Helmut Rieck ist nach Osterburg zurückgekehrt. In Form von Dokumenten und Bildern, die der Künstler in seiner Zeit in der Altmark malte. Gundula Sabban aus Lemgo, die mit dem Freundeskreis des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums in Kontakt steht, gab die Hinterlassenschaft ihres Vaters an das Osterburger Kreismuseum weiter.

Osterburg l Frank Hoche freut sich sehr über die neuen Exponate. "Unter den Bildern befinden sich beispielsweise 20 uns bislang unbekannte Aquarelle, die Osterburger Stadtansichten zeigen", erzählte der Kreismuseumschef. Persönliche Unterlagen des Künstlers gehören zur Schenkung, zudem gelangte das Museum in den Besitz mehrerer großformatiger Bilder, die Rieck für eine Modenschau angefertigt hatte. Dieses Spektakel ging im Frühjahr 1949 im damaligen Lichtspielhaus Behne über die Bühne und wurde von der Schneidermeisterin Charlotte Rehbeck und dem Schneidermeister Richard Handtke veranstaltet, die mit ihren Geschäften in der Biesestadt ansässig waren.

"Diese Modenschau trug mit dazu bei, dass in der Nachkriegszeit das kulturelle Leben in unserer Stadt wieder erwachte", sagte Hoche. Für wesentlich hält er auch die Tatsache, dass Rieck 1947 den Gestaltungswettbewerb für das neue Osterburger Kreiswappen, das das von 1937 ablösen sollte, gewonnen hatte. Der damalige Kreisrat Mayer informierte Rieck in einem kurzen Schreiben, das zu den genannten Unterlagen gehört, dass "Sie mit dem ersten Preis bedacht worden sind". Seinen Entwurf hatte eine Kommission aus den 30 eingereichten Arbeiten ausgewählt. Dieses Wappen ist auf auch einer großen mit Schnitzereien verzierten Holztafel im Museum zu sehen.

Ihn erinnere die künstlerische Entwicklung Riecks an die des Malers Ferdinand Till, sagte der Museumschef. Rieck wurde am 28. Februar 1905 in Bromberg, dem heutigen Bydgoszcz, geboren. Wegen der Gebietsabtrennung von Preußen nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages zugunsten der Zweiten Polnischen Republik siedelte die Familie im November 1919 nach Schneidemühl in Schlesien über. Dort erlangte Rieck die Mittlere Reife. Nachfolgende Studienjahre vermittelten ihm Kenntnisse unter anderem in Malerei, Grafik, Kunstgeschichte, Anatomie, Pädagogik, Philosophie und Erdkunde.

Als Studienassessor unterrichtete Helmut Rieck an Gymnasien in Berlin, Neuzelle, Wittenberg und Osterburg. In der Biesestadt wurde er zum Studienrat ernannt. Der Zweite Weltkrieg verschonte auch ihn nicht. Nach kurzer Gefangenschaft kehrte er in die Altmark zurück und erhielt 1946 die Anerkennung als Freischaffender Künstler. Er verließ 1950 mit seiner Familie die DDR in Richtung Westen und nahm nach mehrmaligem Ortswechsel Wohnsitz in Hattingen/Ruhr, wo er fast 20 Jahre als Kunsterzieher wirkte. Dort avancierte er zum Oberstudienrat und später zum Studiendirektor.

Von frühester Jugend an sei Rieck immer mit Skizzenblock und Stift unterwegs gewesen; sein Malerblick lenkte seine Hand auf die vielfältigsten Motive - von der Marktfrau, dem Zootier bis zur idyllischen Landschaft. Studien- und Ferienreisen führten ihn in verschiedene Länder, aber auch an die deutschen Küsten und in die Gebirge. In den Kriegswirren seien viele frühe Werke Riecks verloren gegangen, darunter Kopien alter Meister, auf die er sich einige Zeit spezialisiert hatte, heißt es. Erst in Hattingen fand er wieder zu kontinuierlicher Arbeit zurück.

1975 siedelte Helmut Rieck nach Lemgo über, um in der Nähe seiner Kinder und Enkel zu sein. Das war ihm nur zwei Jahre vergönnt; am 10. Oktober 1977 verstarb der Künstler.

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