Die Bestrebungen von Schülern, Eltern und Lehrern für die Umwandlung der Osterburger Karl-Marx-Schule in eine Gemeinschaftsschule haben am Donnerstag im Kreistag einen herben Dämpfer erhalten. Aufgeben wollen die Biesestädter aber nicht.

Osterburg l Nur wenige Minuten nach 18 Uhr zerschlugen sich am Donnerstagabend im Stendaler Landratsamt die Hoffnungen auf eine Gemeinschaftsschule in Osterburg. Schüler, Eltern und Lehrer der Lernstätte verfolgten auf der Besuchertribüne des Sitzungssaals ernüchtert, wie sich in der namentlichen Abstimmung ein Kreispolitiker nach dem anderen gegen die Umwandlung des Lernortes aussprach. Am Ende votierten 31 Abgeordnete aus den Fraktionen der CDU, der SPD und FDP/Landwirte mit Nein, die Enttäuschung der Gemeinschaftsschul-Befürworter über diese Ablehnung machte sich aber hauptsächlich an einer Person fest - dem Bürgermeister der eigenen Stadt.

Bürgermeister-Rede sorgt für Unruhe

Das wurde spätestens während der Rede deutlich, mit der Nico Schulz als CDU-Fraktionsmitglied gegen das Gemeinschaftsmodell und für die Sekundarschule Partei ergriffen hatte. Seine Argumentation sorgte unter den anwesenden Osterburgern für Unruhe, nur mühsam konnten einige Zuhörer lautstarke Reaktionen unterdrücken. "Es war für uns sehr enttäuschend, wie sich der Bürgermeister gegen den Willen der Einwohner aus seiner Stadt stellt", begründete Elternsprecherin Anja Harwart, während eine andere Osterburgerin einen musikalischen Kommentar beisteuerte. Aus ihrem Smartphone erklang "Spiel mir das Lied vom Tod", als die Biesestädter die Tribüne verließen.

Mehrere vorbereitete Schilder, mit denen die Gemeinschaftsschul-Befürworter nach der Kreistags-Entscheidung ihrem Ärger freien Lauf ließen, zeigten aber auch: Überraschend kam das Nein für die Osterburger nicht mehr. "Nach den Abstimmungen in den beiden Kreistagsausschüssen sowie unseren Gesprächen mit einzelnen Fraktionen haben wir das befürchtet", gab Karin Christiansen-Weniger zu.

Spielte das Konzept bei der Entscheidung keine Rolle?

Ähnlich wie Elternsprecherin Anja Harwart stellte aber auch die Vorsitzende des Fördervereins der Schule schon wenige Minuten nach der Abstimmung im Kreistag klar: "Wir geben unser Ziel nicht auf!" So denken die Osterburger darüber nach, das Votum der Politiker juristisch anzufechten. Grund: Laut Schulgesetz hätte der Kreistag ausschließlich über das Konzept der angestrebten Gemeinschaftsschule abstimmen dürfen.

"Stattdessen standen aber eindeutig Befürchtungen über eine vermeintliche Bedrohung von Schulen in Goldbeck und Seehausen oder die Sorge des Landkreises über womöglich höhere Schülerbeförderungskosten im Vordergrund", sagte Christiansen-Weniger.

Die Vermutung, das Konzept habe bei der Entscheidung nur eine Nebenrolle gespielt, stützt sich auch darauf, dass es den Kreistagsmitgliedern nicht automatisch als Anhang zu dem Beschluss-Papier vorgelegen haben soll. Und: Nach Volksstimme-Informationen sei das Konzept daraufhin auch nur von sehr wenigen Kreispolitikern im Landratsamt angefordert worden.

Unabhängig von einer juristischen Auseinandersetzung denken die Gemeinschaftsschul-Befürworter darüber nach, den Modellwechsel 2016 erneut zu beantragen. In dieser Meinung werden sie vom Landtagsabgeordneten Ralf Bergmann (SPD) bestärkt. "Ich bedaure die Entscheidung des Kreistages sehr, möchte den Schülern, Eltern und Lehrern aber Mut machen, dranzubleiben. Denn die landesweite Welle hin zum Modell der Gemeinschaftsschule hält auch der Stendaler Kreistag nicht auf!" Der Landtagspolitiker, der sich für die Umwandlung eingesetzt und deshalb auch Kultusminister Stephan Dorgerloh nach Osterburg gelotst hatte, äußerte auch eine Befürchtung: "Was passiert eigentlich, wenn wie bei der Schließung der Grundschule in Werben auch in diesem Fall Familien mit den Füßen abstimmen. Und der Lernort in Osterburg Schüler verliert, weil die Kinder auf Gemeinschaftschulen in Seehausen oder Arendsee wechseln?"

Sicher ist: Einen Aderlass an Kindern wünschen sich die Osterburger auch dann nicht, wenn in der Lernstätte weiter nach dem Sekundar-Modell gearbeitet wird. Nicht ohne Stolz verweisen sie zudem darauf, dass die Einrichtung in gewisser Weise längst zur Gemeinschaftsschule geworden sei. "Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer sind während unserer Bemühungen für die Umwandlung zu einer echten Gemeinschaft geworden. Das sollten wir uns unbedingt bewahren", erklärte Karin Christiansen-Weniger.