Beide Seehäuser Kirchengemeinden erinnerten in einer Feierstunde in der katholischen Kirche an den geschichsträchtigen 9. November 1938.

Seehausen l Die Nacht vom 9. zum 10. November ist in Deutschland in zweifacher Hinsicht in die Geschichte eingegangen. Zum einen dokumentiert sie den Mauerfall in Berlin und zum anderen war dies der Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in der Pogromnacht, auch Reichskristallnacht genannt, im Jahre 1938.

In dieser Nacht brannten in Deutschland über 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume. Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Der Grundstein für den drei Jahre später beginnenden Holocaust war durch die Nationalsozialisten gelegt.

Schon seit Jahren nehmen die beiden Seehäuser Kirchengemeinden und der Gospelchor dieses traurige geschichtliche Ereignis zum Anlass für eine Feststunde. Als Austragungsort wurde bisher die geheizte katholische Kirche St.Johannes gewählt. Auch an diesem Jahrestag der Pogrome konnte der Leiter des Gospelchores, Ralf Netal, sehr viele Besucher der Feierstunde begrüßen. Der Hausherr von St.Johannes, Pfarrer Richard Perner, stimmte mit sorgsam ausgewählten Fotos auf der großen Perlwand auf die Thematik ein, die mit einem Solo auf dem Kontrabass durch Netal begleitet wurde. Nicht die Greueltaten von damals standen unmittelbar im Fokus des Programms, sondern Lieder, Sitten, Gebräuche, Witze und Tänze des jüdischen Volkes sollten die Zuhörer in den für sie fremden Kulturkreis entführen.

Als Aufhänger wurde der Schabbat gewählt. Er ist im Judentum der 7. Wochentag, ein Feiertag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Dieser hohe Feiertag beginnt am Freitag mit dem Sonnenuntergang und endet am Sonnabend mit Einbruch der Dunkelheit. Lesungen zu dieser Thematik waren in das Programm integriert. Erstmals hatte an diesem Abend Stefan Jambor den Gitarren-Part bei den Liedgestaltungen übernommen. Mit "Hava nagila" (Lasst uns glücklich sein) wurde ein Lied gewählt, in dem die Fröhlichkeit überschäumend zum Ausdruck kam. Im Friedensgebet, vorgetragen von Andrea Klein und Reiner Krainz aus der katholischen Gemeinde, wurde der beiden eingangs erwähnten Ereignisse vom 9. November und der daran beteiligten Menschengruppen gedacht. Das Publikum dankte mit reichlichem Applaus und durfte sich über eine Zugabe, erneut mit "Hava nagila", freuen, bevor sie mit dem Segen des Pfarrers den Heimweg antraten.