Osterburg l Vielleicht hat es nicht jedem gefallen, dass Max Heckel als Frontmann der Band "Chapeau" gnadenlos und sofort jeden aus dem Publikum geduzt hat. Andererseits ist es genau dieser Mix aus frechem Mundwerk und kulturellem Anspruch, der den Reiz des Trios ausmacht. 60 Zuhörer in der Stadtbibliothek Osterburg haben sich am Freitagabend auf diese Gratwanderung eingelassen - und sichtlich Gefallen an ihr gefunden. Ausverkauft! "Die Nachfrage war noch größer", sagte Anette Bütow als Leiterin der Stadtbibliothek.

Vor allem mit vertonten Versen von Wilhelm Busch haben Max Heckel, Tabi Harzer und Aron Thalis die Zuhörer in ihren Bann gezogen. Obwohl, auch die von Heckel geschriebenen und vorgetragenen Texte schlugen ein. Sie sind aus seinem Buch, "das irgendwann mal erscheinen soll", und behandeln Szenen seines Alltags, in denen sich jeder wieder finden kann.

Neue CD erscheint im April

Oder wer kennt nicht den Typus Vater, der sein Kind kategorisch mit Doppelnamen anspricht, ihm nur Bonbons aus "artgerechter Haltung" gibt und beim angedrohten "Ich zähle bis Drei" die Drei niemals aussprechen wird? Jedenfalls ist dies die Sorte Mensch, die Heckel gut beschreiben kann und gerne auf die Schippe nimmt. Sowieso komme ja bei einer guten Selbstkritik am Ende immer heraus, "dass das Problem in Wahrheit bei den anderen liegt". Oder? Max Heckel sitzt also der Schelm im Nacken. Er liebt Wilhelm Busch dafür, dass seine kritischen Verse für jedermann gut sind. "Die, die die Kritik nicht verstehen, können trotzdem schmunzeln." Heckel scheut sich nicht davor, vorm Publikum das Wort "Kacke" in den Mund zu nehmen. Gleichsam beschreibt er vorm Konzert, dass er nicht sehr, sondern "gehörig aufgeregt" ist. Der Tangermünder weiß auch, was Anachronismen sind und hebt nach seinem Lehramtsstudium gerade an, über die Kriegstagebücher von Ernst Jünger zu promovieren.

Erstmal aber kommt am 26. April die neue CD mit dem Titel "claque" heraus. "Die kann man übrigens kaufen", sagte er in seiner eigenen Art, wohl wissend, "dass man nach wichtigen Aussagen eine Pause machen muss". In der Halbzeit jedenfalls bekundeten Gabriele Lange und Marion Gröger aus Stendal, dass sie angenehm überrascht sind von "Chapeau". Das Flair in der Bibliothek passe hervorragend zur Band.

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