Lichterfelde. Viel Tierisches haben Erika und Hermann Stengl in ihrem Haus schon erlebt, einmal schaute gar ein Fuchs durch die Terrassentür. Immer wieder auch kommt es vor, dass Vögel gegen die Fenster fliegen. Amseln oder Grünspechte, manche hinterlassen einen Fettabdruck ihres Federkleides auf der Scheibe. "Das kann wunderschön aussehen", sagt Hermann Stengl.

Was den beiden Rentnern allerdings am Sonntag widerfahren ist, können sie immer noch nicht glauben: Erika Stengl verabschiedete gerade den Besuch, ihr Mann saß im Wohnzimmer, als es plötzlich ganz laut knallt: "Es hat gerumpst und so hell gerieselt", erinnert sich Hermann Stengl. Das Geräusch muss vom Dachboden kommen, ortet er. Seine Frau bestätigt es gleich: Sie sieht von draußen ein riesengroßes Loch im Dachfenster ihres Hauses.
Schnell geht das Ehepaar hoch, um nachzuschauen, was da passiert ist. Als die beiden die Bodentür öffnen, huscht rechts etwas mit einem langen Schwanz weg. "Ich dachte erst, das war ein Marder", sagt Hermann Stengl. Plötzlich aber steht da ein Fasanhahn in seiner vollen Schönheit vor ihm. Stengl will sich bücken, ihn greifen und heraushelfen. Da fliegt der Vogel wiederum gegen die Scheibe und prallt ab. Doch schon beim zweiten Anlauf findet er sein Loch und flattert davon.

"Einbrecher" überlebt

Da ist der Spuk wieder vorbei. Kein Blut auf dem Fußboden, kaum Federn, nur überall Scherben. "Das ist doch unglaublich", sagt Erika Stengl. "Wir hätten mit einem Sperber gerechnet, aber mit einem Fasanhahn, niemals."

Die beiden mutmaßen nun, was den Vogel dazu gebracht haben könnte. "Es sind bestimmt diese Spiegelungen, der Vogel erkennt ja nicht, dass die Welt an der Scheibe vorbei ist", sagt Hermann Stengl. Auf jeden Fall könne der Fasan nicht frontal gegen das Fenster geflogen sein, sonst wäre er ganz sicher tot. "Vielleicht ist er mit der Brust dagegen."

Auch Hobbyornithologe Thoralf Schaffer ist überrascht vom Lichterfelder Fasan. "So etwas habe ich noch gar nicht gehört, das ist ja ein doppelter Zufall." Erstens, weil ein Fasan die Hauptrolle spielt und zweitens, weil dieser scheinbar unversehrt davonfliegt. "Man hätte doch eher mit einem Genickbruch gerechnet", sagt Schaffer. Er vermutet, dass der Fasan auf der Flucht war, vielleicht vor einem Habicht oder Mäusebussard. "Und mit Fenstern haben Vögel ja bekanntlich Probleme."

Versicherung zahlt nicht

Das Ehepaar Stengl hat nun auch ein Problem mit seinem Fenster: Es muss erneuert werden - das einzige Fenster, das noch aus DDR-Zeiten stammt. Vorerst helfen Bretter gegen den kalten Ostwind.

Die Versicherung zahlt übrigens nicht. "Weil es ein Glasschaden ist, der muss extra versichert werden", sagt Hermann Stengl. Ob das Ehepaar zukünftig gegen derlei Schäden geschützt sein will? Darauf ein klares Nein: "Wir wohnen jetzt 34 Jahre hier und uns ist nun der erste Fasan durchs Fenster geflogen, dabei wird’s ja wohl bleiben."

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