Nach dem Motto "Wer die Zukunft erforschen will, muss die Vergangenheit kennen" startete am Donnerstagnachmittag an der Gemeinschafts- und Sekundarschule Seehausen mit neun Schülern der 7. bis 9. Klasse ein ganz besonderes Projekt.

Seehausen l Als so genannte Zeitspringer wollen die Mädchen und Jungen gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Elli Heine und Schulsozialpädagogin Mandy Gauditz die Schullandschaft am Aland erforschen. Letztere hatte auch die Idee, sich mit diesem Projekt an einer Aktion zu beteiligen, die von der Landeszentrale für politische Bildung, der Stasiunterlagen-Behörde, der Stiftung Gedenkstätten, der Stiftung Demokratische Jugend und der Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung gefördert wird. In dem Fall mit 750 Euro, die die Jugendlichen und ihre Pädagogen beispielsweise in Recherche, Bildungsreisen, Museumsbesuche oder Dokumentationsmaterial investieren können.

Festwoche im Oktober

Das Seehäuser Zeitsprünge-Projekt (eins von zehn geförderten) trägt den Titel "150 Jahre Schulstandort Seehausen - Morgen ist heute schon Geschichte". Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Grundsteinlegung des ehemaligen Winckelmann-Gymnasiums, in dem inzwischen die Gemeinschaftsschule untergekommen ist, 2015 zum 150. Mal jährt. An das Jubiläum soll im Oktober mit einer ganzen Festwoche erinnert werden. Dann werden auch die Zeitspringer eine wichtige Rolle spielen, weil zumindest in konzentrierter Form über das Unterrichtswesen in der Wischestadt wenig hinterlegt ist und bislang auch keine Schul-Chronik existiert.

Das alles sind Voraussetzungen, die der Arbeitsgruppe viel Spielraum lassen, aber auch die Gefahr bergen, sich zu verzetteln. Bevor sich die Jugendlichen am Donnerstag nach Unterrichtsschluss zu einer ersten Recherche in der Stadtbibliothek trafen, gab es deshalb ein sogenanntes Briefing, um die Arbeit gemeinsam zu koordinieren, und dem bei den 14-tägigen Treffen sicher noch einige folgen werden.

So gilt es unter anderem Ideen zu sammeln, was für die Dokumentation besonders wichtig ist und wie beziehungsweise wo die Zeitspringer an ihre Informationen kommen können. An ersten Einfällen mangelte es am Donnerstag jedenfalls nicht.

Im Wandel der Zeiten

Die Anregungen reichten von allgemeinen Fakten wie eventuell auch nicht mehr vorhandenen Schulbauten und -standorten über verschiedenen Bildungsformen, Fachrichtungen, Schule im Wandel der Zeiten beziehungsweise der Regierungen bis hin zu bekannten Söhnen der Stadt, die mit der Bildung vor Ort irgendwie in Zusamenhang zu bringen sind. Darüber hinaus könnten Fakten über frühere Geschlechtertrennung, den Einsatz des Rohrstockes oder mögliche Vorschriften über Schuluniformen interessant sein, die sich alle auf einem Zeitstrahl wiederfinden sollen. Den wollen die Seehäuser Zeitspringer das erste Mal im Juli 2015 bei einer zentralen Veranstaltung zum Ende des Landesprojektes in Halle oder Magdeburg vorstellen. Pädagogen und Mitschüler müssen sich bis zu Schulfestwoche im Oktober gedulden.

Weil die Zeit bis zum nächsten Sommer kurz und die Möglichkeiten der Zeitspringer trotz Förderung begrenzt sind, nutzten sie die Gelegenheit, um Unterstützung zu erbitten. Wer etwas über die Geschichte der Bildungslandschaft in Seehausen in Bild, Text oder Wort beisteuern kann, wird gebeten, sich mit der Gemeinschafts- und Sekundarschule in Verbindung zu setzen.

Sind 150 Jahre genug?

Und wer weiß, vielleicht kommt mit Hilfe von Zeitzeugen und Zeitzeungnissen ja sogar noch heraus, dass die Bildungsgeschichte am Aland älter als 150 Jahre ist. Die Schulfestwoche würde das jedenfalls nicht verhageln. Denn das Datum der Grundsteinlegung am Altbau ist allein genug Anlass, ein Jubiläum zu begehen.