Osterburg l Zu einem Familientreffen der Dobberkaus der Kreveser Linie kam es kürzlich im hiesigen Herrenhaus; dessen jetzige Besitzer Ralf Engelkamp und Rainer Kranz hatten das Foyer dafür freundlicher Weise zur Verfügung stellten.

Auslöser dieses Events sei ein Brief aus Missoula im USA-Staat Montana im Frühjahr gewesen, "der uns sehr verwundert hat", sagte Marie-Luise (Mary) Dobberkau den rund einem Dutzend Anwesenden. "Darin ging es um Ahnenforschung, und Absenderin war Silke Jauck, die auf der Suche nach ihren Wurzeln ist. Meine Schwägerin Barbara suchte alte Geburtsurkunden und Fotos heraus, und wir antworteten auf diesen Brief. Barbara war vor Zeiten zufällig in einem alten Schrank auf allerlei amtliche Schreiben, Briefe und Dokumente gestoßen, die auf Grund der altertümlichen Schrift schwer zu entziffern sind." Mary ist verheiratet mit Bernd Dobberkau. Durch den weiteren Austausch von Informationen konnte man verschiedenen Spuren verfolgen und war zum Schluss gelangt, dass, so Mary Dobberkau, "tatsächlich verwandtschaftliche Beziehungen bestehen, und wir stießen schließlich auf den in der Chronik von Krevese erwähnten Christian Dobberkau".

Silke Jauck ist in Droyßig im Süden Sachsen-Anhalts aufgewachsen und lebt seit 20 Jahren in Amerika. Ihre Urgroßmutter sei eine Dobberkau aus Krevese gewesen. Nun war man zusammengekommen, um sich und den Ort Krevese, die Hofstelle der Dobberkaus, die Kirchen und das Herrenhaus kennenzulernen.

Historie des Gutes

Neben den bereits Erwähnten waren die 72-jährige Marie-Luise Jauck aus Droyßig, Manfred und Renate Karl, geborene Dobberkau, aus Schönebeck, Manfred und Maria Dobberkau sowie Martina und Gerd Höpken aus Berlin angereist. Zur Verwandtschaft gehört auch Frank Mehlhorn aus Krevese, zugleich Kirchenältester in der Kirchengemeinde. Eingeladen waren ebenfalls Ortschronist Jan Kleemeier, Pfarrer Matthias Kruppke und der Leiter der Kreismuseen, Frank Hoche.

Mary Dobberkau hatte einen kurzen Abriss der Geschichte des Gutes Krevese zusammengestellt, in dem auch der Name Dobberkau wurzelt. So war unter anderem zu erfahren, dass im Jahr 1817 dieser Besitz der Familie von Bismarck zum Verkauf stand und dass nach einem Bericht des früheren Kreveser Pfarrers Danneil "der Kossat Dobberkau aus Krevese" auf den Gedanken gekommen war, dass die von den von Bismarcks untertänigen Bauern doch das Gut kaufen sollten, um von allen Lasten und Pflichen frei zu sein. "Man kann sich vorstellen, welchen Aufruhr dieser kühne Gedanke in den Köpfen der lange Zeit durch den Zwang der Gutsherrschaft, der von der fast völligen Leibeigenschaft gedrückten Bauern verursachte", sagte Mary Dobberkau. Trotz vieler Bedenken wäre man aber, versehen mit geschäftlichen Ratschlägen des damaligen Kantors Veit, entschlossen gewesen, das Geld, 140 000 Taler, davon 40 000 Taler in Gold aufzubringen, Schulden zu machen und Gut zu kaufen. Am 26. Juni 1818 sei der Kauf besiegelt worden.

Landrat neuer Besitzer

Die am Handel beteiligten Bauern und Kossäten wären, obwohl verschuldet, ihre gutsherrlichen Lasten los und günstig Besitzer ihrer Höfe geworden. Doch bereits ein Jahr später sei das Gut nicht mehr zu halten gewesen; sie mussten es wieder verkaufen.

Neuer Besitzer wurde der damalige Landrat von Jagow. In der Kreveser Chronik wird berichtet, dass "der erste Dobberkau auf dem (hiesigen) Kossatenhof Nr. 16 ein sehr tüchtiger, fleißiger und sparsamer Mann" gewesen sei. Dessen Sohn Christian sei jener Dobberkau gewesen, der die Bauern zum Kauf des Gutshofes und des Kossatenlandes animiert hatte. "Für uns ist noch interessant", sagte Mary Dobberkau, "dass der Hof Nummer 16 von 1776 bis 1953 von der Familie Dobberkau bewirtschaftet worden war. Danach gingen die Flächen in die Bewirtschaftung durch die LPG über." Es wäre schön, meinte sie, wenn sich weitere Dobberkaus bei uns melden würden. "Vielleicht sind sie ja auch mit uns irgendwie verwandt." Spektakulär an der Geschichte mit dem Verkauf des Guts sei damals gewesen, dass eine Frau die Verkäuferin war, sagte Kleemeier, nämlich Wilhelmine Charlotte Henriette von Bismarck.

Klosterkirche besichtigt

Renate Karl, die vor dem Treffen gemeinsam mit ihrem Mann den Krumker Park besucht hatte, zeigte sich erfreut: "Es ist schön, dass wir unsere Familienmitglieder kennenlernen durften. So kann der Stammbaum neu angelegt werden. Es ist wie ein Wunder, dass noch alte Unterlagen erhalten geblieben sind." Auf der Hofstelle gibt es außerdem noch Zeitzeugen von Pflastersteinen bis zu bäuerlichem Gerät. Die Geschwister Bernd und Barbara Dobberkau sind die siebente Generation.

Nach Ralf Engelkamps Erläuterungen zum jetzigen Stand des Herrenhauses besichtigten die Dobberkaus die Klosterkirche. Frank Hoche hat sich bereit erklärt, die schriftlichen Hinterlassenschaften ins Lesbare zu übersetzen.