Die Sanierung des Rat-hausdaches war eines der geplanten großen Bauvorhaben der Hansestadt Werben in diesem Jahr. Doch Altlasten im Dachstuhl machen das Vorhaben voraussichtlich deutlich teurer als erwartet. Der Stadtrat hat den geplanten Grundsatzbeschluss am Montag erst einmal vertagt.

Werben l Die Stadt Werben hatte ein Osterburger Ingenieurbüro damit beauftragt, für die Sanierung des Rathausdaches einen Variantenvergleich zu erstellen. Dabei spielte die Belastung des Dachgebälks mit giftigen Anstrichen eine zentrale Rolle.

Wie der Baufachmann Frank Ende am Montag gegenüber dem Werbener Stadtrat ausführte, liege bereits seit längerem ein Gutachten vor, aus dem hervorgeht, dass der Dachstuhl des Werbener Rathauses stark kontaminiert sei. Festgestellt worden seien die chemischen Verbindungen PCP und DDT (beide krebserregend) sowie Lindan, welches das Nervensystem schädigen kann. Diese Substanzen seien nicht abbaubar, behielten ihre gesundheitsschädliche Wirkung also über sehr lange Zeiträume.

Kosten liegen zwischen 111000 und 200000 Euro

Besonders bedauerlich ist dieser Umstand angesichts der Tatsache, dass laut Frank Ende der Dachstuhl bis auf wenige reparaturbedürftige Stellen noch komplett intakt ist.

Mit Blick auf die Schadstoffbelastung wurden drei Sanierungsvarianten erstellt und die Kosten gegenübergestellt. Variante A: die komplette Dachsanierung inklusive des Dachstuhls. Diese würde insgesamt knapp 200000 Euro verschlingen. Die Räume des Dachgeschosses wären so uneingeschränkt nutzbar.

Variante 2: Neueindeckung des Daches bei Erhalt des vorhandenen Dachstuhls. Um die Räume im Dachgeschoss nutzbar zu machen, wäre eine Versiegelung der Dachkonstruktion in diesem Bereich sowie die Reinigung und anschließende Versiegelung des Fußbodens notwendig. Diese Variante würde mit etwa 165000 Euro zu Buche schlagen.

Variante 3: die ursprünglich anvisierte Neueindeckung des Daches und Reparatur schadhafter Stellen durch eine Fachfirma. Diese Maßnahme würde zirka 111000 Euro kosten. Nachteil: Die Räume des Dachgeschosses wären nicht nutzbar und das Problem der Schadstoffbelastung des Dachstuhls bliebe weiterhin bestehen.

In der anschließenden Diskussion herrschte unter den Stadträten Uneinigkeit darüber, wie nun weiter zu verfahren sei. Bernd Schulze sprach sich für eine Komplettsanierung des Daches aus. Nur so seien weitere Probleme für die Zukunft auszuschließen. Bürgermeistere Jochen Hufschmidt verwies jedoch auf die nach wie vor schwierige Haushaltssituation. So müssten bei anderen wichtigen Vorhaben Abstriche gemacht werden. Hufschmidt brachte die Möglichkeit ins Gespräch, das Dach erst einmal nur zu reparieren und die Sanierung auf später zu verschieben. Eine Reparatur, so Frank Ende, sei das Mindeste, was kurzfristig passieren müsse. Denn es gebe bereits Stellen, wo es bereits durchregnet, erste Schäden an der Bausubstanz seien zu verzeichnen.

Reparatur wäre nur ein kurzer Zeitgewinn

Eine Reparatur, so der Osterburger weiter, wäre allerdings nur eine provisorische Lösung. "Spätestens in zwei bis drei Jahren müsste das Dach ohnehin neu gedeckt werden", schätzte er ein. "Die Substanz des Rathausdaches zeigt Verschleißerscheinungen. Die Dachsteine sind alt und porös. Sie lassen bereits Feuchtigkeit hindurch."

Unklar war am Montag, ob es für eine Dach-Reparatur Fördermittel gibt. Dies soll nun geklärt werden. Darüber hinaus soll eine Dachdeckerfirma beauftragt werden, einen Kostenvoranschlag für eine Dachreparatur zu erstellen. Der Beschluss darüber, wie mit dem Rathausdach nun konkret verfahren wird, soll nach dem Beschluss des Haushaltsplanes 2015 gefällt werden.