Die Lage ist nach wie vor sehr ernst - Geflügelhalter müssen ihre Tiere aufgrund der Vogelgrippe ausnahmslos in Ställen halten. Einige können die momentane Situation nicht ganz nachvollziehen.

Drösede l Die seit Ende November bestehende Allgemeinverfügung des Landkreises Stendal zur Aufstallung von Geflügel bleibt weiterhin bestehen - auf unbestimmte Zeit, wie gestern aus der Pressestelle des Landkreises zu erfahren war. Die Geflügelhalter müssen sich gedulden. Auch Ralf Schmidt aus Drösede setzt natürlich diese Vorgabe auf seinem Grundstück um. Trotzdem bleiben für ihn Fragen offen. Er kann beispielsweise nicht vollends nachvollziehen, dass der gesamte Landkreis von der Stallpflicht betroffen ist.

Erhöhte Kosten durch Zufütterung

Schmidt hält schon seit vielen Jahren Enten und Hühner hinter seinem Wohnhaus an der Dröseder Dorfstraße. "Ich habe 18 Hühner und drei Enten", erzählt der 52-Jährige. Am liebsten würden die gefiederten Tiere auf die dafür vorgesehene eingezäunte Freifläche auf Suche nach Gras, Körner und Würmer gehen. Das wäre bei den aktuellen Wetter-Verhältnissen trotz der kalten Jahreszeit möglich. "Das Wetter ist offen", sagt dazu Schmidt. Kein Schnee in Sicht. Aber der Weg unter freiem Himmel ist für die Tiere gesperrt. Schmidt darf die Pforte des Stalles nicht öffnen. Die Halter müssen die Stallpflicht umsetzen. Und diese Regelung ist für die Züchter auch mit erhöhten Kosten verbunden, sagt der gebürtige Dröseder. "Ich füttere täglich zu." So gehören auch vermehrt Rote Beete, Weizen oder Pellets auf den Speisezettel. Als Ersatz für die "verpassten" Würmer.

Ralf Schmidt sieht natürlich ein, dass Verordnungen umgesetzt werden müssen. Aber ein paar Kilometer von seiner Haustür entfernt gackern die Enten auf der Wiese. "Soweit ich weiß besteht die Stallpflicht für den Landkreis Salzwedel nicht", sagt der Geflügelhalter. Zumindest die Halter im Norden des Landkreises - von Drösede nach Arendsee sind es gerade mal 13 Kilometer - brauchen ihre Tiere nicht einzustallen. Ein Experte gibt jedoch zu Bedenken, dass zahlreiche Gänse den Arendsee anpeilen; Zugvögel könnten den Erreger übertragen. Ralf Schmidt weiß von Virus-Erkrankungen in anderen Regionen und den daraus resultierenden Maßnahmen. "Dort wurde ein Quarantäne-Schutzgebiet eingerichtet, aber nicht der gesamte Landkreis unter Stallpflicht gesetzt."

Der Landkreis Stendal hat indes anders reagiert und sieht sich auch aufgrund des jüngsten Vorfalles in seiner Meinung bestätigt. Es seien eine Vielzahl von Viren unterwegs. Im Landkreis Stendal wurden am 31.Dezember in der Gemarkung Groß Schwechten zwei Stockenten erlegt, die mit dem stark krank machenden Influenzavirus vom Typ H5N8 infiziert waren. Er besitzt für Hausgeflügel krankmachende Eigenschaften. Infektionen des Menschen sind bislang nicht bekannt, so der Landkreis.