Der Kreistag hat ihnen mit seinem mehrheitlichen Nein einen herben Dämpfer versetzt, nun schöpfen die Befürworter einer Osterburger Gemeinschaftsschule neue Hoffnung. Ein Formfehler, der die Kreispolitiker zur erneuten Abstimmung verpflichtet, ist dafür nicht die einzige Ursache.

Osterburg l Ende vergangener Woche verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer: Weil der Antrag der SPD-Fraktion, die Umwandlung der Osterburger Sekundar- in eine Gemeinschaftsschule um ein Jahr zu verschieben und verbindlich für 2016/17 festzulegen, am 19. Februar im Kreistag nicht zur Abstimmung gestellt worden war, wird sich das Gremium erneut mit dem Thema befassen müssen (die Volksstimme berichtete).

Die Elternsprecherin Anja Harwart und die Schul-Fördervereinsvorsitzende Karin Christiansen-Weniger begrüßen diese Nachricht. "Das gibt den Kreistagsmitgliedern, die sich bisher nicht mit dem Konzept unserer Gemeinschaftsschule beschäftigt haben, noch einmal Gelegenheit, sich mit den Inhalten vertraut zu machen." Beide boten insbesondere auch der CDU-Kreistagsfraktion an, miteinander ins Gespräch zu kommen. "Wir stehen zur Verfügung, um über unser Konzept zu informieren. Ein Treffen kann gern auch in Stendal stattfinden", betonten sie.

Nur auf Gedankenspiele über ein etwaiges Umdenken der Kreistags-Mehrheit hin zur Gemeinschaftsschule gründet sich die neu gewonnene Hoffnung der Osterburger Schüler, Eltern und Lehrer aber nicht. "Wir stellen einen weiteren Antrag zur Bildung einer Gemeinschaftsschule zum Unterrichtsjahr 2016/17 , kündigten Anja Harwart und Karin Christiansen-Weniger an. Dieses Ziel steckten die Elternsprecherin und die Vorsitzende des Schul-Fördervereins in Gesprächen mit ihren Mitstreitern ab. Einigkeit herrscht zudem darüber, dass der Antrag inklusive der dann bereits neu besiegelten Partnerschafts-Vereinbarung mit dem Fachgymnasium der Berufsbildenden Schulen II möglichst frühzeitig an die Entscheidungsträger verschickt wird.

Großartig Hand an ihr Konzept legen müssen die Gemeinschaftsschul-Befürworter ohnehin nicht. Das von Fachleuten und Kultusminister Stephan Dorgerloh geadelte Papier, das selbst im Kreistag Anerkennung und Lobesworte einheimste, wird lediglich noch um einen Passus ergänzt. "An unserer Gemeinschaftsschule soll ein Stammtisch eingerichtet werden, an dem sich Schüler, Eltern, Lehrer und Fördervereinsmitglieder einmal monatlich treffen können, um gemeinsam über Probleme und ähnliches zu sprechen", berichtete Karin Christiansen-Weniger.

Lernort will an "Probebetrieb" festhalten

Während dieser Austausch aber noch Zukunftsmusik ist, beschäftigen sich die Unterstützer der Umwandlung mit konkreten Überlegungen für das kommende Schuljahr. Dabei geht es insbesondere darum, die schon im "Gemeinschaftsschul-Modus" laufende Betreuung der heutigen fünften Klassenstufe auch in der sechsten Klasse aufrechtzuerhalten. Mehr noch, der "Probebetrieb" soll nach Möglichkeit auf die neu zu bildende fünfte Klassenstufe ausgedehnt werden. Dass die Karl-Marx-Schule dabei im nächsten Unterrichtsjahr auf ähnliche Rahmenbedingungen wie eine Gemeinschaftsschule (größeres Stundenkonto, angestellte Lehrer verlieren nicht ihre Qualifizierung für das Gymnasium) bauen kann, glauben Harwart und Christiansen-Weniger nicht. Zwar forderten Sekundarschul-Befürworter wie Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz genau diese Gleichbehandlung der Schulmodelle von der Landesregierung ein, "wir sehen aber nicht, dass in Magdeburg noch wirklich auf die Sekundarschule gesetzt wird. Dieses Modell hat sich schlicht überlebt", schätzten die Elternsprecherin und die Fördervereins-Vorsitzende ein.

Anja Harwart und Karin Christiansen-Weniger setzen daher weiter und unbeirrt auf die Umwandlung des Lernortes zu einer Gemeinschaftsschule. Sie und ihre Mitstreiter aus den Reihen der Schüler, Eltern und Lehrer wissen dabei viele Osterburger hinter sich. "Wir haben in den zurückliegenden Tagen ganz viel Rückenwind erfahren. Der Zuspruch kam aus allen Generationen und querbeet durch die gesamte Osterburger Bevölkerung. Danke dafür! Diese Unterstützung macht uns zusätzlich Mut, an unserem Ziel festzuhalten", machten beide deutlich.

Übrigens: Wer sich für eine Mitarbeit in den Reihen des Fördervereins der Karl-Marx-Schule interessiert, ist jederzeit willkommen. Das nächste Mal kommt der Verein am 15. April um 19 Uhr im Biesecafè zusammen.