Am Sonntagnachmittag geriet das Blut der Gäste der Wischelandhalle Seehausen in Wallung. Schuld war das Schlagerduo Freddy und Martin, alias "Fantasy". Die beiden Sänger wurden gefeiert wie Popstars.

Seehausen l Kaum hatten Freddy und Martin den Titelsong ihrer letzten CD "Eine Nacht im Paradies" angestimmt, flippten nicht nur die älteren Gäste aus. "Fantasy" kann auch auf sehr junge Fans zählen. So bemerkte Martin, der in Berlin zu Hause ist, zunächst: "Nun beruhigen Sie sich doch erst mal!" Die Leute waren längst von ihren Plätzen aufgestanden und feierten ihre Stars, die ihre Premiere auf der Seehäuser Bühne erlebten. Laut sangen sie mit: "Ich bin ein König der Nacht, der seine Tränen überlacht."

Kesse Lippe kommt an

Schnell wurde klar, warum die Sänger so beliebt sind. Ihre kesse Lippe kommt ebenfalls an. Martin erzählte, er hätte sich nach 242 Auftritten im letzten Jahr einen Skiurlaub gönnen wollen, war aber ziemlich schnell in einer Klinik wieder zu Bewusstsein gekommen. Kreuzbandriss. Seinetwegen musste Freddy seine Choreographie für die Auftritte ändern und das Humpeln übernehmen. Als Martin stolz gestand, dass er kürzlich mit dem Rauchen aufgehört hätte, kommentierte Freddy trocken mit Blick auf dessen Figur: "Aber dafür hast du mit dem Biertrinken angefangen, was?" Weshalb Martin darum bat, Fotos von ihm nur von vorn zu machen. Das sähe besser aus.

1998 hatten sie ihren ersten Auftritt in der Iltisstube vor zwei Menschen - und nun das! Eine volle Halle! Grund für die beiden, ihren Fans einmal danke zu sagen. Ihre letzte CD und DVD landete in Deutschland und Österreich in den internationalen Charts auf Platz 1. Drei Mal wurden sie außerdem für den Echo nominiert. Ihr Best-of-Album erhielt drei Mal Gold.

"Atemlos vor Glück - grenzenlos liebten wir uns Stück für Stück - so wie im Film" sangen sie und sahen sich kurz darauf von Geschenken überschüttet. Rosen, Pralinen, Sekt und vieles mehr überreichten Gäste ihren Lieblingen. Jutta Schulze aus Kossebau wurde für ihre Geschenke mit Umarmung und Küsschen belohnt. "Ich bin seit drei Jahren Fan", gab sie zu, "mein Sohn hat mir die Karte zu Weihnachten geschenkt. Das ist mein Traum!" Zu den Fans der ersten Stunde zählen Edith und Karl-Heinz Dieckmann aus Osterburg. "Wir haben alle CDs!" plauderte die Osterburgerin aus, "das ist unsere Musik!" Ihr Mann hat zudem sämtliche Anekdoten um die Sänger recherchiert. So ist ihm zum Beispiel bekannt, dass sie auf Namenssuche von ihrem Manager gefragt wurden: "Habt ihr denn keine Phantasie?" Schwupps, war der Name gefunden!

Noch vor der Pause tanzten die ersten Paare dicht vor der Bühne. Zur Freude des Publikums erklärte Martin, er wäre jetzt fürs Zurückschenken. Zum Beispiel gäbe es für eine Rose ein Küsschen, für Sekt einen Kuss, und "bei Chantré können Sie sich was aussuchen!"

Einen Mann in der ersten Reihe zwischen zwei Frauen beschenkte er ebenfalls: "Willst du sicher gut verhüten, nimm` Melitta-Filtertüten!" Ihre direkte Art beim Singen und Moderieren traf den Nerv der Zuschauer. Sie sangen Texte wie "Erzähl mir, was du willst, nur keine Lügen, nimm mich in den Arm und lass uns fliegen, komm und berühr` mich, komm und verführ` mich". Und wenn die Gäste stehend mitjubelten, sagten sie: "Nun setzen Se sich doch mal!"

Die Mischung macht es

Die Mischung machte es, romantische Schlager und trockener Humor. Ein Lied über Halle hatten sie "Halleluja" genannt, wollten sie den Altmärkern weismachen. Und einer frisch Verliebten erklärte Martin:

"Ich bin seit 12 Jahren verheiratet. Ich kann Sie beruhigen, das lässt nach!" Irgendwann bemerkte Freddy: "Kompliment, Sie haben einen verdammt guten Musikgeschmack". Da war ein Ende des Konzerts noch nicht in Sicht. Aus- nahmezustand in Seehausen, bestätigten auch Ingrid Jabke und Waltraud Deistler von der Stadtinformation, die die Fans davon abhalten mussten, die Geschenke bei ihnen abzugeben.

 

Bilder