Osterburg (fsc) l Der Martinsumzug am 11. November, dem Tag des Heiligen Martin, von der evangelischen St.-Nicolai-Kirche durch Osterburg zur katholischen St.-Josefs-Kirche ist schon traditionell eine ökumenische Veranstaltung beider Kirchengemeinden in der Biesestadt. Begonnen hatte er am Dienstag wieder mit dem Martinsspiel, das von den Nicolaibläsern musikalisch unterstützt worden war, im evangelischen Gotteshaus.

Christenlehrekinder der 5. Klasse hatten unter Regie von Gemeindepädagogin Karin Diebel vor vielen Kindern und deren Eltern die Szene gespielt, in der ein reicher reisender Kaufmann an einem bitterkalten Wintertag vor der gallischen (französischen) Stadt Amiens unter die Räuber gefallen und von ihnen bis aufs Hemd ausgeplündert worden war.

Da sei dem Armen, so berichtet die Sage, der berittene römische Offizier Martinus (Martin) begegnet, der außer seinem Schwert und seinem roten Militärmantel nichts bei sich gehabt hätte. Martin hätte Mitleid mit dem Frierenden empfunden, seinen Mantel mit dem Schwert geteilt und eine Hälfte dem Armen gegeben. In der folgenden Nacht sei Martin im Traum Christus erschienen, bekleidet mit dem halben Mantel, den jener dem Bettler gegeben hatte. "Angelehnt ist dieses Spiel", so Karin Diebel gegenüber der Volksstimme, "an die biblische Erzählung vom barmherzigen Samariter." Den Kaufmann und Bettler verkörperte Maxima Stobinski, die beiden Räuber waren Wiebke Seehaus und Luisa Maurer, den Martin spielte Ferdinand Grams. Der setzte sich im Anschluss vor dem Gotteshaus auf sein Pony und führte den Zug zur katholischen Kirche an. Viele Kinder hatten Lampions mit, getreu der christlichen Botschaft, die Pfarrerin Claudia Kuhn zuvor verkündet hatte: "Tragt in die Welt ein Licht und fürchtet euch nicht!" Dieses Licht ist zu einem Symbol des Martinsfestes geworden.

Auf dem Kirchhof von St. Josef hieß Pfarrer Richard Perner die Gäste willkommen und erinnerte an die vielen tagtäglichen Möglichkeiten des Teilens, mit dem jedem geholfen werden könne; aus dem evangelischen Kindergarten waren Martinshörnchen gebracht worden, die man zu den Klängen der Nicolaibläser untereinander teilte und gemeinsam verzehrte. Kameraden der Osterburger freiwilligen Feuerwehr hatten an diesem feuchtkalten Abend mit Feuerschalen für eine angenehmere Temperatur gesorgt; wer das Bedürfnis nach innerer Wärme verspürte, konnte dem mit heißem Tee und Glühwein nachkommen.

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