Christian Falk ist im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes seit Monaten mit der Vervollständigung der Chronik der Hansestadt Werben beschäftigt. Über den Stand seiner bisherigen Arbeit berichtete er am Dienstag gegenüber dem Stadtrat.

Werben l Die Beschäftigung mit der Geschichte der Region ist eine Leidenschaft des Hindenburgers Christian Falk. Eine Reihe von Artikeln sind bereits von ihm erschienen und er erarbeitete mehrere Ortschroniken mit. Im Rahmen seines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) ist er nunmehr seit Monaten dabei, die Chronik der Hansestadt Werben zu vervollständigen. Seine Tätigkeit endet im September 2015.

"Aufzeichnungen ab 1900 weisen erhebliche Lücken und Fehler auf"

Christian Falk

Falk hat den Auftrag, sich vor allem der Dokumentation der Historie Werbens zu widmen, die sich an die Veröffentlichungen des bekannten Werbener Chronisten Ernst Wollesen (1862-1939) anschließen, dessen 75. Todestag sich 2015 jährt. "Ich bin froh, dass sich nun endlich jemand intensiv mit dieser riesigen Aufgabe befasst", so Bürgermeister Jochen Hufschmidt gegenüber dem Stadtrat. Wie Falk ausführte, sei ein wesentlicher Bestandteil seiner bisherigen Arbeit die Recherche in Archiven, insbesondere in Pressearchiven, gewesen. "Es war und ist sozusagen die Suche nach einer verlorenen Zeit, eine Wiederbelebung verlorener Werbener Geschichtsaufzeichnungen", beschreibt es Christian Falk selbst. In den Archiven habe er zwischen 200 und 300 Aufnahmen aufschlussreicher Dokumente gemacht.

Die noch vorhandenen Geschichtsaufzeichnungen, die sich an die Veröffentlichungen des bekannten Heimatchronisten und Pfarrers Ernst Wollesen anschließen, so Falk, wiesen erhebliche Lücken und auch Fehler auf. Wollesen war mit seiner Chronik bis 1898 gekommen. Falks ergänzende Arbeit beginnt im Jahr 1900. Bisher ist der Freiwilligendienstler bis in die 1930er Jahre gekommen. Wie der Inhalts-Übersicht seines Chronik-Entwurfs zu entnehmen ist, widmen sich die Aufzeichnungen unter anderem der Vorstellung von Ernst Wollesen, stellen das Handwerk, den Handel, das Gewerbe aus der Zeit vor, beleuchten die Bedeutung der Bauern und Ackerbürger.

Außerdem wird auf die Elektrifizierung Werbens, das Verkehrswesen, die Post und die Stadtsparkasse eingegangen. Sehr umfangreich wird das rege Vereinsleben in der damaligen Zeit vorgestellt. Selbstverständlich enthält die Arbeit Falks auch Aussagen zur Schule sowie dem kirchlichen Leben. Denkwürdige Ereignisse finden ebenso Erwähnung - zum Beispiel die 900-Jahr-Feier Werbens (1905), die Enthüllungsfeier für das Denkmal Albrechts des Bären (1906), die Elbüberschwemmung von 1909 und der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) sowie das Gefangenenlager in Werben.

"Die Fortsetzung der chronistischen Arbeit ist sehr wichtig"

Jochen Hufschmidt. Bürgermeister

Der nächste umfangreiche Teil der Chronik widmet sich der Zeit zwischen der Weimarer Republik und dem 3. Reich mit seinem Parteiwesen, dem Gesundheitswesen, dem Finanzwesen und ebenso dem damaligen Vereinswesen. Es wird auf den Straßenbau und die Fähre eingegangen - ebenso wie auf Wetterkapriolen und vieles mehr. Zu den besonderen und denkwürdigen Eeignissen zählen das "Gustav-Adolf-Heimatfest" (1931) und der "Werbener Blutsonntag" (1932).

Wie Christian Falk auf Nachfrage ausführte, wird die Chronik auch Fotos und Repros von Dokumenten enthalten. Michael Schnelle bot an, dem Chronisten noch historische Fotos zur Verfügung zu stellen - unter anderem von der Schützengilde Werben. Christian Falk nahm das Angebot dankend an und wies darauf hin, dass auch andere Dokumente und Fotos aus dieser Zeit hilfreich für die weitere Arbeit sein können. Bürger, die über derartiges Material verfügen, werden gebeten, sich bei Christian Falk in Hindenburg zu melden; Telefon: (039394)91860. Die Dokumente werden gescannt oder abfotografiert und werden den Eigentümern zurückgegeben. Selbstverständlich, so Hufschmidt, sind auch Schenkungen für das städtische Archiv sehr willkommen.

Wie der Bürgermeister weiter ausführte, soll die chronistische Arbeit nach dem Auslaufen der BFD-Maßnahme von Christian Falk fortgesetzt werden. Die Stelle werde neu besetzt. "Beispielsweise die spannende Nachkriegszeit und die DDR-Zeit sind für die Vervollständigung der Chronik von sehr großer Bedeutung. Wünschenswert sind aber auch noch umfangreichere Recherchen zur Eisenbahn, die für die Entwicklung von Werben sehr wichtig war", sagte Hufschmidt.