia Herrmann Ende dieses Monats in den Vorruhestand geht, hofft sie im Sinn ihrer Arbeit, dass sie keine zu große Lücken reißt. Tiefe Spuren wird sie aber in jedem Fall hinterlassen.

GroßGarz l In der Brust der gebürtigen Sächsin, die im damaligen Karl-Marx-Stadt das Licht der Welt erblickte und in Einsiedel am Fuß des Erzgebirges aufwuchs, schlagen zwei Herzen. Zum einen wird die inzwischen 60-Jährige insbesondere die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen vermissen, aber zum anderen ist die vierfache Mutter und vierfache Oma froh, den Zeitpunkt selbst bestimmen zu können. Die Wahl-Altmärkerin umschreibt das mit "aufhören können und weitermachen dürfen". Sie macht damit deutlich, dass man sich für die Kirche immer engagieren kann. Erst recht, wenn der Beruf Berufung und auch im Wortsinn eine Glaubensfrage war beziehungsweise ist.

Das war übrigens nicht immer so. Das heißt, der Glaube wurde ihr in einer volkskirchlich geprägten Region und in einer christlichen Kaufmanns-Familie, die sich zu DDR-Zeiten allen Verstaatlichungsversuchen widersetzte, quasi in die Wiege gelegt. Nur beruflich wollte sie eigentlich nichts mit Kirche machen. Sie wollte vielmehr Architektin, Bauingenieurin, Landschaftsgestalterin oder etwas ähnliches werden und dafür studieren. Mit der Abiturnote 1,1 würden ihr heutzutage sicher alle Türen offen stehen. Nicht so in der Diktatur des Proletariats, wo sie aufgrund ihres Glaubens und ihrer Familie von der Stasi auch später über viele Jahre überwacht und als "politisch unzuverlässig" eingestuft" wurde. Da half es ihr am Ende wenig, dass sie noch in die FDJ eintrat. Die Jugendweihe, damals bei Christen durchaus üblich, wäre ihr zu weit gegangen. So wurde sie keine Studentin, sondern Apothekenfacharbeiterin.

Mehr Zeit für Haus, Garten, Enkel, Bücher und mehr

Zwischenzeitlich hatte sie ihren Mann Manfred kennengelernt, der Theologie studierte, mit dem sie sich in der DDR-Friedens- und Umweltbewegung engagierte und dem sie im November 1977 zur ersten Pfarrstelle nach Groß Garz folgte, wo sie heute noch im Pfarrhaus gleich neben dem Gotteshaus wohnen.

Unter diesen Voraussetzungen bekam sie fast automatisch mehr Kontakt zur Kirchenarbeit und bildete sich schließlich berufsbegleitend zur Gemeindepädagogin weiter, um getauften und ungetauften Menschenkindern neben Bibelinhalten nicht zuletzt Werte fürs Leben und damit auch ein Stück soziale Kompetenz zu vermitteln. "Ein toller Beruf", sagt sie zurückblickend und ist dankbar dafür, ihre Nachfolgerinnen ein Vierteljahr einarbeiten zu dürfen. Denn ihren Bereich, der über drei Pfarrbereiche die Kirchspiele Krüden-Vielbaum, Beuster-Aland, Groß Garz und Umgebung sowie Neulingen umfasst, werden künftig zwei Frauen in Teilzeit übernehmen.

Für Vertretungen, das hat sie bereits deutlich gemacht, werde sie zur Verfügung stehen. Zudem ist es ihr offenbar ein Bedürfnis, ihre ehrenamtliche Arbeit in der Synode und im Kreiskirchenrat fortzusetzen. Allerdings freut sie sich natürlich darauf, mehr Zeit für Haus und Garten, für die Enkel, für Bücher, Reisen und sonstiges zu haben. Sie liebäugelt sogar damit, Klavierunterricht zu nehmen oder noch eine Fremdsprache zu erlernen.

Energiegeladen, ideenreich, manchmal etwas kantig

Ihr offizieller Abschied erfolgt im Rahmen eines Gottesdienstes am Reformationstag, Freitag, 31. Oktober, in Groß Garz. Die Predigt wird dann der Stendaler Superintendent Michael Kleemann halten, der im Gespräch mit der Volksstimme keinen Hehl aus seiner Sympathie für die "energiegeladene, ideenreiche, manchmal kantige Frau mit dem speziellen Draht zu Kindern" macht. Damit meint er zum einen ihren Christenlehreunterricht oder den Einsatz bei den Kinderfreizeiten in Zethlingen, bei denen die künftige Vorruheständlerin in den Jahren bei gut 90 Terminen über 2500 Mädchen und Jungen betreute, um nur einiges aus dem pädagogischen Betätigungsfeld zu nennen. Er spielt damit aber auch auf die Erfolge der Groß Garzerin an, mit Kita, Schule und Elternhäusern zu kooperieren, um unaufdringlich Nachwuchs für die Kirche zu begeistern, der sonst kaum mit dem christlichen Glauben in Kontakt käme. Ganz zu schweigen davon, dass dieser getauft und konfirmiert worden wäre. Positiver Nebeneffekt sei, dass sich so auch andere Familienangehörige der Kirche wieder zugewandt hätten. Für dieses erfolgreiche Engagement, so Kleemann, sei Cornelia Herrmann weit über die Grenzen des Kirchenkreises hinaus bekannt.

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