Ein Kilometer ist nichts in diesem Ehrenamt. Wenn Herbert Zarwel für den Unterhaltungsverband "Seege/Aland" unterwegs ist, macht er ordentlich Strecke. Immer die Gräben entlang, den Blick nach unten gerichtet - auf der Suche nach "Hindernissen für den ordnungsgemäßen Wasserabfluss".

Iden l Die Sache ist ganz einfach. Herbert Zarwel wurde gefragt und hat Ja gesagt. Denn was getan werden muss, muss getan werden, da gibt`s nicht viel Federlesen. Noch vor seinem Rentenbeginn im Jahr 2012 wurde Herbert Zarwel so zum Schaubeauftragten für den Unterhaltungsverband "Seege/Aland". Als einer von acht Ehrenamtlichen ist er zuständig für den Schaubereich 4 im Schaubezirk 9. Iden, Rohrbeck und Busch sind ihm zugeteilt, dort zieht er im Frühjahr seine Bahnen, wie jetzt gerade.

Es geht um die Gräben zweiter Ordnung, um Entwässerungsgräben. Sie müssen kontrolliert werden, "auf Hindernisse, die den ordnungsgemäßen Ablauf behindern könnten". Strauchwerk gehört dazu, eine weggebrochene Kopfweide oder Erdeinspülungen vor Durchlässen. Herbert Zarwel sucht nach Laub auf der Grabensohle, nach Spuren von Nutrias oder Bisamratten und sonstigen Auffälligkeiten. In der Hand hat er sein Grabenkataster und die Karte, einen Kugelschreiber dazu. Acht Tage war er dieses Mal unterwegs, jeweils eine bis vier Stunden, insgesamt 27 Stunden. "Es ist ein kleines bisschen anders als Spazierengehen."

Aber Herbert Zarwel ist ein Flinker. Als er einen seiner Enkelsöhne mit auf die Strecke nahm, habe dieser sehr gestaunt, welches Programm sein Opa runterreißt. "Manchmal, wenn du wieder angekommen bist, bist du pitschenass geschwitzt." Und wer sich zuviel zutraut beim Über-den-Graben-springen, landet auch mal auf dem Allerwertesten. "Ist mir auch passiert, dann bist du eben nass."

Herbert Zarwel kennt sich aus in seinem Beritt. Er kam 1964 ans Institut Iden, arbeitete dort zuletzt - an der heutigen LLFG Iden - als Meister im Mutterkuhbereich. So ist er prädestiniert für sein Ehrenamt und doch hat er sich anfangs ziemlich umgeguckt. "In Busch musste ich mich erstmal orientieren lernen." Das Dorf von der Straße aus, schön und gut, aber auf der Straße ist Herbert Zarwel nicht unterwegs. Er geht von Graben Nummer 109000041 zu Graben Nummer 10901002. "Da musst du dir genau überlegen, wie du am besten läufst." Manchmal geht`s quer über den Acker. Nicht immer lassen sich die Strecken logistisch als Runde gehen, zuweilen läuft der Schaubeauftragte zurück den selben Weg nochmal.

Das hält fit. Herbert Zarwel, der ein Genauer ist, hat sich beim Unterhaltungsverband Seege/Aland für seine Ausführungen nicht nur einmal eine "Eins mit Sternchen" abgeholt. Der Verband ist auf die Ehrenamtlichen angewiesen, 38 machen sich jedes Jahr im Frühjahr auf den Weg. Das Gebiet umfasst 70000 Hektar, "das sind insgesamt 1600 Kilometer Graben", informiert Geschäftsführer Klaus-Peter Meißner. Die Protokolle der Schaubeauftragten helfen, Schwerpunkte für die alljährlichen Grabenschauen zu setzen. Danach machen sich zwei Gewässerarbeiter daran, die Hindernisse zu beseitigen. Eine Firma hilft mit schwerer Technik. Damit hat Herbert Zarwel nichts mehr zu tun. Er pausiert bis zum nächsten Frühjahr.

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