Mit Unverständnis und Enttäuschung reagierten Eltern, Förderverein und Lehrerschaft der Osterburger Sekundarschule auf die bisherigen Ergebnisse der kreislichen Ausschüsse, die sich gegen eine Umwandlung zur Gemeinschaftsschule aussprachen.

Osterburg l In der vollbesetzten Aula der Osterburger Sekundarschule "Karl Marx" fanden sich am Montagabend neben den einladenden Fördervereinsmitgliedern und Pädagogen viele Eltern ein, die ebenso vom erarbeiteten Konzept überzeugt sind wie die Lehrer. Und die Anwesenden geben sich ob der bisherigen Entscheidungen auf kreislicher Ebene kämpferisch. Bis zur finalen Kreistagssitzung am 19. Februar sollte die Mehrheit dieser Mitglieder ins "Gemeinschaftsschulen"-Boot geholt werden.

"Dies erschließt sich mir auch nicht", sagte Frank Bögner zur von Stadtrat Torsten Werner gestellten Frage, mit welcher Begründung speziell der Kreisschulausschuss in der Vorwoche mit "Nein" stimmte. Der zur Arbeitsgruppe der Sekundarschule gehörende Bögner informierte zuvor von den Bestandteilen des pädagogischen Bildungs-Konzeptes, von dessen Vorteilen und von den idelaen Voraussetzungen der Schüler, die alle möglichen Abschlüsse erlangen könnten.

Nicht nur deshalb herrscht bei den Eltern Unverständnis über das Ergebnis beim besagten Ausschuss (5:2 gegen eine Gemeinschaftsschule/wir berichteten). "Wie können wir helfen?", fragte eine Mutter, die sich wie viele Eltern gern unterstützend einbringen würde. Jürgen Emanuel, einer von insgesamt zwölf Osterburger Stadträten bei der Versammlung, der zudem noch im Kreistag für die Gemeinschaftsschule stimmen wird, riet: "Gehen Sie auf die Fraktionen zu." Vielleicht sind in Gesprächen Entscheidungsträger umzustimmen.

Bedenken, andere Schulen in der Umgebung könnten bei einer Osterburger Gemeinschaftsschule die möglichen Verlierer sein, räumte Horst Janas aus. Weder das biesestädtische Markgraf-Albrecht-Gymnasium, wo Janas selbst als Pädagoge tätig ist, noch die Goldbecker Sekundarschule würden als Standort gefährdet werden, schätzt das Kreistagsmitglied ein.

Image-Gewinn für die Biesestadt

"Wir haben bei den Schülerzahlen konstante Werte", legte Janas die Statistik zugrunde. 103 Schüler wurden im September des Vorjahres in die fünften Klassen des Gymnasiums eingeschult. "Damit haben wir vier Klassen, die richtig voll sind." Ein Verlust einer unteren zweistelligen Zahl an Schülern sei zu verschmerzen. Aber selbst daran will Janas, der im kreislichen Schulausschuss pro Gemeinschaftsschule votierte, nicht denken. Ähnliche Tendenzen machte er für die Goldbecker Sekundarschule auf, in der "um die 200 Schüler" unterrichtet werden. "Erst wenn die Zahl auf 120 fallen sollte, wäre diese Einrichtung gefährdet."

Horst Janas ist immer noch optimistisch, was den Kreistags-Beschluss anbelangt. Und nicht nur die Eltern hoffen auf ein Ja der Kommunalpolitiker zur möglichen neuen Schul-Form, die auch ein Image-Gewinn für die Biesestadt sei, verspricht sich Osterburgs Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose von einer Gemeinschaftsschule.

Seit Herbst 2013 arbeitet die Einrichtung, ein Träger des Landkreises, am neuen Konzept. Angeregt durch das Land, "wollten wir uns neu orientieren", blickte Frank Bögner zurück. Die gesamte Lehrerschaft sprach sich für den neuen Weg aus. "Die Signale standen auf Grün", so das Mitglied der gebildeten Arbeitsgruppe der Sekundarschule. Fachliche Gremien wie beispielsweise das Schulamt haben das Konzept bestätigt. Zu diesem zählt unter anderem eine Lesestunde, die im Rahmen der Unterrichtsplanung eingeführt wurde.

Konzept kommt Kindern zugute

Aber ähnlich wie die Wochenabschluss-Stunden, wo eine Auswertung der vergangenen Tage erfolgt, oder die Teamarbeit, die von intensiven Gesprächen lebt, seien diese "im Moment eine Goodwill-Veranstaltung". Anders ausgedrückt: Die Lehrer bringen momentan zusätzliche Stunden auf. "Der Gedanke der Gemeinschaftsschule wird schon gelebt."

Und ein großes Plus ist bereits mit dem unterzeichneten Vertrag zwischen der Einrichtung und den Berufsbildenden Schulen II in Stendal erfolgt; der Kooperationspartner ist bereits an Bord. Der riesen Vorteil für Abgangsschüler der Osterburger Sekundarschule: Für die Aufnahme in diese Einrichtung ist keine Bewerbung mehr nötig. Für die Schüler erfolgt in Stendal ein reibungsloser Übergang; dort kann der gymnasiale Bildungsweg eingeschlagen werden. Von seinen guten Erfahrungen an dieser Schule berichtete Kreisschulratssprecher Justin Probst, der ebenfalls als ehemaliger Schüler der Sekundarschule die favorisierte Form der Bildungsstätte unterstützt.

Rainer Moser, Stadtrat und ehemaliger Lehrer der Sekundarschule, fungierte am Montagabend als Moderater. Nicht nur er lobte in dieser Runde das Konzept. Ein Konzept, das den Schülern, wie mehrmals am Montagabend in der Aula betont wurde, zugute kommen würde - der Kreistag hat dazu das letzte Wort.