Seehausen l Was früher in erster Linie eine Möglichkeit für weibliche Jugendliche war, in von Männern dominierte Berufe hinein zu schnuppern, ist mittlerweile zu einem eher allgemeinen Berufsorientierungstag für Mädchen und Jungen geworden. Und zwar freiwillig. Wer keinen Praktikumsplatz für einen Tag findet, muss in die Schule.

Klassenlehrerin erfreut

Das galt auch für die Seehäuserin Michelle Alt, die die 9.Klasse im Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg besucht. Nur unter ganz anderen Voraussetzungen. Sie kehrte für ihren Girlsday nämlich ebenso wie ihre Altersgenossinnen Josephine Völsch und Antonia Nieswald von der Gemeinschafts- und Sekundarschule Seehausen sozusagen zu den eigenen Wurzeln ihrer Kindheit zurück und prüfte für einen Unterrichtstag, wie es ist, Grundschullehrer zu sein. Ein Praktikum, über das sich besonders Gerlinde Fischer freute. Die Klassenlehrerin der 3b hatte früher nämlich auch Michelle unter ihren Fittichen.

Und wie kommt man dazu, als Teenager, dem selbst noch drei Schuljahre bevorstehen, schon jetzt mit dem Lehrerberuf zu liebäugeln?

"Mir macht das Arbeiten mit Kindern einfach Spaß", lässt die 15-Jährige wissen, ohne lange überlegen zu müssen wissen. Schiebt aber hinterher, dass ihr die Grundschüler sozusagen pflegeleichter erscheinen, als Schüler ihres Alters. Darauf, dass sie Grundschullehrerin werden will, lässt sie sich aber nicht "festnageln". Sie empfindet den Girlsday durchaus als Gelegenheit, sich auszuprobieren. Weshalb auch eine Karriere als Veterinär nicht auszuschließen ist. Im vergangenen Jahr schaute die Jugendliche, die in ihrer Freizeit gerne reitet, nämlich einem Tierarztkollegen ihres Vaters über die Schulter.

"Wir nehmen nicht jeden"

Michelle war gestern ebenso wie Josephine und Antonia für die Klassenlehrerin übrigens eher Hilfe als Last. Bei der Gruppenarbeit konnten sich die Mädchen mit ihren sechs Jahren Vorsprung in der Schule nämlich gut in den Unterrichtsstoff einbringen.

Den Girlsday, der mittlerweise auch ein Boysday ist, nimmt Schulleiter Reinhard Rieger durchaus ernst. Die Auswahl der Kurzpraktikanten erfolge nicht nach Sympathie. Man wolle den Eindruck haben, dass sich die Bewerber ernsthaft für die Berufe Lehrer oder Erzieher interessieren.

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