Das neue Schmuckstück ist nagelneu, hat eine Leistung von 340 PS, ist acht Meter lang und 3,40 Meter hoch. Und wird bei der heutigen Dienstberatung der Seehäuser Feuerwehr im Mittelpunkt stehen: Der Gerätewagen Dekontamination.

Seehausen l Bei seiner Ankunft am Donnerstag kurz nach 17Uhr wurde das neue Fahrzeug bereits von einigen Mitgliedern der Seehäuser Feuerwehr und des Nachwuchses in Augenschein genommen. Seine Jungfernfahrt führte den Gerätewagen Dekontamination (Personen), kurz GW DekonP, von Bonn aus rund 500 Kilometer ostwärts in die Altmark. Und hier hat der Koloss sein Aufgabengebiet: Er ist speziell für den Katastrophenschutz gedacht, wird aber sicherlich auch andere Aufgaben für die Wehren der Verbandsgemeinde Seehausen übernehmen.

Seehausens Wehrleiter Enrico Schmidt sprach von einem "kleinen und schönen Zufall", dass die VG bereits zwei Jahre schneller als im Plan vorgesehen über diese Technik verfügt. Und das Positive: Für die Anschaffung muss die VG keinen Cent bezahlen. Der Bund stellt dieses Fahrzeug, das einen Wert von rund 220000 Euro besitzt, den Wehren der Verbandsgemeinde zur Verfügung. "Auf uns wird einige Arbeit zukommen", signalisierte am Donnerstagabend Conrad Buss, der zum Trio zählte, das bereits erste Erfahrungen mit der im Fahrzeug vorhandenen Technik sammelte. Zusammen mit Nico Horak und Karsten Brandt holte er den Gerätewagen aus Bonn ab. Zuvor wurden die drei Seehäuser Brandbekämpfer in einem zweitägigen Lehrgang mit der für sie ungewohnten Handhabung vertraut gemacht. Nun sind andere an der Reihe. Die Pflicht, sich mit dem Neuerwerb auseinanderzusetzen, solle natürlich auch mit Spaß behaftet sein. Deshalb hoffen die Seehäuser auch auf die Unterstützung der anderen Wehren der VG.

Auch für andere Einsätze nutzbar

"Der bringt uns ein gutes Stück voran", sagte Norman Schulze von der Verbandsgemeinde-Wehrleitung zum neuen Wagen. In erster Linie soll er bei Notfällen zum Einsatz kommen. "Kommt es mit einem mit Chemikalien beladenen Zug zum Unfall, brauchen wir ihn", nennt Conrad Buss ein Beispiel. So führt er unter anderem eine Einmann-Duschkabine, Wannen zum Auffangen des kontaminierten Wassers, Heizlüfter und ein Aufenthaltszelt mit sich. Aber es sei auch möglich, die Module der etatmäßigen Beladung für andersweitige Einsätze zu verändern beziehungsweise auszutauschen. Norman Schulze denkt beispielsweise an die Zeiten des Hochwassers, in denen die Feuerwehr-Mitglieder in der Vergangenheit vollstens involviert waren und deren Hilfe auch bei künftigen Gefahrenlagen durch einen erhöhten Elbepegel und der Nebenflüsse nötig ist. Der Dekontaminationskraftwagen könnte dann beispielsweise zur Essensversorgung für die Einsatzkräfte eingesetzt werden. Auch andere für die Logistik bedeutende Aufgaben könnten mit ihm über die Bühne gehen. Beispielsweise könnte er auch den Transport von Schläuchen übernehmen.

"Am Freitag geht es gleich in die Vollen", ließ Seehausens Wehrleiter bereits am Donnerstagabend wissen. Am heutigen Dienstabend kann das Fahrzeug von den Wehrmitgliedern nicht nur begutachtet werden. Auch eine erste Einführung ist geplant. Ein Teil der Kameraden soll sich in Aus- und Fortbildungen in der Katastrophenschutzschule in Heyrothsberge einschreiben, um sich für das neue Schmuckstück sozusagen fit zu machen. Schließlich soll es nicht nur von einer Handvoll Kameraden bedient werden. Im Notfall sind mehr Wehrmitglieder gefragt.

Dieses hat seinen Platz im Domizil der Seehäuser. Ein anderes Fahrzeug musste im Gerätehaus seinen Platz räumen. Aber das sei sowieso geplant gewesen: Ein Gerätewagen älteren Modells wurde ausrangiert, gehört aber noch zum Inventar der Seehäuser Freiwilligen Feuerwehr.