Auf den Seehäuser Internetseiten wird für das Forsthaus Barsberge zwar noch geworben wie zu alten Zeiten. Wer der Einladung auf den höchsten Punkt des Stadtwaldes folgt, steht allerdings vor verschlossenen Gaststättentüren.

Barsberge l Das Naherholungslokal mit Traditionsanspruch am Rande der "Altmärkischen Höhe" wurde im Oktober geschlossen, weil sich die Pächter nicht zuletzt aus privaten Gründen zurückziehen mussten (wir berichteten).

Die Eigentümer der Immobilie, Werner und Manuela Buchner aus Iden, hoffen, dass das kein Dauerzustand ist und sich bald ein Interessent für die Gaststätte, die ohne Zweifel über einige Alleinstellungsmerkmale verfügt, findet. Das letzte Mal war das Lokal drei Jahre geschlossen, bevor die Familie Marquardt 1996 die Regie auf Barsberge übernahm.

Die Wertung Alleinstellungsmerkmal trifft ohne Zweifel auf den Hundefriedhof zu, der nur einen Steinwurf vom Forsthaus entfernt zu finden ist. Er wurde 1887 vom damaligen Förster von Barsberge aus Dankbarkeit für seine treuen Vierbeiner eingerichtet. Bemerkenswert ist aber auch die fast schon etwas einsame Lage zwischen Wanderwegen mitten in der Natur, was Fluch und Segen gleichermaßen ist.

Laufkundschaft ist selten

Denn das Lokal, zu dem neben der Gaststube ein separates Jagdzimmer und ein in den 1960er Jahren angebauter Saal für bis zu 100 Gäste gehört, ist ein klassisches Ausflugslokal. Heißt, die Wirtsleute müssen ihren Umsatz insbesondere an den Wochenenden, in der Urlaubszeit oder mit großen Feiern machen, was zu DDR-Zeiten, als auch dieser Teil der "Höhe" zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde, sicher einfacher war als heute. Dazu, räumt Buchner ein, gehöre schon etwas Anpassungsfähigkeit und ein besonderes Konzept. Dafür könnten Interessenten, vorbehaltlich möglicher Modernisierungen, sofort loslegen, weil alles von der Küche bis zum Gastraum fast komplett ausgestattet ist.

Den promovierten Wirtschaftswissenschaftler verschlug es 1996 nach Iden, wo der inzwischen 45-jährige Franke einen Marktfruchtbetrieb gründete. Und mit dem er im Übrigen gut ausgelastet ist, verwies er die Anspielung auf eigene Gastronomie-Ambitionen ebenso wie seine Frau Manuela (42 Jahre) ins Reich der Spekulationen.

Sie ist gebürtige Seehäuserin und arbeitet noch halbtags in der Kindertagesstätte Lindenpark, um mehr Zeit für die Kinder (8 und 10 Jahre), aber auch für den Hof zu haben. Kennengelernt haben sich beide im Seehäuser Posaunenchor, wo sie heute noch musizieren. "Musik verbindet", bemerkt Werner Buchner lachend mit Blick auf das gemeinsame Stück Lebensweg. 2003 gab sich das Paar das Ja-Wort, womit sich der Kreis schließt und die Liebe zu Barsberge erklärt werden kann. Die Feier ging nämlich im Forsthaus über die Bühne. Und als die Stadt Seehausen die Immobilie, über die schon Ende des 19. Jahrhunderts der Magistrat das Sagen hatte, zum Kauf anbot, "schlugen" die Buchners zu.

Ein Blick in die Chronik

Inzwischen haben sich der Landwirt und die Erzieherin mit der Chronik des Areals vertraut gemacht und wissen, dass auf Straßenschildern früher Baarsberge stand, Barsberge mit Blick auf das Geschlecht der von Barsewisch aber wohl richtiger ist, dass bis Ende der 1930er Jahre vor Ort ein Kleinkaliberschießstand existierte, dass 1898 ein Aussichtsturm nur vier Jahre nach seinem Bau abbrannte und der geplante Bismarckturm nie Gestalt annahm, dass die Hubertusquelle Anfang des 20. Jahrhunderts versiegte, dafür ein paar Jahre später der Strom floss und vieles mehr. Kurz: Auf Barsberge atmet der Besucher nicht nur saubere, sondern auch geschichtsträchtige Luft.

 

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