Zornig schleuderte Rumpelstilzchen seinen Hut auf das Parkett. Doch es half nichts. Der Unhold musste ohne Königinnen-Kind aus der Lichterfelder Sporthalle abziehen. Wenigstens dürfte der Applaus getröstet haben, mit dem sich die Besucher des Weihnachtsballs bei den Akteurinnen der spaßigen Aufführung bedankten.

Lichterfelde l Für das auf Neu getrimmte Märchen schlüpften Mütter von Knirpsen aus der Lichterfelder Kindertagesstätte in die Kostüme der Fantasiefiguren. Eine ähnliche Verwandlung erfuhr auch die Sporthalle. Mitglieder des örtlichen Kulturfördervereins hatten bereits eine Woche zuvor mit dem weihnachtlichen Ausschmücken der Halle begonnen. Selbst gebaute Kirche und Fachwerkhäuser dienten als Kulisse, unzählige Lichterketten verbreiteten ebenso Weihnachtsstimmung wie ein riesiger Christbaum, der eine ganze Ecke der Sporthalle ausfüllte. "Wenn die Gäste in die Halle kommen, strahlen ihre Augen", fiel Jens-Uwe Schneider auf. Schneider ist Vorsitzender des Vereins, der 2010 gegründet wurde und aus dem früheren Dorfclub hervorging.

Unter diesem Namen fanden sich schon zu DDR-Zeiten mehrere Lichterfelder zusammen, um Feiern und Veranstaltungen im Dorf auf die Beine zu stellen. 1995 löste sich der Club in der alten Besetzung auf. Die Auszeit währte aber nur wenige Jahre. Nachdem Jens-Uwe Schneider und seine Ehefrau Verena gemeinsam mit ein paar Mitstreitern das Organisieren von Feiern übernommen hatten, stießen sie bald an Grenzen. "Für den großen Aufwand waren das immer zu wenig Leute." Schneiders starteten eine Initiative, um den Lichterfelder Club neu zu beleben. Sie schrieben Einwohner an, die immer bei den Feiern dabei waren. Und konnten sich über eine fast 100-prozentige positive Resonanz freuen. Aus der erst losen Vereinigung von etwa 15 Frauen und Männern entwickelte sich 2010 ein Verein. "Dieser Schritt war unabdingbar, weil wir auch Einnahmen erwirtschaften und sich dadurch einfach alles sauberer abwickeln lässt", erklärte Jens-Uwe Schneider. Unter der offiziellen Bezeichnung "Förderverein für Kultur und Gesellschaftliches Zusammenleben in der Gemeinde Altmärkische Wische, Ortsteil Lichterfelde" sind aktuell 22 Einwohner organisiert, zum Vorstand gehören Jens-Uwe Schneider, Claudia Kieckhäfer sowie Ines und Jens Hoffmann.

Mit der Gebietsreform und der damit verbundenen Aufgabe der Eigenständigkeit öffnete sich der Verein auch für die anderen Dörfer der neuen Gemeinde "Altmärkische Wische". Natürlich auch mit der Hoffnung, mehr Besucher zu den eigenen Aktivitäten zu locken. Sicher habe es skeptische Stimmen gegeben, die nicht wirklich daran glaubten, dass die Nachbarorte auf die Angebote aus Lichterfelde eingehen. Doch weit gefehlt: Längst feiern Gäste aus allen Ortsteilen der Altmärkischen Wische und darüberhinaus in Lichterfelde mit.

"Anrufe kommen mittlerweile von selbst"

Der traditionell mit einer Tombola bereicherte Weihnachtsball erfreut sich sogar einer so großen Beliebtheit, dass er nicht mehr beworben werden muss. "Die Anrufe kommen mittlerweile von selbst. Bei 200 verkauften Karten mussten wir dieses Mal sogar schon einen Buchungsstop verhängen", erzählt Schneider. Ein ähnlicher Besuchermagnet ist der Karneval mit den Seehäuser Faschingsmachern. Zudem stellt der Lichterfelder Verein noch Aktionen wie Weihnachtsbaumverbrennung, Maifeuer oder Leseabend auf die Beine.

Mit den Erlösen aus den beiden Feiern erwirtschaften die Kulturförderer genügend Einnahmen, um sich selbst immer besser auszurüsten. In den zurückliegenden Jahren wurde beispielsweise in Zeltgarnituren, Glühweinkocher, Grill oder auch Heizpilze investiert. "Bei Bedarf kann auch die Gemeinde darauf zurückgreifen", sagte Schneider.

Das volle Haus und die stimmungsvolle Feier am Sonnabend machten deutlich, welche Akzente die Lichterfelder Kulturförderer für ihre Heimatgemeinde setzen. Und sie werden von weiteren Einwohnern unterstützt. Wie von Müttern aus der Lichterfelder Tagesstätte, die Samstagnacht in Kostüme schlüpften, um die Ball-Besucher mit "Rumpelstilzchen" zu unterhalten.

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