Osterburg l Mit dem aktuellen Stand des Stadtentwicklungskonzeptes beschäftigten sich am Mittwochabend Stadträte und sachkundige Einwohner im Saal des Osterburger Verwaltungsgebäudes. Stadtplaner Henri Gnauert, Architekt eines Magdeburger Planungsbüros, gab einen Überblick über sämtliche statistischen Werte hinsichtlich der Stadtentwicklung der Einheitsgemeinde Osterburg.

Gnauert erfasste alle Häuser in der Kernstadt und ihren Ortsteilen, mitsamt den Einwohnern. Mit den umfassenden Ergebnissen sollen sich die Mitglieder einer Arbeitsgruppe befassen. Denn es sei enorm wichtig, "dem Ort eine Perspektive aufzuzeigen. Ob sie nun rosig ist oder nicht", sagte Gnauert. Schließlich verliert die Region wie viele andere Einwohner. Und damit könnte sich auch die Leerstandsquote von in der Einheitsgemeinde bestehenden Häusern erhöhen. Aktuell beträgt diese 11,6 Prozent, wie Gnauert die Anwesenden informierte. 648 Wohnungen in Osterburg und den Ortsteilen stehen leer. "Ein gesunder Wohnungsmarkt sieht anders aus", resümmierte der Fachmann. "Dieser Wert erfordert unbedingt Beachtung." Er erwähnt aber auch, dass in den vergangenen Jahres einiges realisiert worden ist. Wohnungsgenossenschaft und Wohnungsgesellschaft bauten in der Biesestadt einiges zurück. "Aber der Wert ist immer noch zweistellig." Allerdings relativiert Gnauert: Würde man in dieser Statistik die leerstehenden Häuser abziehen, die marode und baufällig sind, käme die Einheitsgemeinde auf einen Wert um acht Prozent.

Sanierungsgrad ist beachtlich

Dafür kann die Einheitsgemeinde auf einen anderen Wert stolz sein: Mit Wohlwollen vernahm nicht nur Bürgermeister Nico Schulz den Zustand der Gebäude. 69 Prozent der Häuser in der Osterburger Altstadt sind voll saniert und befinden sich demnach in einem ordentlichen Zustand. "Nur an zehn Prozent der Gebäude in diesem Bereich ist noch nichts passiert", ergänzte Gnauert.

"Wenn man die Häuser dazuzählt, die 1990 gebaut worden sind, dann liegt der Wert klar über 70 Prozent. Das wird in Sachsen-Anhalt seinesgleichen suchen", merkt Schulz an, der hofft, mit einer erhöhten Attraktivität der Stadt Familien zum Zuzug zu bewegen. Die Nordverlängerung der Autobahn A 14 könnte einen Schub verleihen. Die vor Jahren errechnete Prognose der Einwohnerentwicklung fiel nicht so drastisch aus wie einst vermutet. Trotzdem stellte Gnauert mehrere Rechnungen auf. Bei der maximalen Variante würde die Einheitsgemeinde seiner Meinung nach in den kommenden zehn Jahren über 1000 Einwohner verlieren, bestenfalls seien es 470.

In letzter Konsequenz könnte es in den kommenden Jahren auch zu einer Auflösung eines Ortsteiles kommen, so das Fazit des Architekten.