Osterburg l Der Klang von Martinshörnern aus drei Einsatzfahrzeugen der Osterburger Feuerwehr holte am Sonntag- vormittag auf dem Weinberg etliche Neugierige an die Wohnungsfenster.

Feuerwehrleute setzten die Pumpe am Tanklöschfahrzeug in Gang, und ein Wasserstrahl ergoss sich auf das Dach des Hauses Am Mühlenberg 6. Kein Feuer, kein Rauch, kein Fehlalarm. Es war ein feuchter Glückwunsch der Brandbekämpfer für ihren Kameraden und Hauptbrandmeister Rudi Schulz sowie dessen Ehefrau Edith zu deren diamantener Hochzeit. "60 Jahre Ehejubiläum ist heutzutage schon etwas Besonderes", äußerte Stadtwehrleiter Sven Engel bei der Gratulation gegenüber der Volksstimme. Rudi Schulz sei seit 1952 in der Feuerwehr aktiv gewesen, so Engel weiter, zunächst in Späningen, wo er wohnte, und später in Osterburg. "Hier war Rudi Gruppenführer und 20 Jahre lang, bis 1991, stellvertretender Wehrleiter. Von 1990 bis 2001 war er Schriftführer und verwaltete zuverlässig die Vereinskasse. Danach unterstützte er die Wehrleitung mit seinem umfangreichen fachlichen Wissen und seinen Erfahrungen."

Schon zu DDR-Zeiten hatte sich der immer hilfsbereite Kamerad mit einem handwerklichen Beruf an den Umbauarbeiten des Gerätehauses beteiligt und 1992 sich bei der ersten Modernisierung des Wehrdepots ebenso uneigennützig eingesetzt. Längst Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung, ist Rudi Schulz oft an den Dienstabenden der Wehr dabei und zeigt auch damit seine Verbundenheit mit den aktiven Kameraden. Seine Edith, das wissen sie, hat ihn immer für die Arbeit in der Wehr den Rücken frei gehalten. Rudi Schulz ist Träger des "Silbernen Brandschutzabzeichens am Bande".

"Wir danken unserem Rudi für die jahrzehntelange Treue und Zugehörigkeit zu unserer freiwilligen Feuerwehr und Edith für deren Verständnis", sagte Sven Engel im Namen der gesamten Wehr. Den Glückwünschen schloss sich Ingo Fabisch für den Förderverein der Osterburger Feuerwehr an. Mit der Drehleiter wurden Rudi und Edith in Begleitung des sichernden Kameraden Dennis Hahne 23 Meter emporgehievt, um sich die Umgebung des Weinbergs aus der Vogelperspektive anzusehen.

Beide hatten als junge Leute in Späningen gewohnt. Wie das auf dem Dorf so ist, gibt es viele Gelegenheiten einander kennenzulernen. "Mein Bruder Roland hatte zuerst geheiratet", erzählte Rudi der Volksstimme. "Und zwar meine Schwester Elsbeth", ergänzte Edith. "Wir haben es praktisch den beiden nachgemacht." Glücklich seien sie bis heute.

Ihre Jungs Ingo und Rolf leben in Osterburg, Tochter Rita ist in Stendal zu Hause. Zur Familie gehören vier Enkel und vier Urenkel. "Lange gehörte Radfahren, oft bis zu 25 oder 30 Kilometer am Tag, zu unserer Lieblingsbeschäftigung", sagte Rudi. "Nun, man wird eben älter, und da ist das weniger geworden", meinte Edith. "Wir lesen jetzt sehr viel, alle Zeitungen, die kommen und Bücher. Außerdem haben wir am Haus einen kleinen Garten."