Mit großer Mehrheit hat sich der Osterburger Stadtrat am Donnerstagabend für die Umwandlung der Sekundar- in eine Gemeinschaftsschule ausgesprochen. Eine andere Auffassung vertritt Bürgermeister Nico Schulz, er fordert vom Land eine Aufwertung des Sekundarschul-Modells.

Osterburg l Im Speiseraum der Lebenshilfe-Hauptwerkstatt argumentierte Nico Schulz am Donnerstag fast gegen den kompletten Stadtrat an. Denn der Osterburger Bürgermeister machte aus seiner Ablehnung des "Gleichmacher-Modells Gemeinschaftsschule" keinen Hehl. Schulz glaubt nicht, dass in dem von dem Osterburger Lernort angestrebten Modell tatsächlich alle Schüler bestmöglich nach ihren Eignungen und Leistungsvermögen gefordert und gefördert werden können. "Das ist bei bis zu vier unterschiedlichen Schülergruppen (Förder-, Haupt-, Sekundar-, Abiturschüler) in einer Klasse schlichtweg nicht möglich", sagte er.

Die Ursache dafür, dass sich immer mehr Bildungseinrichtungen zur Gemeinschaftsschule entwickeln wollen, sieht Schulz auch nicht in etwaigen Vorzügen. "Der Wechsel wird angestrebt, weil die Sekundarschule in der Vergangenheit immer weiter vernachlässigt wurde", verweist der Bürgermeister unter anderem auf die geringere Stundenzahl, die Lehrern im Vergleich zur Gemeinschaftsschule in einer Sekundarschule für den Unterricht zur Verfügung steht. Schulz macht sich folgerichtig für eine Stärkung des Sekundarschul-Modells stark. Und wurde deshalb auch auf der politischen Landesbühne aktiv. "Ich habe einen Brief an den Ministerpräsidenten Reiner Haseloff geschrieben, in dem ich auf die Benachteiligung der Sekundarschule hinweise", erklärte er.

Verständnis für Frust und Enttäuschung

Kritisch kommentierte Schulz aber auch, dass der Landkreis die Osterburger Bildungsstätte, die eine sehr gute Arbeit leiste, in ihrem fast zweijährigem Engagement zur Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule einfach gewähren ließ, "ohne dass das mal im Kreistag thematisiert wurde." Schüler, Eltern und Lehrer hätten einen langen Weg zurückgelegt. "Und erst jetzt werden sie mit den Bedenken und der Ablehnung zweier Kreistagsausschüsse konfrontiert. Wenn dann Enttäuschung und Frust bei den Betroffenen aufkommen, kann ich das gut verstehen."

Der Bürgermeister blieb der einzige Politiker, der sich in der Diskussion offen gegen die Gemeinschaftsschule äußerte. Nachdem Elternsprecherin Anja Harwart Vorzüge des angestrebten Modells herausgestellt hatte, ergriffen die Stadträte Rainer Moser (SPD), Jutta Berger (Wählergemeinschaft Land), Matthias Müller (CDU) und Jürgen Emanuel (Die Linke) unisono für die Gemeinschaftsschule Partei. Emanuel forderte zudem die Kreishandwerkerschaft dazu auf, Position zu beziehen. Denn da das Konzept der Bildungsstätte auch eine Kooperation mit dem Fachgymnnasium der Berufsbildenden Schulen II zum Inhalt hat und handwerkliche Ausbildungs-Schwerpunkte setzt, "muss dieses Gemeinschaftsschul-Modell doch auch im Interesse der Kreishandwerkerschaft sein", betonte Emanuel.

Am Donnerstag erklärten sich aber erst einmal die Osterburger Stadträte. 21 Politiker stimmten für die Gemeinschaftsschule, lediglich Nico Schulz und Ringhard Friedrich (CDU) lehnten die Umwandlung ab. Anwesende Eltern und Lehrer reagierten froh und erleichtert. Anja Harwart zeigte sich "dankbar, dass der Osterburger Stadtrat in solch einer beeindruckenden Mehrheit hinter uns steht. Das macht uns Mut!"

Bürgermeister Nico Schulz kündigte an, dass er die Meinung des Stadtrates in den Stendaler Kreistag transportieren werde. An seiner persönlichen Haltung habe sich aber nichts geändert. "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das Sekundarschul-Modell besser ist. Deshalb werde ich auf der Kreistagssitzung erneut gegen die Umwandlung zur Gemeinschaftsschule stimmen", begründete er. Dass ihn viele Osterburger zuerst als Bürgermeister sehen und ihn damit quasi in die Pflicht nehmen, für die Mehrheitsmeinung in der Bevökerung einzutreten, ficht Schulz nicht an. "Ich sitze nicht als Bürgermeister im Kreistag. Und ich denke, die Einwohner haben mich nicht deshalb gewählt, dass ich immer mit dem Strom schwimme. Sondern nach der Überzeugung handle, was ich als das Beste für die Region ansehe. Und das ist in diesem Fall die Sekundarschule." Er könne deshalb auch nicht nachvollziehen, dass ihm vorgeworfen werde, gegen das Wohl der Kinder zu handeln. "Das sollte man in dieser Diskussion niemanden unterstellen. Ich bin davon überzeugt, dass alle genau dieses Wohl vor Augen haben, auch wenn wir unterschiedliche Auffassungen vertreten."