Franz Kröhan hat für sein heimatgeschichtliches Werk am Seehäuser Beustertor einen Nachfolger gefunden.

Seehausen l Der Heimatverein Seehausen informiert seine Besucher auf dem Museumshof an der Mühlenstraße vorwiegend über Handwerk, Gewerbe und landwirtschaftliches Gerät aus dem vorigen Jahrhundert. Dazu lädt die Schusterstube, die auch zum Museum gehört, zu einem Besuch ein. In Zusammenarbeit mit der Stadtinformation und der Kreisvolkshochschule werden in den Räumen Ausstellungen und Lesungen organisiert.

Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich noch ein heimatgeschichtlicher "Stützpunkt". Es ist die Heimatstube am Beustertor, die unter maßgeblicher Leitung des Seehäusers Franz Kröhan ins Leben gerufen wurde. In einer der ehemaligen Wohnungen, die direkt an das Beustertor grenzen, trug er mit großer Leidenschaft Dinge zusammen, die mit der Geschichte Seehausens im Zusammenhang stehen. Mit Akribie wurden Zeitungen auf Artikel zu der Wischestadt durchforstet. Diese Sammlung geht bis Ende der 1940er Jahre zurück und ist eine wahre Fundgrube für Leute, die sich mit der Geschichte ihres Ortes intensiv auseinander setzen wollen.

Erinnerungen an die Wischeaktion

An den Wänden künden Fotos von gesellschaftlichen Ereignissen, wie zum Beispiel der Wischeaktion oder auch von Naturereignissen, wie die großen Hochwasser der Elbe. Aber auch Sachzeugen aller Art, unter anderem Fruchtpressen, kupferne Badeöfen oder eines der ersten Staubsaugermodelle, sind Zeugenisse vom Alltagsleben vergangener Jahre.

Mit den Sammlungen hat sich Franz Kröhan ein bleibendes Denkmal gesetzt. Er selbst hat noch bis vor kurzem Führungen mit Sachverstand in seinem Refugium begleitet. Nun fehlt dem Senior, den man noch täglich mit dem Fahrrad in Seehausen sieht, aber die Kraft. Seine über 80 Lebensjahre fordern ihren Tribut.

Aus diesem Grunde hat er sich selbst um einen Nachfolger für die Heimatstube gekümmert. In dem Seehäuser Rentner Jürgen Mierke hat er einen interessierten Bürger gefunden, der sein Lebenswerk fortsetzen möchte. Ihn kennt er schon seit vielen Jahren, in denen er für die Heimatstube ehrenamtlich tätig war.

In einem Pressegespräch zeigte Mierke seine Vorstellungen und Visionen auf. Sehr viele Objekte der Sammlung können wegen Platzmangels in den kleinen Räumen nicht nach Themengruppen sortiert ordentlich präsentiert werden. Platz wäre in dem nebenstehenden, denkmalgeschützten Haus, welches Leerstand aufweist. Ihm ist aber schon klar, dass dies keine Option bei der kritischen Finanzlage der Stadt ist. Aber auf jeden Fall müsste bald etwas an dem Haus gemacht werden, sollte das ganze Ensemble des Beustertores nicht verfallen. Es könne auch darüber nachgedacht werden, ob einige größere Ausstellungsstücke nicht auf dem Museumshof ein neues Zuhause finden könnten.

Zeitzeugnisse spenden, statt wegwerfen

In jedem Fall bleibt noch viel zu tun, deshalb legte Jürgen Mierke auch schon selbst bei der Reparatur der Tür und der Fensterläden Hand an. Und startet gleichzeitig einen Aufruf, damit oft unbeachteten Kulturgegenstände und schriftliche Zeitzeugnisse nicht in den Müll wandern. Wer also zum Beispiel Material über die ehemalige Maschinen- und Traktoren-Station (MTS) die frühere Verzinkerei, die Infrarotbäckerei, das Schulwesen oder die Landwirtschaft besitzt und damit nichts anzufangen weiß, wird gebeten, das der Heimatstube zu spenden. Telefonisch ist Jürgen Mierke in Seehausen unter 03937/54994 oder an seinem Wohnort an der Steinstraße24 zu erreichen.

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