Meseberg l Zu einem ökumenischen Kreuzweg luden am Sonntagnachmittag die evangelischen Pfarrer Margaret Lipschütz und Jens Födisch sowie der katholische Pfarrer Richard Perner nach Meseberg ein. Die sieben Stationen des Kreuzwegs führten die Gemeinde von Meseberg über Wolterslage nach Rengerslage.

Fünf Kilometer Fußmarsch stand den Gläubigen bevor. "Wir sind auch schon bei Schneematsch gewandert", wusste Pfarrer Jens Födisch zu berichten, der die Andacht eröffnete. Schon die Verzierung der Außenseiten der Kirchenbank deutete auf den Kreuzweg hin. Das erste Lied hieß dann auch "Holz auf Jesu Schulter".

"Für viele ist das Kreuz ein Alltagsgegenstand. Sie haben eins in der Wohnung oder um den Hals hängen", begann Pfarrer Richard Perner. In einem Schmuckgeschäft hatte er erlebt, wie eine junge Frau nach einem Kreuz fragte. Aber goldig sollte es sein. "Da ist nichts Goldiges", berichtigte der Pfarrer, "wir erfahren während des Kreuzweges Dinge, die im Jahre 30 abgelaufen sind." Wahrscheinlich am 6. April des Jahres.

Das Kreuz, von dem die Rede ist, hätte Schmerzhaftes zu erzählen, auch Ekliges. Am Kreuz sind viele gestorben, auch Jesus von Nazareth. Weil er im Prozess von einem römischen Richter zum Tod durch das Kreuz verurteilt wurde, obwohl solch hartes Urteil hauptsächlich Armen und Verbrechern zukam. Er hatte angeblich die Majestät des Kaisers verletzt. Ohne zu zögern, wurde ihm das Todesurteil ausgesprochen.

Früher, so klärte Pfarrer Födisch auf, gab es den Kreuzbalken nicht, sondern nur einen Stamm, an dem die Verurteilten festgebunden wurden und an Erschöpfung starben. Später kam die Pfählung, der Querbalken, die Verurteilten wurden am Stamm hochgezogen. Sie mussten ihn selbst zur Hinrichtungsstätte tragen, ihnen voran trug man den Titulus, auf dem man den Grund für die Hinrichtung öffentlich bekannt machte. Ausgangspunkt von Jesus war höchstwahrscheinlich der ehemalige Herodespalast. Ziel war der Richtplatz in Golgatha.

In den Fürbitten betete die Gemeinde für alle, die ihr Kreuz zu tragen hatten und haben: für die Schwerkranken, die Todeskandidaten, diejenigen, die eine Todesnachricht überbringen müssen und "für uns selber, dass wir den Menschen gerecht werden und kein schnelles Urteil sprechen".

Nach der Andacht waren die Brüder Leon (13) und Joseph Timm (14) die ersten, die das Holzkreuz und den Kranz trugen. Die Konfirmanden wurden später von den Erwachsenen abgelöst. In der Bauernstube in Rengerslage konnte sich die Gemeinde bei Kaffee und Kuchen nach dem Kreuzweg aufwärmen und erholen. Nächstes Jahr startet der Kreuzweg in Rengerslage.

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