Osterburg/Bretsch l "Deutschland ist eine Kulturlandschaft und keine Wildnis." Dieter Smyrek drückte damit klar aus, dass ob der Zunahme an Wolfsrisse das Raubtier in das Jagdrecht aufzunehmen ist.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Osterburg, der bei der Jahreshauptversammlung neben vielen Waidmännern auch Kreisjägermeister Günter Scheffler, Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer und Kerstin Kießling von der Unteren Jagdbehörde begrüßte, betonte, dass "das Jagdwesen in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu anderen Bundesländern in guter Verfassung" ist.

Ausführungen zum Wolf nahmen im Bretscher Gasthof "Lunkwitz" breiten Raum ein. Dass das Raubtier auch in der nördlichen Altmark angekommen ist, belegten in den vergangenen Tagen und Wochen mehrere Risse an Nutztieren, aber auch aus Fahrzeugen geschossene Fotos der Raubtiere, die keine Scheu vor den Menschen zeigen, sind längst keine Seltenheit mehr. Die Jäger sind alarmiert. Nur steht Isegrim nicht auf der Abschussliste. Die von der Jägerschaft geforderte Aufnahme in das Jagdrecht bleibt Zündstoff. Noch gibt es viele Gegner, in erster Linie der Bund für Umwelt und Naturschutz.

"Es muss erst etwas passieren...", warnen die Waidmänner. Dr. Schaffer sprach in Sachen Wolf von einem "heiklen Thema". Dass auch der Neu-Rückkehrer im Fall einer Verletzung nicht zu erlegen sei, betonte der Amtstierarzt. Auf der sicheren Seite sei der Jäger, wenn er sich mit dem Landkreis in Verbindung setzt. Unter Tel. 0162 3133949 gebe es kompetente Ansprechpartner.

Smyrek nannte Zahlen. Laut einer Quelle leben 31 Wolfsrudel in Sachsen (10), Brandenburg (9), Sachsen-Anhalt (5), Niedersachsen (5) und Mecklenburg-Vorpommern (2). Allein in unserem Bundesland wurden 49 Wölfe gezählt, aber die Jägerschaft zweifelt aufgrund der in der nördlichen Altmark beobachteten Tiere die Zahl an und schätzt sie höher ein. "Wir müssen mit dieser Situation leben, dürfen sie aber nicht aus den Händen gleiten lassen", sagte Dieter Smyrek, der sich die nötige Unterstützung von der Politik erhofft. "Wenn es notwendig ist, müssen bestimmte Maßnahmen zeitnah möglich sein." Damit meint er Problemtiere, die bejagdbar sein sollten.

Vorstandsmitglied Dieter Fürst legte die Abschuss-Zahlen des Jagdjahres 2014/15 vor. In den zur Jägerschaft gehörenden 15 Hegeringen, in denen rund 350 Jäger organisiert sind, wurden 2266 Stücke Rehwild erlegt. Das sind 80 weniger als im Vergleich zum Jagdjahr 2013/14. "Durch Hochwasser und strenge Winter hat der Rehwildbestand gelitten", so Fürst. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die hohen Abschuss-Zahlen der Unteren Jagdbehörde. Kerstin Kießling von der Behörde betonte anschließend, mit ihr oder den Mitarbeitern in Kontakt zu treten. Die Jäger könnten auch Gruppen bilden, um die geforderten Zahlen zu erreichen.