Anlässlich des 200. Geburtstages von Otto von Bismarck wird es in diesem Jahr in seinem Geburtsort Schönhausen und im benachbarten Tangermünde Sonderausstellungen geben. Sie entführen in das Leben dieser Persönlichkeit.

Schönhausen/Tangermünde l Einen Einblick in das ganz private Leben des Otto von Bismarck wollen die Tangermünder in diesem Jahr geben. Am 1. April 1815 war dieser in Schönhausen geboren worden. Die meisten kennen Bismarck als ersten Reichskanzler des Deutschen Reiches. Doch wie hat er gelebt, welche Vorlieben hatte er, was begleitet sein Leben?

Fragen, auf die unter anderem Hans-Joachim Mellies aus Dessau Antworten gefunden hat. Mellies ist seit 45Jahren mit einer gebürtigen Schönhauserin verheiratet. "Auf Familienfeiern war immer wieder Bismarck Thema", berichtete er gestern in Tangermünde. Hier war er zusammen mit seinen ehemaligen Kollegen Roger Hochmuth und Henning Weseloh beschäftigt, die Bismarck-Ausstellung im Burgmuseum aufzubauen. Im Museum für Stadtgeschichte Dessau waren sie einst tätig und auch im jetzigen Ruhestand noch zusammen in Aktion.

"Auch er hatte Schwächen, hat drei große Kriege angezettelt"

Hans-Joachim Mellies, Sammler

Mit der Privatsammlung von Mellies waren die drei in die Kaiser- und Hansestadt gekommen. Denn Mellies hatte in den vergangenen Jahren aufgrund seiner Familienbande nach Schönhausen einen geschärften Blick für Bismarck bekommen. "Die alte Parkanlage, die Kirchenanlage faszinierten mich. Doch erst 1998, zum 100. Todestag, gab es erstmals eine größere Ausstellung über Otto von Bismarck in Schönhausen", erinnerte sich Mellies.

Mit dem "geschärften Blick" durchstreift der Dessauer seit vielen Jahren Flohmärkte. Was er hier zusammengetragen hat, "sorgt zu Hause nicht immer für Frieden", verriet er gestern. Denn überall in seinem Haus, vom Keller bis zum Dach, sind seine Bismarck-Funde gelagert. "Bismarck fasziniert mich weniger als Politiker, sondern vielmehr ist es der Mythos um seine Person, der fesselt mich", erzählte er. Kein Deutscher habe so viele Ehrungen erfahren wie Bismarck. Doch bei all dem dürfe nicht vergessen werden, dass längst nicht alles, was Bismarck als Politiker zu verantworten hatte, gut war. "Auch er hatte Schwächen, hat drei große Kriege angezettelt."

Zur Privatsammlung des Hans-Joachim Mellies gehören etwa 800 Bücher von und über Bismarck. Einen kleinen Teil davon wird es in Tangermünde zu sehen geben. Außerdem schätzt der Dessauer, weitere 500 Stücke, vielleicht auch mehr zu besitzen, die Bismarks Leben begleiteten oder darüber berichten. "Doch der Fundus wächst stetig weiter, wird größer", sagte er.

Winzige Bilder, Alltagsgegenstände, Bücher, Schriftstücke, Büsten, Karikaturen, Briefmarken, Postkarten und mehr hat der Dessauer nach Tangermünde gebracht. Damit "will ich die positiven Seiten des Otto von Bismarck herausschälen, ohne die negativen zu vergessen", betonte Mellies.

"Wir sind damit Partner des Projektes Altmark 2015"

Sigrid Brücker, Museumsleiterin

Zusammen mit ihm und seinen Mitstreitern wird Tangermündes Museenleiterin Sigrid Brücker die Sonderausstellung im Burgmuseum am Montag, 30. März, um 16 Uhr eröffnen. Bis Ende Oktober wird sie hier zu sehen sein. "Wir sind damit Partner des Projektes Altmark 2015: Bismarck, Buga und Buchsbaum", erklärte sie. Denn die Stadt Tangermünde verstehe sich als "westliches Tor zur Buga".

Bereits an diesem Sonntag, 15. März, wird um 14 Uhr im Bürgerzentrum in Schönhausen eine Sonderausstellung eröffnet. Einen Eindruck, wie es im alten Schönhauser Bismarck-Museum einst ausgesehen hat, bekommt man in der neuen Ausstellung "Geschenkt: Das Schönhauser Bismarck-Museum von 1891 und seine Schätze". Sie wird am Sonntag eröffnet, wenn die Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen in das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag startet.

Im ehemaligen Standesamtszimmer des Gärtnerhauses werden die Stücke in ein neues Licht gerückt, die bereits im alten Museum (heute Bürgerzentrum) gestanden haben. Dazu gehört neben dem Prunkhorn auch die Bronzefigur "Germania", eines von mehreren Geschenken in der Ausstellung, die von Kaiser Wilhelm I. stammen. Der Raum bekommt durch eine von Mediengestalter Jörg Kluge angefertige Foto-Tapete ein besonderes Ambiente, ist doch ein alter Museumsraum von einem Foto auf Originalgröße gebracht worden.

In einem Raum im Torhaus wird die zweite Sonderausstellung in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh und dem Museum in Bad Kissingen "Bismarck: Familie-Politik-Mythos" vorbereitet. In Schönhausen geht es um die Familie. Beide Räume können ab Sonntag erstmals besichtigt werden.

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