Obwohl die ersten Zuschüsse der neuen Leader-Förderperiode nicht vor 2016 fließen, ist das Rennen mit dem Anmeldeschluss per 31. Januar zum Teil schon wieder gelaufen. Die Seehäuser rechnen sich sehr gute Chancen für ihr Projekt der Türmerwohnung auf St. Petri aus.

Seehausen l Dass die Glaubensgemeinde, der federführende Kirchenförderverein und inzwischen auch die Stadtväter frohen Mutes über eine Förderung sind, ist kein Zweckoptimismus, sondern entsprechenden Signalen aus der zuständigen Leader-Aktionsgruppe zu verdanken, ließ der Vorsitzende des Fördervereins, Walter Fiedler durchblicken, als er das Projekt kürzlich im städtischen Wirtschaftsförderausschuss vorstellte. Und mit seiner Präsentation dokumentierte, dass die Antragsteller mit Projekt-Details und Kostenvoranschlägen schon weit über das bis hierhin erforderliche Mindestmaß für die Antragstellung hinaus sind.

2500 Gäste besichtigen die Kirche pro Jahr

Mit der "Inwertsetzung historischer Gebäude" und der "Profilierung des touristischen Potenzials der Region" erfüllt das Projekt gleich zwei der möglichen Leader-Leitlinien. Dass das Gotteshaus im romanischen Stil mit einer Vergangenheit, die bis ins 12.Jahrhundert reicht, das Attribut historisch erfüllt, ist einleuchtend. Aber auch der touristische Faktor abseits der regelmäßigen Konzerttermine ist mit jährlich 2500 Besuchern, die sich außer dem Kirchenbaustil insbesondere auch für die Lütkemüller-Orgel, den spätgotischen Flügelaltar, das spätromanische Portal oder die Marienkapelle interessieren, nicht zu verachten und mit einer weiteren Attraktion wie der Türmerwohnung sicher noch steigerungsfähig.

Für künftige Besucher, die die 180 Stufen zum Türmer-Domizil erklimmen, gilt auch, dass der Weg das Ziel ist. Denn schon der Aufstieg durch Pforten und über Treppen, die sonst nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, schauen die künftigen Besucher nämlich sozusagen hinter die Kulissen von St. Petri, was zum Beispiel die Turmuhr und nicht zuletzt die Kirchenorgel und deren Luftversorgung betrifft, an die auch der Vereinschef lebhafte Erinnerungen hat, als die Mechanik noch mit Muskelkraft bedient wurde. Walter Fiedler kennt die Wohnung auch noch als Treffpunkt der Jungen Gemeinde in luftiger Höhe. Apropos luftige Höhe. Neben dem authentischen Einblick in das Leben des Türmers, seiner Familie und deren Haustieren, können die Gäste von dort oben natürlich auch einen Ausblick genießen, der bei gutem Wetter gen Osten beispielsweise bis Havelberg reicht.

Domizil soll authentisch eingerichtet werden

Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Die Fenster müssen erneuert, Putz und Mauerwerk saniert, neue Elektroleitungen installiert, Zwischendecken und Aufgänge instand gesetzt und die Wohnung im Stil der damaligen Zeit eingerichtet werden, um nur einiges zu nennen. Selbst das Nutztiergehege, die Eimerlatrine und der Lastenaufzug sollen eine Renaissance erleben.

Wie hoch die neue Leader-Förderquote sein wird, steht noch nicht fest, dafür aber, dass das Projekt Türmerwohnung nach derzeitigem Stand mit rund 83000Euro zu Buche schlagen würde. Mit der dringend gebotenen Sanierung des Turmdaches, das Regenwasser und Schnee durchlässt, kommen die Planer auf etwa 133000Euro Kosten. Aber um die Dachsanierung will sich parallel zum Verein auch die Kirchengemeinde bemühen.

   

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