Was war 2014 für die Einheitsgemeinde besonders erfreulich, was bereitete am meisten Sorgen? Gegenüber der Volksstimme zog der Osterburger Bürgermeister seine eigene Bilanz.

Osterburg l Sie taugen noch nicht als Beweis für eine Trendwende. Doch die Zahlen zur demografischen Entwicklung durften die Politiker der Einheitsgemeinde erstmalig seit der Wende mit einem hauchzarten Pluspunkt vermerken. Denn der Bevölkerungsrückgang schwächte ab und fiel zuletzt deutlich geringer aus, als Prognosen zur Einwohnerentwicklung vorhergesagt hatten. Mehr noch: Zumindest zum Halbjahr 2014 legte die Kernstadt Osterburg erstmalig seit der Wende in der Einwohnerzahl zu.

Klar, dass Bürgermeister Nico Schulz dies zu den erfreulichen Nachrichten des zurückliegenden Jahres zählt. Und daraus die Aufgabe ableitet, "dass wir als Kommune auch zukünftig alles daran setzen, das Lebens- und Arbeitsumfeld in unserer Region zu erhalten oder sogar weiter zu verbessern."

So ist es der Kommune wichtig, die bestehende Infrastruktur an Bildungseinrichtungen und Betreuungsangeboten zu erhalten. "Das ist uns auch mit der Grundschule Flessau gelungen. Obwohl es zu meinem Bedauern nicht zu einer einvernehmlichen Lösung mit der Verbandsgemeinde Seehausen über die Beschulung der Kinder aus der Altmärkischen Höhe in Flessau kam, hat der Kreistag den Bestand der Grundschule fortgeschrieben."

Das Ringen um die Bildungsstätte habe man gewonnen, "dafür ging der Kampf beim Wasserverband um einen Anschluss des gesamten Dorfes Flessau an die zentrale Abwasserentsorgung leider verloren", bedauerte der Bürgermeister. "Die Mehrheit der Verbandsmitglieder hat sich dagegen ausgesprochen, und das müssen wir dann auch akzeptieren", sagte er.

Grünanlagen-Pflege bereitet Schwierigkeiten

Die Abwasser-Diskussion in Flessau nahm Nico Schulz aber auch als Beispiel für eine verbesserungswürdige Kommunikation zwischen Ortschaften, Ortsräten und der Verwaltung. Dass die Abkehr des Wasserverbandes von der Kompletterschließung Flessaus viele Einwohner regelrecht überrumpelte, "zeigte ein Informationsdefizit, das uns in der Verwaltung überrascht hat. Denn der Flessauer Ortschaftsrat war längst in Kenntnis gesetzt", erklärte der Bürgermeister. "Wir können nicht jederzeit überall vor Ort sein. Deshalb ist die Verwaltung darauf angewiesen, dass Ortsbürgermeister oder Ortschaftsräte uns über Aufgaben oder Probleme informieren. Das gilt aber auch umgekehrt. Wenn die Verwaltung Themen oder Maßnahmen an die Räte heranträgt, sollten diese auch ihre Einwohner darüber informieren."

Generell bewertete Schulz die Zusammenarbeit mit den Räten aber sehr positiv. Auch nach der Wahl, über deren Ergebnisse sich der Bürgermeister auch zurückblickend noch einmal freute. Dabei stellte der Christdemokrat nicht einmal den eindeutigen CDU-Sieg im Osterburger Wahlkampf heraus. "Für mich ist es ganz besonders wichtig, dass in unseren Gremien Sacharbeit den Ton angibt und kein Parteiengezänk herrscht. Das war vor der Wahl so. Und ist auch danach genau so geblieben", sagte er.

Sachlich sei es im Stadtrat selbst bei umstrittenen Themen wie die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes (LSG) "Altmärkische Wische" geblieben. "Enttäuschend war für mich allerdings zu erleben, dass der Beschluss des Stadtrates für das Schutzgebiet zu persönlichen Angriffen gegen einzelne Personen geführt hat", erklärte der Bürgermeister." Und weiter: "Es ist schade, dass manche Einwohner die Stellungnahme und Entscheidung eines demokratischen Gremiums nicht akzeptieren können".

Auch außerhalb der angedachten LSG-Fläche gelegenes Landschafts-Grün rückte 2014 in den Fokus. Weil Maßnahmen, die Osterburg für Arbeiten im grünen Bereich angedacht hatte, erst sehr spät bewilligt wurden oder sich sogar gänzlich zerschlugen, bereitete die Pflege mangels Personals ungemein große Probleme. Auch 2015 dürfte der grüne Bereich und seine Unterhaltung zu einem Thema in der Osterburger Kommunalpolitik werden, ist Nico Schulz überzeugt. "Denn die Rahmenbedingungen, um Maßnahmen für die Pflege des grünen Bereichs gefördert zu bekommen, werden immer schlechter", erklärte der Bürgermeister.

Stadtfest ist längst kein "Sorgenkind" mehr

Das frühere "Sorgenkind" Stadt- und Spargelfest hat diesen Status dagegen seit mehreren Jahren abgelegt. Auch die 2014er Auflage wartete mit vielen Attraktionen auf und wurde von den Einwohnern aus Osterburg und Umgebung angenommen. Verbesserungsmöglichkeiten gebe es aber trotzdem. "Ich wünsche mir, dass sich unsere Osterburger Händler und Gewerbetreibenden noch stärker mit dem Stadtfest identifizieren. Es wäre doch schön, wenn schon bei der nächsten Auflage mehr Osterburger als bislang das Geschehen mit eigenen Ständen, Buden und Angeboten bereichern", sagte der Bürgermeister.