Mit Sorge nehmen die Jäger der Region die häufig werdenden Fährten der Wölfe zur Kenntnis. Aber es bleibt nicht nur bei den gesichteten Spuren; jüngst wurde Isegrim bei Krüden in Augenschein genommen.

Krüden l Der Wolf ist auf dem Vormarsch. Und nicht nur Dieter Smyrek kann sich vorstellen, dass er auch Teile der Verbandsgemeinde Seehausen zu seinem Revier macht. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Osterburg weiß von Waidmännern der Seehäuser Region, die ihn bereits auf seiner Tour durch die Region beobachteten. In den waldreichen Gebieten um Krüden oder Bretsch würde der Wolf Gegebenheiten vorfinden, die er mag und es ihm erlauben, eine Familie zu gründen.

In der Vorwoche wurde das Raubtier in der Nähe von Krüden gesichtet und durch den Beobachtenden nur wenige Meter entfernt fotografiert. An einem hellichten Tag. Und genau das ist normalerweise nicht die Art eines Wolfes, der als scheu gilt. Dieses Verhalten weise darauf hin, dass dieses Tier an den Menschen gewöhnt und wahrscheinlich sogar von ihm aufgezogen und ausgesetzt worden ist. Und darin stecke eine große Gefahr, wissen die Jäger. Somit könnten auch Menschen ins Visier der Wölfe geraten. "Wir beobachten die Situation mit großer Sorge", sagt Smyrek, der den Naturschutzbund kritisiert. "Wir werden bei der Wolfs-Population gehörig belogen." Der Nabu würde die aktuelle Situation "herunter spielen".

Smyrek, der in der Wische beheimatet ist und auch dort Fährten von Isegrim aufspürte, erhält nicht wenige Anrufe von Jägern, die auf das Problem hinweisen. Erst kürzlich war er in der Nähe von Wahrenberg, wo ein Reh gerissen wurde. "Entweder von großen Schäferhunden oder von Wölfen", tippt der Jägerschafts-Vorsitzende eher auf das Raubtier. "Die Eingeweide und Keulen wurden heraus gerissen."

"Die Situation wird geradezu verniedlicht"

Auch Sven Laaß weiß von Wolfsfährten in Nachbarrevieren. Der erfahrene Jäger erinnert sich auch an einen Wolfsriss vor etwa zwei Jahren bei Krüden. "Die Situation wird geradezu verniedlicht", ärgert er sich über die Aussagen des Naturschutzbundes, der das Tier nicht als Feind sieht. Auf dessen Homepage spielt der Wolf eine bedeutende Rolle: Es darf gefeiert werden, heißt es auf der Nabu-Seite im Internet: "15 Jahre Wölfe in Deutschland!" Trotzdem müsse das Thema kritisch betrachtet werden, so Laaß. "Wenn der Wolf keine Angst mehr vor dem Menschen hat, kann es zu Unfällen kommen."

Die Folgen der vermehrten Wolfs-Population in den Wäldern der Region seien bereits zu spüren. "Es werden sehr oft Wildschwein-Rotten mit 30 oder 40 Tieren gezählt", verweist der Vorsitzende auf Fakten. Solche große Anzahl an Rotten waren in jüngster Vergangenheit eine Seltenheit. Die Schweine würden den "Wolfsdruck von außen spüren" und sich mehr und mehr zusammen schließen. "Auch das Rehwild ist verängstigt, weil es sich nachts gestört fühlt". Und die Jäger dürfen nicht regulierend eingreifen. "Das ist ein sehr großes Problem", schätzt Smyrek die gegenwärtige Lage ein. Die Bestände von Wild könnten fühlbar schwinden, steht es doch ganz oben auf der Speisekarte des dem großen Haushund ähnelnden Tieres. Deshalb fordert nicht nur die Kreisjägerschaft, dass "der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden müsste." Das könnte trotzdem bedeuten, das er geschützt wird. Aber die Jäger hätten das Recht, "Problemfälle zu bejagen".

Die Wische hält Dieter Smyrek nicht für das geeignetste Revier für die Wölfe. Aber die zusammenhängenden Wälder bei Bretsch/Losse und Krüden seien Gebiete, wo sich Isegrim heimisch fühlen könnte. Das belegen auch die gesichteten Fährten und nicht zuletzt die jüngste Beobachtung an einem Vormittag hinter dem Bahnübergang bei Krüden in Richtung Scharpenhufe.

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