Seehausen/Dresden (rfr) l Sie ist acht Meter lang, wird digital gesteuert und zeigt den Bahnhof Badel um 1975. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende begannen die Mitglieder des Modelleisenbahnclubs (MEC) Seehausen mit der Planung und dem Bau ihrer zweiten Vereinsanlage.

Die erste Anlage mit den Bahnhöfen Krüden und Geestgottberg, in einigen Fachzeitschriften auch "Apfelbahn" genannt, hatte damals mit 23 Metern Länge eine Größe erreicht, die den Veranstaltern von Ausstellungen und den Erbauern gleichermaßen Platzprobleme bereitete.

Vielseitiges Hobby

Erste Anregungen für die neue Vereinsanlage fanden die Modellbahnfreunde im Buch "Kleinbahnen der Altmark" von Wolfgang List (Transpress Verlag, 1979). Dort fanden sie auch den Gleisplan des Bahnhofs Badel, einem sogenannten Trennungsbahnhof, in dem von der Strecke Kalbe-Beetzendorf die Bahnlinie nach Salzwedel abzweigte. Was lag also näher, sich mal vor Ort umzusehen, ob von den alten Bahnanlagen noch etwas erhalten geblieben war.

Aus dem einstigen Bahnhofsgebäude von Badel war ein schmuckes Wohnhaus geworden. Die Hochrampe für die Rübenverladung war noch in Teilen erhalten - die Rutschen und deren Mechanik rosteten still vor sich hin. Auf den Gleistrassen hatte die Natur längst begonnen, ihren einstigen Raum zurück zu erobern. Wenig später begann die Planung für die neue Anlage.

Dabei zeigte sich wieder einmal die Vielseitigkeit des Hobbys Modelleisenbahn. Zuerst war die Auswertung historischer Quellen und Publikationen unerlässlich. Fotodokumentationen lieferten weitere Informationen, die in die Planung einflossen. Daraus entstanden vor Baubeginn die Gleispläne und die Zeichnungen für die Gebäude.

Heute widmen sich manche Hobbyfreunde der Landschaftsgestaltung und dem Bau der Gebäudemodelle, andere haben sich der digitalen Steuerungstechnik verschrieben, um die Anlage "zum Leben zu erwecken". Letzteres scheint ein etwas undankbarer Job zu sein, bereitet aber den Beteiligten durchaus Freude.

Club bald 30 Jahre alt

Diese Arbeit bleibt zwar unsichtbar, sorgt aber dafür, dass die Züge der Anlage verkehren können. Nur das "Fachpublikum" unter den Ausstellungsbesuchern interessiert sich für die Dekoder unter der Anlage oder in den Loks, beziehungsweise die Steuerprogramme, die für den digitalen Anlagenbetrieb notwendig sind.

Per Mausklick werden Weichen und Signale gestellt oder Zügen das Abfahrtssignal erteilt. Beim Ausstellungsbetrieb sorgt der Automatikmodus für einen unbegrenzten Betrieb, ohne das die Modellbahnfreunde eingreifen müssen.

In den vergangenen Jahren konnten viele Seehäuser und Besucher der Stadt den Bau der Anlage verfolgen. Zeitgleich mit dem Kürbisfest im Oktober, veranstaltete der MEC Seehausen seinen "Tag der offenen Tür". Auch in diesem Jahr wird der Verein wieder sein Domizil über der Stadtinformation für Interessierte öffnen. Dann gibt es die organisierten Modellfreunde, die sich 1985 in einer Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Modellbahn-Verbandes fanden, bereits seit 30 Jahren.

Zeitlich näher als dieses Jubiläum liegt die Beteiligung an der Ausstellung "Erlebnis Modellbahn" in den Hallen der Messe Dresden. Bereits am kommenden Wochenende werden dort zahlreiche Modellbahnvereine aus dem In- und Ausland ihre Anlagen von Freitag bis Sonntag jeweils in der Zeit von 10 bis 18Uhr in Halle 3 und 4 präsentieren. Gleichzeitig bieten Hersteller und Händler ihre Produkte rund um das filigrane Hobby an.

Nach einigen außerplanmäßigen Bastelnachmittagen in den vergangenen Monaten, freuen sich die Seehäuser Modellbahnfreunde nun auf den Auftritt in der sächsischen Landeshauptstadt. Auf der Webseite des MEC Seehausen (www.mec-seehausen.de) erfährt man übrigens nicht nur Wissenswertes über den Verein, sondern kann sich auch Fotos der Anlage und ein Video über "Badel" ansehen.

Premiere für neues Modul

Für die Modellbahnfreunde in Seehausen ist das Projekt "Bahnhof Badel" aber noch nicht abgeschlossen. Erstmalig wird in Dresden ein neues Anlagenmodul zu sehen sein, einige Anlagenteile wurden komplett überarbeitet. Für die weitere Detailgestaltung der Anlage suchen die Clubmitglieder weiter alte Fotos vom Bahnhof Badel und der näheren Umgebung. Die Bilder können an eine der Kontaktadressen geschickt werden, die auf der Internetseite des Vereins zu finden sind. Nach dem Kopieren gehen die Bilder natürlich postwendend und unversehrt zurück.

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