Krumke l Mit Verstärkung des Osterburger Planers Guido Manecke schulterten damit Robert Reck und Bauamtsleiter Guido Mertens die Aufgabe, die der Landesverwaltung und deren Planern gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Behörde drückt sich nicht zum ersten Mal im Rahmen der Autobahnverlängerung darum, die Betroffenen an der Trasse über das bislang teuerste sowie für Mensch und Umwelt folgenreichste Projekt in der Altmark zu informieren.

Die Verantwortlichen beziehen sich dabei auf den Gesetzgeber, der dieses Prozedere für das Planfeststellungsverfahren nicht vorschreibt - es allerdings auch nicht verbietet, wie der Landtagsabgeordnete Ralf Bergmann in der Diskussion betonte. Der SPD-Politiker aus Hohenberg-Krusemark machte kein Hehl aus seinem Unverständnis über das behördliche Benehmen ("ich schäme mich fast") und sicherte zu, die Stellungnahme aus dem Seehäuser Rathaus in Richtung Erörterungstermin zu begleiten und so vielleicht dem einen oder anderen Anliegen der Alandstädter und der umliegenden Dörfer zu mehr Lobby zu verhelfen.

Apropos Erörterung: Wer die Chance für Stellungnahmen beziehungsweise Einwendungen jetzt nicht nutzt, verwirkt sein Recht, später seine Interessen vielleicht sogar mit juristischer Verstärkung durchsetzen zu können.

Die Einreichungsfrist endet schon am Freitag, 21. November. Die Auslegungsfrist der Pläne ist bereits Geschichte. Mertens deutete aber an, Interessenten in den kommenden Tagen den Einblick in die Unterlagen nicht zu verwehren. Dass sogar einigen direkt Betroffenen ein Blick in die 23 Aktenordner oder die Beschäftigung mit dem Verwaltungsverfahren gut tun würde, bewiesen unter anderem Anfragen zur Beteiligung betroffener Landeigentümer.

Selbst da sind die Verantwortlichen nicht in der Plicht. Wer jetzt wissen will, ob sein Grund und Boden für die Trasse oder Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen verplant ist, muss das im verschlüsselten Eigentümerverzeichnis der A-14-Pläne selber recherchieren. Nur Landbesitzer, die außerhalb der Region ihren Wohnsitz haben, kommen in den Vorzug, eines Anschreibens.

Der größte Teil der über 100 Gäste war aber recht gut informiert, was sich in zahlreichen Anregungen bemerkbar machte, die Mertens, der den überwiegenden Teil des Abends als erklärender Moderator bewältigte, in der Stellungnahme des Bauamtes verarbeiten will. Durchweg alle Vorschläge wurden ebenso sachlich vorgetragen wie aufgenommen. Autobahnbefürworter und -gegner erkannten die Mühen der Verwaltung an und brachen keine Grundsatzdiskussion zum Für und Wider der Schnellbahntrasse vom Zaun.

Unzulänglichkeiten, die das Bauamt nach dem Studium der Unterlagen selbst moniert, sind unter anderem das Fehlen von Radwegbahnen auf den Brücken, mit denen die Landesstraßen L2 und L12 über die A14 geführt werden. Um mögliche Schäden durch den Baustellenverkehr vorzubeugen, fordert das Bauamt Beweissicherungsverfahren für Straßen und Immobilien im Einzugsbereich. Außerdem sei der lärmmindernde Belag nicht genau spezifiziert, was bei der Nähe zu einigen Orten eine wichtige Rolle spielen könnte. Zumal in dem Abschnitt kein aktiver Lärmschutz geplant ist. Wobei in dem Zusammenhang die Berechnungen, die nur die Richtgeschwindigkeiten für Pkw und Lkw zu Grunde legen, allgemein angezweifelt werden. Eine Tatsache, die vor allem den Drüsedauern in ihren Stellungnahmen bitter aufstößt.

80 Briefe aus Drüsedau

Henning Horzetzky nutzte die Gelegenheit, an dem Abend 80 Briefe zur Weiterleitung Robert Reck zu übergeben. Bei 120 Einwohner hat sich praktisch fast jeder Haushalt mit seinen Bedenken zu Wort gemeldet.

Dass der Autobahndamm im Sinne der Hochwasserschutzplanung Durchlässe bekommen muss, wird ebenso angemerkt wie seinerzeit beim nördlichen Abschnitt. Dazu fordern die Seehäuser, die begleitenden Wirtschaftswege auf einer Breite von 3,50 Metern und aus Gründen der Haltbarkeit in Betonspurbahnen zu planen und bestehen auf mehr Informationen bei Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen.

Als BUND-Vertreter brachte Bernd Schilf aus Werben die Forderung ins Spiel, die B190 über die A14 zu führen, damit die Autobahn tiefer in die Erde kommt. Wobei er vor allem den Stadforst im Blick hatte, der vielen Ausflüglern als Erholungsgebiet wichtig ist. Zuspruch bekam er von Walter Fiedler, der ausgewiesener Autobahnbefürworter ist, aber die Folgen für die Region trotzdem im erträglichen Rahmen gehalten sehen will.

Stadträtin und Sprecherin der BI "Keine A14", Susanne Bohlander, die am Wochenende schon eine Radtour entlang der geplanten Trasse von Krumke bis Vielbaum mit allen Brennpunkten organisiert hatte, dankte der Verbandsgemeinde zum Schluss für deren Initiative und wies darauf hin, dass Mustereinwendungen noch zum Stichtag im Rathaus Seehausen ausliegen.

Robert Reck sicherte zu, dass die fertige Stellungnahme der Verbandsgemeinde, die auch Ralf Bergmann in die Hände bekommt, zur Einsichtnahmen für jedermann auf den Seehäuser Internetseiten veröffentlicht wird.

 

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