In deutschen Landen gibt es zwischen Nord und Süd und nicht zuletzt mit der aktuellen Energiereform offenbar großen Bedarf an neuen Stromtrassen. Das bekommen jetzt auch die Altmärker zu spüren.

Seehausen/Losenrade l Von Perleberg aus soll eine der neuen Leitungen über Stendal nach Wolmirstedt gebaut werden. Der Netzbetreiber "50hertz" (vor allem in Nord- und Ostdeutschland aktiv) ist derzeit dabei, das Planfeststellungsverfahren voranzutreiben.

Eine neue Trasse müssen die Investoren dafür nicht einmal ausweisen. In der Projektbeschreibung heißt es dazu, dass die neue 380-kV-Leitung, die über eine Stromtragfähigkeit von 3600 Ampere verfügen soll, die alte 220-kV-Leitung ersetzen wird, die in den 1950er Jahren errichtet wurde, nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht und mit der Ersatzinvestition zurückzubauen ist.

Doppeltrasse ab Seehausen

Im Altkreis Osterburg wird die neue Starkstromleitung unter anderem Dobbrun, Osterburg, Erxleben und Ziegenhagen tangieren und als Doppeltrasse geführt werden, wenn südöstlich von Seehausen eine Leitung mit der gleichen Leistungsfähigkeit von Lubmin kommend dazustößt. Nachdem die neue Leitung aus Richtung Perleberg bei Garsedow die Elbe gequert hat, ergibt sich bei Losenrade ein neuer/alter Konfliktpunkt. Denn dort drängt sich die Hochspannungstrasse durch einen kaum 200 Meter breiten Korridor zwischen dem Dorf und einem östlich gelegenen Gehöft, das schon jetzt im Schatten der alten Leitung in rund 50 Meter Entfernung steht. Die neuen Pläne sehen an der Stelle zwar eine Verschiebung in Richtung Westen vor. Ob das genug ist, und ob sich dann nicht die anderen Losenrader Sorgen um mögliche Beeinträchtigungen machen müssen, die dem so genannten Elektrosmog zugeschrieben werden, ist offen.

Der Bauausschuss des Seehäuser Stadtrates stand dem Papier - gespickt mit für den Laien schwerverständlichen Details - in seiner jüngsten Sitzung etwas ratlos gegenüber. Zumal Stromleitungen dieses Kalibers nicht nur magnetisch strahlen, sondern auch Geräusche machen. Die Mitglieder des Fachgremiums um Willi Hamann wollen sich jedenfalls, was den Bereich Losenrade betrifft, noch ein paar Erläuterungen von Investor und Planer einholen, bevor sie sich auf ein Votum einlassen.